Änderungen im Lizenzmodell von SAP haben zu einem erhöhten Beratungsbedarf geführt. Das gilt insbesondere für den Umstieg oder die Erweiterung bestehender SAP-Installationen in die Cloud. Es gibt bereits eine Reihe von Hilfestellungen seitens der Hersteller von ERP- und SAM-Lösungen, teils seitens der Anwendergruppen.
Die Optimierung einer SAP-Lizenzstruktur ist ein umfangreicher, durchdachter und regelmäßig zu wiederholender Prozess.
(Bild: Circle Unlimited AG)
Das Lizenzmodell der SAP SE (Standard Edition) basiert auf Typen von definierten Nutzern (Named User), etwa für Gelegenheitsnutzer, Professionals und Entwickler. Je nach Typ kostet die Named-User-Lizenz unterschiedlich viel. Für die Professional-User-Lizenz sind beispielsweise 3200 Euro zu zahlen, für die Entwicklerlizenz etwa das Doppelte (ERP-Preise). "Der Professional User ist per Default im SAP-System für das System-Audit eingestellt", berichtet Andreas Oczko, bei der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG zuständiger Vorstand für Operations/Service und Support.
Es gibt aber auch günstigere Nutzertypen, und mit etwas Verhandlungsgeschick und einer Software für ausgefeiltes Software Asset Management lassen sich die nötigen Investitionen in Lizenzen günstiger gestalten. Ein Optimierungsgrad von 30 Prozent oder mehr ist nach Angaben des SAM-Anbieters Circle Unlimited erzielbar.
SAP hat indes Anfang 2014 eine neue Preisliste für seine Lizenzen eingeführt und damit seine Kundschaft teils verunsichert, teils verärgert. „Zwar ist die Anzahl der Usertypen gestiegen. Die Flexibilität im Sinne des Kunden ist aber verloren gegangen“, kritisiert Andreas Oczko. Alle Nutzertypen basieren auf Anwendungsszenarien, so auch der numehr abgeschaffte Typ des Limited Professional Users. SAP kam zu dem "Ergebnis, dass die allermeisten Anwendungsszenarien des Limited Professional Users von bereits existierenden Named User-Kategorien abgedeckt werden", erläutert Martin Gwisdalla, Limited Professional Users Senior Specialist Services, Support & RDS Communications, SAP Deutschland, die Änderungen.
Ebenfalls nicht so gut kam bei den Mitgliedern der DSAG an, dass SAP die Grundlagen der Bemessung von Engines geändert hat. Oczko moniert, dass "vielfach die Metrik auf die Kenngröße 'Umsatz' geändert wurde. Umsatz hat aber oftmals nichts mit dem Wert der Engine für den Nutzer zu tun. Zudem können Nachlizenzierungen fällig werden, ohne dass sich die Nutzung verändert hat: Als Metrik für den Typ von Lizenz dient jetzt der Umsatz statt Rechenkerne oder Rechner." Das befinde sich im Widerspruch zum Business Case des jeweiligen Kunden und bedeute ein "unkalkulierbares Risiko für Bestandskunden", etwa bei Zukäufen, Fusionen usw.
Zu einer zusätzlichen Preisexplosion droht es seiner Ansicht nach zu kommen, weil nun statt der gewohnten Einzelposten das Bundling von Produkten obligatorisch werde. Das Unbundling sei zudem schwierig. Immerhin: "Wenn ein SAP-Kunde bestimmte Lizenzen nicht mehr benötigt, etwa weil das Produkt nicht mehr von SAP weiterentwickelt wird, kann diese nun unter gewissen Rahmenbedingungen stilllegen, ohne den Wartungsanspruch für die restlichen Lizenzen zu verlieren", so Oczko. Die Teilstillegung ohne Neukäufe sei aber weiterhin eine offene Frage.
Im Hinblick auf SAM ist die License Administration Workbench (LAW) 1.0 in jedem ERP-System zu finden, um damit Reports zu erstellen, wohingegen sich LAW 2.0 nur in neuen Systemen findet. Der Haken dabei: "SAP BusinessObjects wird von der LAW tatsächlich noch gar nicht erfasst", so Oczko. "Auch die Metrik dafür wird ständig geändert. Derzeit sind keine BusinessObjects-Landschaften vermessbar."
SAPs Erweiterungsmodell - Extension Policies
Ein Thema, das die Kunden bewegt, seit sich SAP die Cloud-Strategie auf die Fahnen geschrieben hat, ist das lizenzmäßige Zusammenspiel von On-premise-Installationen und der Cloud-Nutzung, aber auch zwischen On-premise und On-premise. Das neudeutsche Zauberwort hierfür lautet "Extension Policies".
SAP kündigte am 24. Juli 2013 an, dass Kunden ihre Investitionen in SAP-On-Premise-Lösungen teilweise oder komplett auf den Erwerb neuer SAP-Cloud-Anwendungen verlagern können. Dies soll durch den Neukauf von SAP-Cloud-Anwendungen in Verbindung mit einer entsprechenden Teilkündigung von Lizenz-Nutzungsrechten und Pflegegebühren für in die Cloud verlagerte Anwendungen abgebildet werden.
