Web Summit 2024 Robert Habeck sieht großes Potenzial bei deutschen IT-Start-ups

Von Filipe Pereira Martins und CTO und CISO Anna Kobylinska 7 min Lesedauer

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m Zentrum des Web Summits, Europas größter Technologiekonferenz, stehen Jahr für Jahr innovative Tech-Startups. Die deutsche Delegation unter der Leitung von Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck präsentierte eine breit gefächerte Auswahl an innovativen Start-ups und Scale-ups um Nachhaltigkeit, digitale Transformation und KI aus der Cloud.

„In Deutschland ist momentan alles möglich“, so Vizekanzler Robert Habeck, Keynotespeaker des diesjährigen Web Summit 2024 in der MEO Arena in Lissabon.(Bild:  Shauna Clinton/Web Summit via Sportsfile)
„In Deutschland ist momentan alles möglich“, so Vizekanzler Robert Habeck, Keynotespeaker des diesjährigen Web Summit 2024 in der MEO Arena in Lissabon.
(Bild: Shauna Clinton/Web Summit via Sportsfile)

Der diesjährige Web Summit in der portugiesischen Metropole Lissabon setzte Rekorde der Beteiligung. 71.528 Besucher aus 153 Ländern wollten wissen, wo es jetzt weiter in Sachen Technik lang geht. Die voll ausverkaufte Mega-Messe konnte mit über 3.050 Ausstellern und knapp tausend Rednern auftrumpfen.

Web Summit 2024: Hauptbühne in der 20.000 Zuschauende fassenden Konzerthalle in Lissabon. (Bild:  Tyler Miller/Web Summit via Sportsfile)
Web Summit 2024: Hauptbühne in der 20.000 Zuschauende fassenden Konzerthalle in Lissabon.
(Bild: Tyler Miller/Web Summit via Sportsfile)

Ein besonderes Highlight war die Keynote des deutschen Vizekanzlers und Bundesministers für Wirtschaft und Klimaschutz Robert Habeck in dem architektonischen Juwel des Messegeländes, der MEO Arena, einer der größten Konzerthallen Europas (Kapazität: 20.000 Sitzplätze). Seine mitreißende Begeisterung füllte das Gebäude, als er über seine Vision für „den Weg in eine fortschrittliche Zukunft“ sprach. Er lobte den Unternehmergeist der deutschen Start-ups.

Neugründungen seien „ein Imperativ“, glaubt Habeck. „Ich hatte in den letzten drei Jahren Schwierigkeiten“, gab Habeck offen zu, „die deutsche Wirtschaft stabil zu halten“. Eine große Herausforderung habe darin bestanden, neue Lieferketten zu finden, als die Gaslieferungen „abgestellt“ waren. Vor diesem schwierigen Hintergrund „[haben] mein Team, meine Regierung und ich“, so der Wirtschaftsminister weiter, „viel in das Potenzial investiert, das Startup-Umfeld in Deutschland zu verbessern“.

Die Resultate konnten sich auf dem Web Summit tatsächlich sehen lassen. Rund 150 junge Unternehmen aus Deutschland waren auf dem Messegelände zu finden. Davon stellten etwa 100 am offiziellen deutschen Stand, dem „German Pavilion“, aus: hell beleuchtet und ordentlich vorbereitet. Die viertägige Veranstaltung bot den Start-ups und Scale-ups zahlreiche Gelegenheiten, um internationale Partnerschaften zu knüpfen und Investoren für deutsche Innovationen zu gewinnen.

Der German Pavilion wird im Rahmen des Auslandsmesseprogramms der Bundesrepublik gesponsert. Dieses Programm wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Zusammenarbeit mit dem Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V. (AUMA) organisiert. „Wenn ihr etwas Zeit habt, schaut euch doch mal an, was in Deutschland passiert,“ lud Habeck ein.

Ein multisensorisches Erlebnis

Neugierige Besucherinnen und Besucher strömten durch die Messehallen, geleitet von der Web-Summit-App auf ihren Smartphones. Knallige Farben, riesige LED-Wände und futuristische Visuals zogen die Aufmerksamkeit des Publikums dann wieder weg vom Smartphone und hin auf die vielen thematischen Schwerpunkte der Veranstaltung. Die Kombination aus beidem verlieh der Messe eine immersive Dimension.

Von der gigantischen zentralen Bühne der MEO-Arena („Center Stage“) konnten Vordenker/innen der Tech-Industrie bis zu 20.000 Anwesende adressieren; weitere Interessierte hatten die Möglichkeit zur Teilnahme via Live-Streaming. Dann gab es die Pavillons mit den farbenfrohen Messeständen, Robotern, VR-Simulatoren und anderen Technikwundern. Dekorative Bühnen schufen eine inspirierende Atmosphäre für den Austausch von Ideen in den Pavillons und woanders auf dem Veranstaltungsgelände.

