Schwächen mit Full Service ausbügeln SAP S/4HANA in der Cloud: Better „Rise“ with Experts

Ein Gastbeitrag von Sören Genzler 5 min Lesedauer

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Das Alles-aus-einer-Hand-Paket „Rise with SAP“ klingt verlockend. Doch das Potenzial von SAP S/4HANA voll auszuschöpfen, ist alles andere als einfach – es drohen Kostenfallen und Mehraufwand. Weil SAP nur begrenzte Services bietet, hilft hier das wertvolle Know-how von Experten.

„Rise with SAP“ bietet als All-in-One-Service viele Vorteile, lässt aber die Anwender mit vielen Arbeitsschritten alleine; Managed Service Provider leisten Hilfestellung für überforderte IT-Abteilungen.(Bild:  Me studio - stock.adobe.com)
„Rise with SAP“ bietet als All-in-One-Service viele Vorteile, lässt aber die Anwender mit vielen Arbeitsschritten alleine; Managed Service Provider leisten Hilfestellung für überforderte IT-Abteilungen.
(Bild: Me studio - stock.adobe.com)

Es ist längst bekannt: 2027 beendet SAP die Mainstream Maintenance der Business Suite 7, 2030 die Extended Maintenance. Noch viel Zeit? Es lohnt sich für Unternehmen, bereits heute darüber nachzudenken, wie der Wechsel auf den Nachfolger SAP S/4HANA vollzogen werden soll und welche Veränderungen sie in die Ziellandschaften einbringen wollen. Denn der Performance-Schub mit Datenverarbeitung in nahezu Echtzeit ermöglicht Innovation. Vor allem mit der Cloud-Variante erhalten Unternehmen eine skalierbare und atmende Lösung, die für fast alle Eventualitäten gerüstet ist.

Aber in der Cloud lediglich eine 1:1-Kopie des bestehenden ERP-Systems anzufertigen – das wäre sträflich. Ihre Vorteile spielt die Cloud erst dann richtig aus, wenn der Umzug die Cloud-spezifischen Möglichkeiten berücksichtigt und optimal ausnutzt. Entschlacken, entrümpeln, verbessern: Jeder gute Umzug profitiert davon und so ist das auch bei einer S/4-Migration.

SAP S/4HANA kann in der Cloud entweder über das Angebot „Rise with SAP“ oder über einen externen Dienstleister als Direct Cloud bereitgestellt werden. Als externe Dienstleister kommen Managed Services Provider (MSP) infrage, die Hosting und Betrieb der SAP S/4HANA Cloud übernehmen. Außerdem kümmern sie sich um begleitende Dienstleistungen. Und diese sind immens wichtig, weil sie bei Weitem über den Support hinausgehen, den SAP für seine eigene Lösung anbietet.

All-in-One ist nicht Full Service

Als All-in-One-Lösung bietet „Rise with SAP“ auf den ersten Blick viele Vorteile. Hinderlich ist jedoch der eingeschränkte Service-Umfang. Bei dem hoch standardisierten Angebot können viele Zusatzaufgaben und auch -kosten auftreten, mit denen Unternehmen meist nicht gerechnet haben und die im Vorhinein auch nur unzureichend kommuniziert werden.

Die Verantwortung für Sicherheit und Performance landet teilweise beim Kunden. Natürlich gilt das nicht für den allgemeinen Betrieb des Systems und kritische Patches. Um weniger bedeutende Probleme wie die Analyse von Performance-Einschränkungen müssen sich die Unternehmen jedoch oft selbst kümmern. Zwischen den SAP-Rechenzentren, den Cloud-Netzwerken und den Kundenterminals liegen diverse potenzielle Fehlerquellen. Bei allen nicht-kritischen Patches und SAP Notes obliegt es dem Kunden zu entscheiden, ob und wann diese angewendet werden sollen.

Nur durch eigenständige Lektüre von Early Watch Alerts können Unternehmen Probleme entdecken und lösen. Ein „Continuous Service Improvement“-Verfahren bietet in der Regel nur ein MSP – für „Rise“-Umgebungen ist dies aktuell nicht vorgesehen. Unternehmen benötigen also nun wieder Experten – spezialisierte Mitarbeiter oder externe Partner –, die Störungen identifizieren, Sicherheitslücken evaluieren sowie die Downtimes und den Neustart der Systeme bestimmen. Das sind Themen, die viele Kunden inzwischen erfolgreich an ihre MSP oder Hoster abgegeben haben. Rund um „Rise with SAP“ entstehen demnach eine Vielzahl von Arbeitsschritten, die SAP nicht leistet und die die meisten IT-Abteilungen ohne die Hilfe von MSPs auch nicht mehr leisten können oder wollen.

Bei der Entscheidung, welche Lösung die geeignetste darstellt, spielen natürlich auch die Kosten eine wichtige Rolle. „Rise with SAP“ bündelt, wenig transparent, drei Posten: Cloud Consumption, Managed Services und SAP-Lizenzkosten. Auch hier hilft ein MSP beim Erstellen eines Vergleichs mit einer Lösung, die direkt in einer zertifizierten Cloud-Umgebung ausgerollt wird. Sind Datenmengen, der Speicherplatz, die Anzahl virtueller Maschinen und Traffic-Kosten bekannt, ermittelt er den Preis der Cloud Consumption beim Hyperscaler. Mit den Daten der Ziellandschaft berechnet der Experte die Kosten für Managed Services (Wartung, Patching, Security-Notes etc.), ebenso die Kosten der SAP-Lizenzen, die sich mit der Zeit ändern. Auch den Bestand an unnötiger Shelfware ermitteln einige MSP.

