No-Code- und Low-Code-Lösungen sollen die digitale Transformation vorantreiben. Doch ist Anwendungsentwicklung ohne klassische Programmierarbeit ein durchweg haltbares Versprechen? Dieser Artikel blickt auf die vergangenen Jahre zurück und wagt einen Blick in die Zukunft.
Low- und No-Code-Lösungen spielten und spielen eine wichtige Rolle in der Digitalisierung.
Die Möglichkeit, Anwendungen ohne tiefgreifende Programmierkenntnisse zu erstellen, verspricht eine noch nie dagewesene Geschwindigkeit und Leichtigkeit in der Entwicklung. Insbesondere während der Hochphase der Coronapandemie griffen Unternehmen vermehrt auf No- und Low-Code-, kurz NC/LC-Tools zurück.
Dringend benötigte digitale Lösungen ließen sich so einfach schneller implementieren. Gemäß Gartner-Prognosen wird bis zum Jahr 2025 voraussichtlich rund 70 Prozent der neu entwickelten Unternehmensanwendungen auf NC/LC-Technologien zurückgreifen. Die Frage, die sich stellt, lautet: Was ist in den letzten Jahren geschehen, und warum hat sich NC/LC so stark neben traditionellem Coding etabliert?
Weiterentwicklung der Softwarewelt
In der Geschichte der Softwareentwicklung wurden verschiedene Ansätze unternommen, um den Aufwand beim Programmieren zu reduzieren – darunter das sogenannte „Model Driven Development“, bei dem unterschiedliche Anbieter Modelle bereitstellten. Allerdings scheiterten diese Ansätze oft, da der Übergang von der Modellierung zur eigentlichen Code-Umsetzung eine Einbahnstraße war.
Besondere Schwierigkeiten traten auf, wenn Anpassungen am jeweiligen Modell erforderlich waren, aber das Coding schon manuell angepasst wurde. Dann wurde entweder das ergänzte Coding überschrieben oder es musste ab dem Zeitpunkt alles Coding manuell geändert werden. Modell und Coding waren ab dem Zeitpunkt nicht mehr synchron und somit die Vorteile einer grafischen Darstellung nicht mehr gegeben.
Neue Wege der Softwareentwicklung
In den vergangenen Jahren hat sich jedoch eine neue Form der Softwareentwicklung etabliert. Getrieben durch Fortschritte im Cloud Computing und Ansätzen wie Software-as-a-Service (SaaS) sind moderne LC/NC-Plattformen entstanden. Diese ermöglichen Benutzerinnen und Benutzern, eigene Anwendungen und komplexe Arbeitsabläufe ohne tiefe Programmierkenntnisse abzubilden.
In der schnelllebigen Techwelt sind Unternehmen gezwungen, sich flexibel und unverzüglich anzupassen – eine Notwendigkeit, die heute relevanter ist als je zuvor. Unternehmen, die nicht mit dieser Geschwindigkeit Schritt halten können, riskieren schwerwiegende Konsequenzen und können ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren.
Die zeitliche Komponente ist somit ein entscheidender Grund für die Wahl von No- und Low-Code. Es ermöglicht eine zeitnahe Umsetzung von intuitiven und praxistauglichen Anwendungen im Handumdrehen – etwas, das bisher durch traditionelle Coding-Methoden in solcher Geschwindigkeit nicht realisierbar war. Entsprechende Ansätze halten vermehrt auch im Umfeld komplexer Enterprise-Software-Umfeld Einzug. Zum Beispiel lassen sich für SAP Anwendungsfälle schnell Apps erstellen, die oft auch eine einfache Integration weitere Software-Plattformen ermöglichen.
Der bestehende Entwicklermangel
Ein maßgeblicher Treiber für Low- und No-Code ist der Mangel an qualifizierten Developern weltweit. Seit Jahren steigt der Bedarf an qualifizierten Software-Entwickler und -Entwicklerinnen kontinuierlich, und es wird zunehmend schwieriger, diesen Bedarf zu decken. Diese Herausforderung zwischen Bedarf und Bestand zu bewältigen, erscheint bis dato als nahezu unmöglich.
Durch NC/LC-Plattformen können Unternehmen eigene, maßgeschneiderte Anwendungen entwickeln, ohne auf ein großes Team professioneller Entwickler angewiesen zu sein. Dies stellt einen unbestreitbaren Vorteil dar, den viele IT-Abteilungen bereits erfolgreich nutzen, um den Engpass an Softwareentwicklungskapazitäten zu überbrücken.