Cloud-Durchstarter im Fokus

Schon bei flüchtiger Durchsicht der Ausstellenden wurde schnell klar: Ein „innovatives“ Start-up ist oft gleichbedeutend mit einem Cloud-Start-up. Das zentrale Thema der Messe waren insofern auch innovative Cloud-Startups – es schien, als käme keiner dieser aufstrebenden Problemlöser ohne Cloud Computing aus oder daran vorbei. Der „SaaS Summit“ war dieses Jahr „eine Messe innerhalb der Messe“. Großes Interesse weckten Lösungen rund um maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz, wie beispielsweise:

Validaitor
Das Karlsruher Start-up Validaitor hat sich auf die Validierung von Cloud-Umgebungen spezialisiert und will unter anderem auch das Problem der Qualität der künstlichen Intelligenz in den Griff bekommen. Das Unternehmen bietet automatisierte Lösungen zur Überprüfung der Sicherheitskontrollen, Konfigurationen und Compliance in Cloud-Umgebungen.
Mit intelligenten Algorithmen und Echtzeit-Bedrohungsinformationen bietet Validaitor kontinuierliche Sicherheitsbewertungen und Compliance-Checks. Durch kontinuierliche Überwachung und Bewertung der Cloud-Infrastruktur hilft Validaitor, potenzielle Risiken, Schwachstellen und Fehlkonfigurationen zu identifizieren und zu beheben, bevor sie zu Problemen führen können. Validaitor stellt nebenbei sicher, dass Cloud-Umgebungen den branchenspezifischen Standards und regulatorischen Anforderungen entsprechen, wie z.B. den CIS-Benchmarks, HIPAA und der GDPR.
Die Plattform von Validaitor bietet unter anderem auch umfassende Test- und Compliance-Management-Funktionen für KI-Systeme. Sie hilft Cloud-Nutzern dabei, vertrauenswürdige KI-Best Practices zu übernehmen und bietet Einblicke in die Qualität der KI-Systeme, was besonders im Zusammenhang mit dem AI Act von Bedeutung ist.

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Trueffles
In Berlin hat das Start-up Trueffles eine bemerkenswerte Plattform zur Wissenssammlung entwickelt. Ihr Highlight sind innovative Mindmaps zum Erfassen, Visualisieren und Erforschen von Zusammenhängen. Mit der Lösung von Trueffles können Nutzer neues Wissen in KI-gestützten Mindmaps abbilden. Ein soziales Netzwerk hilft wissenshungrigen Forschenden, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. In ihren virtuellen Arbeitsräumen können Nutzer das große Ganze sehen und gleichzeitig die Details jeder beliebigen Sache zu erfassen. Die Trueffles-KI, genannt T.A.I., hilft, Ideen zu verknüpfen und zu veröffentlichen. Dies geschieht alles in der Cloud.

Vitas
Die Vitas GmbH aus Nürnberg setzt in ihrer Plattform für virtuelle Telefonassistenten auf Cloud-Technologien. Der Vitas-Telefonassistent nimmt eingehende Anrufe automatisiert entgegen und verarbeitet diese in der Cloud, DSGVO-konform versteht sich. Dies ermöglicht eine 24/7-Verfügbarkeit. Die Lösung fasst KI-gestützt relevante Informationen telefonischer Service-Requests in einem strukturierten, textbasierten Format zusammen. So lassen sich beispielsweise Termine vollautomatisiert vereinbaren – natürlich cloudbasiert.

AnyTangle
Die AnyTangle GmbH mit Sitz in Berlin hat sich auf das Management digitaler Vermächtnisse innerhalb der Cloud-Speicherindustrie spezialisiert. Ihr Hauptprodukt, AnySafe, bietet eine private und dauerhafte Alternative zu herkömmlichen Cloud-Speicherlösungen und will die langfristige Aufbewahrung digitaler Dateien sicherstellen. Die Berliner setzen auf eine Kombination aus dezentralen Speicherlösungen und Blockchain-Technologie, um die Integrität und Sicherheit der gespeicherten Daten zu gewährleisten. Durch die Verteilung von Daten auf mehrere Knotenpunkte wird eine hohe Ausfallsicherheit erreicht, während die Blockchain-Technologie Transparenz und Unveränderlichkeit der Daten sicherstellt. Diese innovative Herangehensweise ermöglicht es, digitale Vermächtnisse langfristig und sicher zu bewahren.