Licht ins Dunkel bringen

Leider bietet „Rise with SAP“ auch keine transparente Exit-Strategie. Wollen Unternehmen ihren Vertrag, aus welchen Gründen auch immer, nicht verlängern, eröffnen sich wenig Optionen und die wenigen sind nicht immer verständlich. Bei Planung, Beratung und Verhandlung eines Ausstiegs unterstützt auch bei diesem Schritt der MSP, wenn er über die entsprechenden Spezialisten verfügt.

Treten Mängel oder Performance-Probleme bei der Kundenhardware, im Netzwerk oder im SAP-System auf, lassen sich Fehlerquellen nur schwer ermitteln. Gründe für solche Fehler können neben technischen Defekten auch Bugs, vergessene Patches oder Programmierfehler bei individuellen Unternehmensanwendungen sein, die nicht mehr korrekt mit dem Gesamtsystem zusammenarbeiten. Wie also lässt sich das SAP-System durchleuchten und möglichst früh erkennen, ob und wo im Gesamtsystem etwas nicht stimmt, und das unter der Voraussetzung, dass man keinen direkten Systemzugang mehr hat?

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Unternehmen können diesen Herausforderungen nur mit Monitoring-Tools samt Check- und Frühwarnsystemen, beispielsweise PowerConnect von SoftwareOne, begegnen. Solche Tools bemerken drohende Ausfälle oft weit im Voraus, reduzieren Ausfälle um bis zu 65 Prozent, Reparaturzeiten für Apps und Services sogar um 75 Prozent. Das verkürzt die Fehlersuche deutlich und die IT hat weniger mit häufigen geplanten Downtimes und unerwarteten Ausfällen zu kämpfen.

Das Monitoring-Tool sollte unbedingt durch SAP zertifiziert sein. Sollte SAP bei Systemfehlern das Monitoring-Tool als möglichen Mitverursacher reklamieren, sind Unternehmen mit einer SAP-Zertifizierung der Software auf der sicheren Seite. Idealerweise verkürzen integrierte, vorgefertigte Dashboards die Implementierung deutlich. So lassen sich kritische Prozesse und die Antwortzeiten von bestimmten Anwendungen ohne lange Implementierungszeiten gezielt überwachen und entsprechende Frühwarnfunktionen nutzen. Das Tool sollte schließlich sowohl im On-Premises-Betrieb als auch in der Cloud einschließlich der „Rise with SAP“-Lösung und natürlich auch der SAP Business Technology Platform funktionieren, um eine 360-Grad-Rundumsicht zu gewährleisten.

SAP S/4HANA bietet mehr mit Unterstützung von außen

Unternehmen sollten SAP S/4HANA in der Cloud trotz aller Herausforderungen als Chance für einen Innovationsschub betrachten, denn Prozesse in nahezu Echtzeit ermöglichen hohe Innovationspotenziale für KI und Big-Data-Analysen. Wer das zeitnah in Angriff nimmt, profitiert frühzeitig von seinen Verbesserungen.

Im Rahmen von „Rise with SAP“ helfen MSP-Experten, die enthaltenen SAP-Services abzurunden, also in eine kundenverdauliche Form zu bringen, und vertragliche Intransparenzen zu entschlüsseln und darauf angemessen zu reagieren. Mit seinem Know-how koordinieren sie sämtliche relevanten Prozesse. Monitoring-Tools erkennen rechtzeitig Fehler und veranlassen Gegenmaßnahmen. „Rise with SAP“ bietet also keinen Full-Service, sondern entfaltet sein volles Potenzial erst mit der Unterstützung von Experten.

Inwieweit die Ankündigungen von SAP, signifikante Innovationen nur noch in den Cloudprodukten der SAP verfügbar zu machen, sich auf die Adoption von „Rise with SAP“ auswirken wird, bleibt abzuwarten. Sicherlich sollen Kunden motiviert werden, den Umstieg zeitnah, aber eben auch in eine bestimmte Richtung, nämlich zu den SAP-Angeboten zu machen. Dennoch wird es insbesondere große SAP-Kunden geben, die sich nicht ins „Rise“-Korsett zwängen lassen wollen oder können, aber auf eine attraktive Innovationsroadmap bestehen werden.

* Über den Autor
Seit 2021 ist Sören Genzler für die SAP Solutions bei SoftwareOne in der DACH-Region tätig. Zuvor war er acht Jahre als SAP – SystemX Alliancemanagement EMEA bei IBM – später Lenovo – beschäftigt. Auch in den Bereichen Infrastruktur, Datenbankentwicklung sowie Administration kann er langjährige Kenntnisse aufweisen. Insgesamt blickt er auf über 25 Jahre Erfahrung in der IT-Branche zurück.

Bildquelle: SoftwareOne

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