Angepasste Aufgabenprofile und Prozesse
In den vergangenen Jahren haben sich die Aufgabenprofile von Developern erheblich verändert, wobei die Anpassungen in den IT-Abteilungen weltweit spürbar sind. Durch die Integration von No- und Low-Code werden eine Vielzahl von Arbeitsprozessen effizienter und einfacher gestaltet. Diese Entwicklungen geben Dev-Teams die Möglichkeit, sich vermehrt anspruchsvolleren Projekten zu widmen, da Routineaufgaben durch automatisierte Prozesse wegfallen.
Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2019 hat sich das Arbeiten im Home-Office oder remote mittlerweile als Standard etabliert. Um ein reibungsloses Arbeiten zu gewährleisten, sind gezielte technologische Voraussetzungen erforderlich. Anstelle von langwierigen Kommunikationsketten innerhalb heterogener Teams ermöglichen NC/LC-Anwendungen eine synchronisierte und nahtlose Zusammenarbeit. Die Beseitigung unnötiger Kommunikationsbarrieren ermöglicht es Teams, effizienter zu interagieren und komplexe Aufgaben mit gesteigerter Agilität zu bewältigen.
Stand: 08.12.2025
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Durch die grafische Repräsentation von Code durch z. B. Diagramme oder UI Mock-ups, entsteht eine Metaebene für IT und Fachbereich, die es vereinfacht, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen. NC/LC-Technologien automatisieren, vereinen und vereinfachen zahlreiche Prozesse in verschiedenen Teams. Dies trägt nicht nur zur Beschleunigung von Projekten bei, sondern fördert auch die Zusammenarbeit und den Wissensaustausch zwischen Teammitgliedern an unterschiedlichen Arbeitsorten, in verschiedenen Fachgebieten und mit verschiedenen Hintergründen.
Weniger Sicherheitsbedenken
In den vergangenen Jahren haben sich im Low- und No-Code-Bereich erhebliche Fortschritte gezeigt, insbesondere in Bezug auf Schutz und Stabilität. Zu Beginn bestanden große Bedenken bezüglich potenzieller Risiken. Allerdings haben Anbieter von NC/LC-Plattformen gezielte Maßnahmen ergriffen, um Standards zu verbessern, mögliche Bedrohungen zu minimieren und eine bessere Integration in die vorhandene Unternehmens IT Landschaft zu gewährleisten – von fortgeschrittenen Authentifizierungsmechanismen über Verschlüsselungstechnologien bis hin zu regelmäßigen Aktualisierungen
Das ist auch in der Low- und No-Code-Welt nicht unbemerkt geblieben, so dass auch KI-Assistenten vermehrt integriert werden. Naia ist eine Künstliche Intelligenz aus unserem Portfolio. Ihr Fokus liegt darauf, Developer durch Funktionen zu unterstützen. Die Plattform ermöglicht die Integration verschiedener Automatisierungen, welche die Stärken etablierter Algorithmen mit künstlicher Intelligenz kombinieren. Das Ergebnis ist eine beschleunigte SAP- und Non-SAP App-Entwicklung durch eine Verknüpfung von KI und NC/LC.
Eine umgewälzte Softwarewelt
Von der Bewältigung des Fachkräftemangels über die Förderung innovativer Arbeitsmethoden bis hin zur Sicherstellung einer reibungslosen Zusammenarbeit in verteilten Teams – No Code und Low Code erlauben Unternehmen, flexibler, effizienter und zukunftsorientiert zu agieren. In einer Welt, die ständiger Veränderung unterworfen ist, fördern sie die Anpassungsfähigkeit an neue Herausforderungen sowie eine inklusive und schnelle Softwareentwicklung.
* Über den Autor Martin Fischer bringt mehr als 20 Jahre Know-how und Expertise im SAP-Ökosystem und 15 Jahre Erfahrung in der SAP-Beratung mit. Seit knapp zwei Jahren ist Martin im Produktmanagement bei Neptune Software, seit einem Jahr als Head of Product. Mit seinen Wurzeln als ABAP-Entwickler hat er eine Leidenschaft für Unternehmenssoftware, SAP, Softwareentwicklung und Architektur. Martin ist in der SAP-Community als Speaker, Autor und Podcaster aktiv. Für ihn ist das Zusammenbringen von Menschen, Prozessen und Technologie, um die effektivste Arbeitsweise zu finden, die größte Herausforderung in der IT und für Unternehmen.