Das am 21.8.2013 konkretisierte Cloud-Erweiterungsmodell lässt SAP-Kunden die Wahl, Elemente ihrer installierten On-Premise-Lösungen in die Cloud zu verlagern und sowohl die betreffenden On-Premise-Lizenzen als auch die Wartung in eine Cloud-Subskription umzuwandeln. Anknüpfend an dieses Modell bietet die SAP ihren Kunden auch die Möglichkeit, ihre On-Premise-Lizenzen und die dazugehörige Wartung durch ausgewählte Lösungen aus dem On-Premise-Portfolio der SAP zu ersetzen. Der Sinn ist die Förderung der Innovation bei den Kunden.
Stand: 08.12.2025
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Die Walldorfer sehen die Extension Policies selbstredend positiv. "SAP bietet seinen Kunden mit den Erweiterungsmodellen Flexibilität und Auswahlmöglichkeiten", erläutert Martin Gwisdalla. "Indem die Kunden sich für eine Erweiterung in die Cloud entscheiden, profitieren sie von einer sicheren Cloud- und auch Hybridumgebung, die von SAP bereitgestellt und unterstützt wird. Das dafür notwendige Investment basiert auf der individuellen Situation und IT-Landschaft eines Kunden und der Geschäftsprozesse, die (teilweise) in die Cloud verlagert bzw. dort erweitert abgebildet werden sollen."
Da in den Cloud Services nicht nur die Software- Funktionalitäten wie bisher in den on-premise-Lizenzen für die Kunden verfügbar seien, sondern darüber hinaus etliche Services und Kosten der Infrastruktur enthalten seien, reduziere sich das Total Cost of Ownership (TCO) für die Kunden teilweise erheblich. "Somit verlagern sich die Aufwendungen dieser Services und Hardwarekosten, die bei einer on-premise Lösung entstehen, in das Cloud-Investment", so Gwisdalla weiter. Aber auch der funktionale Anteil sei zu berücksichtigen, denn Kunden wechselten ja typischerweise nicht einfach Lösungen 1:1 aus, sondern verbreiterten häufig Nutzungsszenarien im Cloud-Bereich, beispielsweise im Talent Management.
"Angesichts dieser Mehrwerte", so der Sprecher weiter, "erwarten wir eine Ausweitung des Investments in SAP, der ein klarer Mehrwert bei insgesamten TCO und beim Geschäftswert aus der Lösung gegenüber steht. Sonst würden unsere Kunden diesen Weg ja auch nicht beschreiten."
Das Extension-Programm sei sehr erfolgreich angenommen worden, vermeldet Gwisdalla: "Gerade auch für die Erweiterung in die Cloud sehen wir in den deutschsprachigen Ländern (DACH) großes Interesse." Auf dem Service Market Place der SAP, auf den alle Kunden Zugriff haben, seien die Voraussetzungen für diese Modelle genau erläutert. "Besonders hervorgehoben wird die substanzielle Ausweitung von Flexibilität gegenüber früheren Modellen."
Interessant ist für den Gartner-Analysten Christian Hestermann, "dass die Migration in die Cloud den SAP-Kunden auf lange Sicht teurer zu stehen kommt als das bisherige Lizenzmodell." Für SAP rechnet sich der Cloud-Betrieb einer Kundenanwendung erst nach vier Jahren, dann aber besser als das Lizenzmodell. Das erläuterte der SAP-Finanzvorstand Luka Mucic im September 2014. Außerdem bestehe im Abo-Modell des Cloud-Betriebs weniger Druck, durch Preisnachlässe für Kunden die Vertriebsbilanz zum Quartalsende zu verschönern: Es gibt sie nicht mehr, sondern nur noch Monatsgebühren.
Umfassende Beratung seitens der DSAG
Diese Themen sind komplex, und so hofft der SAP-Kunde auf Unterstützung seitens der DSAG. Keineswegs vergebens. DSAG-Arbeitsgruppen helfen mit ihrem Wissen, berichtet Oczko. "Wir bieten auch Webex-Sessions zum LAW, zur neuen Preisliste und zur Systemvermessung an." In den AGs finde ein reger Informationsaustausch statt. Allerdings will die DSAG herstellerneutral bleiben und gibt daher keine Empfehlungen ab, was die Wahl von SAM-Lösungen anbelangt." Auch sei dies ein zu individuelles Problem.
SAP empfiehlt jedem Kunden, der sich für die Erweiterungsmodelle interessiert, das Thema direkt im individuellen Gespräch zu klären. Alle Basisregeln lägen ja transparent zur Einsicht vor. "Beachten sollten Kunden, dass sie die Erweiterungsmodelle bei der Überlegung einer Neuinvestition in Betracht ziehen sollten und immer den Einzelfall mit ihrem verantwortlichen SAP-Kontakt bzw. -Vertriebsmitarbeiter diskutieren", empfiehlt Gwisdalla. "Die individuelle Sachlage bei jedem Kunden und den jeweiligen Verträgen erfordert eben immer eine individuelle Betrachtung, so etwa zu der Frage, wie und welche bestehenden Lizenzen überhaupt aus der Nutzung herausgenommen und welche neuen Cloud-Lösungen dagegen angesetzt werden sollen und können."