In den nächsten fünf Jahren werden Low-Code-Plattformen für die Integration von ERP- und Bankensystemen zur zentralen Infrastruktur werden. Wo liegen die Vorteile und Herausforderungen? Welche Faktoren werden die Verbreitung fördern?
Low-Code als strategische Integrationsschicht: CFO-Teams verbinden ERP und Banken per Drag-and-Drop, automatisieren Workflows und Reporting, stärken Compliance – trotz Legacy-Systemen, SWIFT-Varianten und hoher API-Sicherheitsanforderungen.
CFOs und ihre Teams stehen vor der Herausforderung, Prozesse zu automatisieren, Datenströme zu konsolidieren und regulatorische Anforderungen zu erfüllen, auch bei begrenzten IT-Ressourcen. Low-Code-Plattformen bieten hier eine pragmatische Antwort: Sie ermöglichen es, auch ohne tiefgehende Programmierkenntnisse, maßgeschneiderte Anwendungen zu entwickeln, die ERP-Systeme, Banken und weitere Finanzdienstleister nahtlos integrieren.
Drag-and-Drop anstatt aufwändiger Entwicklung
Unternehmen nutzen eine Vielzahl von ERP-Systemen, Treasury-Management-Systemen (TMS) und Bankportalen. Die Integration dieser Systeme ist jedoch komplex: Unterschiedliche Zahlungsformate, Protokolle, Sicherheitsanforderungen und Compliance-Vorgaben führen zu Medienbrüchen, manuellen Workarounds und erhöhtem Risiko für Fehler und Betrug. Die klassische IT-Entwicklung stößt hier an ihre Grenzen: Projekte dauern Monate, sind teuer und binden wertvolle Entwicklerressourcen.
Low-Code-Plattformen adressieren diese Herausforderungen, indem sie eine visuelle Entwicklungsumgebung bereitstellen, in der Workflows, Datenkonvertierungen und Integrationen per Drag-and-Drop modelliert werden können. Die Plattformen bieten vorgefertigte Konnektoren zu gängigen ERP-Systemen und Banken, sodass Unternehmen nicht für jede Schnittstelle individuelle Entwicklungsprojekte benötigen. Die Integration erfolgt über APIs, die einen standardisierten, sicheren und schnellen Datenaustausch ermöglichen.
Welche Vorteile haben Low-Code-Plattformen?
Low-Code-Plattformen erlauben es, Geschäftsprozesse wie etwa die tägliche Bargeldabstimmung oder das FX-Management, flexibel zu modellieren. Workflows können zeitgesteuert oder ereignisbasiert (etwa bei Eingang einer Zahlung) ausgelöst werden. So lassen sich repetitive, manuelle Aufgaben automatisieren und die Effizienz der Finanzabteilung deutlich steigern.
Moderne Plattformen integrieren Komponenten für künstliche Intelligenz (KI), die bei der Konvertierung und Zuordnung von Daten unterstützen. Beispielsweise können Zahlungsdateien aus unterschiedlichen Formaten (CSV, JSON, XML) automatisch in das Zielformat konvertiert werden. KI-basierte Tools helfen sogar beim Erstellen von Skripten für komplexe Mapping-Logiken – eine Aufgabe, die früher spezialisierte Entwickler erforderte. Dank neuer Funktionen können Finanzteams gewünschte Konvertierungen in einfacher Sprache beschreiben, wobei die Plattform den Input in ausführbare Workflows übersetzt und so die Lücke zwischen geschäftlichen Anforderungen und technischer Umsetzung schließt.
Durch den Einsatz von Vorlagen und vordefinierten Integrationsszenarien wird der Datenaustausch zwischen ERP, Bank und TMS standardisiert. Das reduziert Fehlerquellen, erhöht die Datenqualität und erleichtert die Einhaltung von Compliance-Vorgaben. Transparente Datenflüsse sind insbesondere bei Audits und regulatorischen Prüfungen von Vorteil.
Low-Code-Plattformen ermöglichen die automatische Erfassung, Konsolidierung und Aufbereitung von Finanzdaten aus verschiedenen Quellen. Dashboards und Reports stehen in Echtzeit zur Verfügung und unterstützen CFOs bei der strategischen Entscheidungsfindung. Durch die Automatisierung und Standardisierung von Prozessen wird die Einhaltung von Vorschriften wie PSD2, SEPA und GwG (Geldwäschegesetz) erleichtert. Jede Transaktion lässt sich nachvollziehen, und verdächtige Aktivitäten können durch integrierte Monitoring-Tools frühzeitig erkannt werden.
Integration, Standards, Sicherheit
Trotz der offensichtlichen Vorteile gibt es Hürden bei der Einführung von Low-Code-Plattformen. Viele Unternehmen betreiben heterogene IT-Landschaften mit Legacy-Systemen, die nicht ohne Weiteres an moderne APIs angebunden werden können. Die Migration bestehender Bankverbindungen in die Cloud – etwa im Rahmen einer S/4HANA-Einführung – ist oft ein unterschätztes Projekt, das monatelange Abstimmungen mit verschiedenen Banken erfordert.
Auch wenn Standards wie SWIFT existieren, gibt es in der Praxis zahlreiche bankenspezifische Abweichungen. Massenzahlungen, Großbetragszahlungen oder Devisengeschäfte erfordern jeweils eigene Formate. Der Aufbau und das Testen aller notwendigen Verbindungen kann sich über Monate oder sogar Jahre hinziehen.
Stand: 08.12.2025
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Die Integration sensibler Finanzdaten über APIs erhöht die Angriffsfläche für Cyberkriminalität. Unternehmen müssen sicherstellen, dass alle Schnittstellen nach aktuellen Sicherheitsstandards abgesichert sind und die Datenübertragung verschlüsselt erfolgt. Zugriffsrechte, Multi-Faktor-Authentifizierung und regelmäßige Audits sind daher unerlässlich.
* Der Autor Thomas Gavaghan verantwortet die Produktstrategie bei Kyriba. Sein Schwerpunkt liegt darauf, wie KI und Daten neue Möglichkeiten in der Finanztechnologie erschließen können, und er arbeitet mit den Teams an Innovationen für Unternehmen und deren Kunden. Er verfügt über zwei Jahrzehnte Erfahrung an der Schnittstelle zwischen der Finanz- und Technologiebranche. Kyriba ist ein US-Softwareunternehmen mit Hauptsitz in San Diego und bietet eine Plattform für Liquiditätsmanagement mit Funktionen für Treasury, Risikomanagement, Zahlungsverkehr und Working Capital. Die SaaS-Plattform nutzt KI-Tools und ermöglicht Finanzentscheidern, ihre Liquidität effizient zu verwalten. Kyriba ist zertifizierter SAP-Partner.