Die Public Cloud ist heute allgegenwärtig. Gleichzeitig halten hybride und Multi-Cloud-Umgebungen, bei denen Daten und Workloads je nach Bedarf an verschiedenen Orten gespeichert sind, verstärkt Einzug in den Unternehmen.
No way out? Der Wechsel zwischen verschiedenen Cloud-Anbietern ist theoretisch möglich, doch praktisch aufgrund hoher Komplexität der Cloud-Umgebungen und mangelndem Anbieterinteresse nur schwer umsetzbar.
(Bild: peacehunter - stock.adobe.com)
Die Marktanalysten von Gartner prognostizieren, dass die Cloud-Ausgaben in diesem Jahr weltweit fast 600 Milliarden US-Dollar erreichen und bis 2024 um weitere 21 Prozent steigen werden. Für Deutschland bezifferte der Statista Technology Market Outlook den Umsatz mit Public Cloud für 2020 auf 10,500 Milliarden Euro. Für das Jahr 2026 liegt die Prognose mit 22,3 Milliarden Euro sogar mehr als doppelt so hoch.
Auf den ersten Blick bieten Clouds den Unternehmen mehr Flexibilität und Ausfallsicherheit, besseren Datenzugang und optimierte Speicherung. Allerdings ist die Möglichkeit, Daten zwischen den verschiedenen Clouds zu bewegen, oft komplexer und teurer als erwartet. Unternehmen müssen bei einem Wechsel häufig hohe Egress-Gebühren zahlen, die Cloud-Anbieter für die Übertragung von Daten an einen anderen Provider erheben.
Erschwerte Kombinierbarkeit der Clouds
Die Tendenz verstärkt sich zudem weiterhin: Rabatte sind heute oft so strukturiert, dass Kunden finanziell eher davon profitieren, einen einzigen Hyperscaler zu nutzen – selbst, wenn es eigentlich für sie geeignetere Alternativen gäbe. Auch Integrationen, Sicherheitsvorkehrungen, Tools, Konfigurationen und die für die Datenverwaltung erforderlichen Fähigkeiten variieren bei jedem Cloud-Anbieter. Diese technischen Einschränkungen können die Interoperabilität zwischen einzelnen Cloud-Plattformen erschweren.
Aufgrund dieser Kosten und Komplexität sind viele Unternehmen dauerhaft an einen speziellen Cloud-Dienst gebunden – sie befinden sich im so genannten Vendor Lock-In. Dies ruft die Behörden auf den Plan: Der Europäische Data Act von 2022 mit dem Ziel eines fairen und wettbewerbsfähigen Cloud-Markts adressiert diese Problematik bereits. Er zielt unter anderem darauf ab, den Wechsel zwischen Cloud-Dienstleistern zu vereinfachen, die Interoperabilität zu verbessern und Schutzmaßnahmen für internationale Datenübermittlung zu schaffen. Auch die britische Regulierungsbehörde Ofcom untersucht derzeit die beherrschende Marktposition der großen Cloud-Anbieter und die Konsequenzen für Unternehmen.
Kritische Stimmen nehmen zu
Was bedeutet dies konkret? Der Vendor Lock-In könnte Public-Cloud-Kunden also mit erheblichen Preiserhöhungen konfrontieren, ohne ihnen alternative, kostengünstige Möglichkeiten für ihre Datenspeicherung und -verarbeitung zu bieten. Unternehmen könnten im Laufe der Zeit auch feststellen, dass ihr Anbieter nicht mehr die für sie notwendigen Funktionen bietet, sie aber trotzdem gezwungen sind, zu bleiben. Unternehmen können so weniger gut auf Marktentwicklungen reagieren; Entwicklung und Innovationen werden so verlangsamt.
Auch mögliche nationale Bedrohungen entstehen: Wenn sich gleichzeitig zu viele Dienstleister aus den Bereichen der kritischen Infrastrukturen (KRITIS), wie Banken, Energieversorger oder Telekommunikationsunternehmen, auf einen kleinen Pool von nur drei großen Cloud-Anbietern verlassen, laufen sie – und mit ihnen ihre Kunden – Gefahr, alle gleichzeitig von Ausfällen betroffen zu sein. Dies hätte enorme Auswirkungen auf die Gesellschaft.
In der Folge schrecken Unternehmen zwar nicht vor der Cloud zurück, aber sie werden vorsichtig, welche Daten und Workloads bei externen Anbietern gespeichert werden. Zahlen der Evolve Data Study von 2023 zeigen, dass fast alle IT-Entscheidungsträger (93 Prozent) planen, in den nächsten drei Jahren mehr Daten in die Cloud zu migrieren. 70 Prozent speichern Daten bereits in einer hybriden Umgebung, sowohl im eigenen Rechenzentrum, beziehungsweise einer Private Cloud, als auch in der Public Cloud. Gleichzeitig wächst die Skepsis allgemein: 74 Prozent der Befragten planen, Daten zurück ins Unternehmen zu verlagern. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) gibt an, dass dies auf die Angst vor einem Cloud Vendor Lock-In zurückzuführen ist.
Mehr Freiheit beim Wechsel des Cloud-Anbieters
Früher war auch der Wechsel des Bank- oder des Energie-, Internet- oder Mobilfunkanbieters mühsam. Dann zwang eine stärkere Regulierung die Anbieter zur Modernisierung mit mehr Flexibilität und Wahlmöglichkeiten für Verbraucher. Das Gleiche sollte für Public Clouds gelten, wobei die Kunden die gleiche Freiheit bei der Auswahl und dem Wechsel zwischen Anbietern haben sollten.
Stand: 08.12.2025
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Doch selbst wenn die Regulierungsbehörden handeln, ist eine Flut von Aktivitäten unwahrscheinlich. Denn Maßnahmen werden sich höchstwahrscheinlich auf Ausstiegsgebühren und Rabatte konzentrieren. Möglicherweise wird es auch Bemühungen geben, mehr Konsistenz zwischen Cloud-Umgebungen zu erzwingen. Letztendlich erfordert der Wechsel des Cloud-Anbieters jedoch Zeit, Geld und Fachkenntnisse.
Im Zeitalter von Hybrid- und Multi-Clouds brauchen sie mehr Flexibilität, um Daten zwischen einzelnen Clouds zu verschieben. Eine einheitliche Datenplattform kann dabei helfen, indem sie eine Abstraktionsebene bietet. Diese macht es einfacher, Daten sicher von einer Cloud in eine andere oder von einer lokalen in eine beliebige Cloud zu verschieben. Die rein theoretische Möglichkeit, den Cloud-Anbieter zu wechseln, ist eine Sache, aber die tatsächliche Fähigkeit, dies auch umzusetzen, eine andere.
* Der Autor Benjamin Bohne ist seit November 2022 Group Vice President Sales Central EMEA bei Cloudera. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Branchenerfahrung und weitreichende Expertise in der Durchführung von Softwareprojekten. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Einführung und Bereitstellung von Cloud Services und Beratungsdienstleistungen für Konzerne sowie kleine und mittelständische Unternehmen.