AI Summit während des Web Summit 2024 in Lissabon: Vieles drehte sich um (Cloud-)Start-ups. (Bild:  Lukas Schulze/Web Summit via Sportsfile)
AI Summit während des Web Summit 2024 in Lissabon: Vieles drehte sich um (Cloud-)Start-ups.
(Bild: Lukas Schulze/Web Summit via Sportsfile)

Datenschmiede.ai
Die Datenschmiede.ai GmbH aus Oldenburg hat eine KI-basierte Matching-Engine für die automatisierte Integration von Datensilos und die Erkennung von Duplikaten in Stammdatenmanagementsystemen entwickelt. Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz kann sie die Datenqualität verbessern. Die Lösungen von Datenschmiede.ai lassen sich wahlweise in der Cloud als Software-as-a-Service (SaaS) oder als On-Premises-Lösung implementieren. Diese Flexibilität bietet Unternehmen die Möglichkeit zur Integration in ihre bestehende Systemlandschaft und erleichtert die Verarbeitung großer Datenmengen mit dem gewünschten Grad an Isolation und Skalierbarkeit.

Pleodat
Die Pleodat GmbH aus Leipzig, eine Tochtergesellschaft der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), hat sich der Entwicklung innovativer, schemaloser und multimodaler Daten- und Informationsmanagementsysteme verschrieben. Ein zentrales Projekt ist die Weiterentwicklung eines NoSQL-Datenbanksystems namens CortexDB, das sich durch seine bi-temporale und multimodale Architektur auszeichnet. Durch die Integration von CortexDB und seiner kognitiven Ansätze in Cloud-Infrastrukturen können Unternehmen ihre Datenverwaltung effizienter geestalten und die Vorteile skalierbarer Cloud-Lösungen nutzen.

Querifai
Querifai GmbH hat sich auf die Bereitstellung von KI-Diensten über eine cloudbasierte Plattform spezialisiert. Mit der Lösung von Querifai können Nutzer verschiedene KI-Tools ohne Programmierkenntnisse erkunden, testen und vergleichen. Durch die Nutzung von Cloud-Computing-Technologien können sie eine skalierbare Infrastruktur bereitstellen, die es Teams ohne eigene KI-Infrastruktur ermöglicht, maßgeschneiderte Datenprodukte zu entwickeln und zu hosten.

Complero
Complero entwickelt Lösungen zur Automatisierung von Datenanreicherungsprozessen in den Wolken. Die cloudbasierte Infrastruktur des Unternehmens kann große Datenmengen effizient verarbeiten und speichern und gewährleistet dabei eine hohe Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der Dienste.

Arelis.digital
Arelis.digital unterstützt Unternehmen dabei, generative KI-Lösungen zu implementieren. Durch den Einsatz von Cloud-Computing-Technologien können Unternehmen ihre eigenen Modelle integrieren und KI-Anwendungen für spezifische Anwendungsfälle in verschiedenen Branchen wie Finanzen, Produktforschung, Marketing und Gesundheitswesen anpassen.
Die cloudbasierte Architektur von Arelis erleichtert die Integration proprietärer Daten mit KI-Modellen durch Retrieval Augmented Generation (RAG). Dies führt zu präziseren und kontextuell relevanten KI-Ergebnissen, die fundierte Entscheidungsprozesse unterstützen. Zusätzlich bietet Arelis robuste KI-Governance-Frameworks, die Transparenz, Verantwortlichkeit und die Einhaltung regulatorischer Standards fördern. Dies ermöglicht es Organisationen, KI verantwortungsvoll einzusetzen und Risiken im Zusammenhang mit der KI-Implementierung zu minimieren.

Appell für konstruktive Zusammenarbeit

Der Web Summit bot einen umfassenden Überblick über die aktuellen Trends und Entwicklungen in der Technologiebranche und einen Blick hinter die Kulissen. Die Messe zeigte die wachsende Bedeutung von KI, die Rolle von Wagniskapital und die Notwendigkeit für branchenübergreifende Zusammenarbeit mit Nachhaltigkeitszielen im Hinterkopf.

Der Vizekanzler hat sich im Nachtrag an seine Keynote die Zeit genommen, einige Fragen der Presse zu beantworten. Den Weg nach vorne brachte er mit den Worten auf den Punkt: „Für den Willen, zusammenzuarbeiten, sollte man sich nicht schämen müssen“. Das sei ja im Grunde auch der Kern der Demokratie: dass „Menschen und Parteien zusammenkommen würden, ihre Ansichten austauschen, Kompromisse finden und dann gemeinsam voranschreiten“. Dann gäbe es irgendwann wieder die nächsten Wahlen und darauf basierend dann die nächste Regierung – wie eben jetzt. Im O-Ton Vizekanzler Habeck: „Ich würde sagen, in Deutschland ist momentan alles möglich.“

* Das Autorenduo Anna Kobylinska und Filipe Martins arbeitet für McKinley Denali, Inc., USA.

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