Eine „Wikipedia fürs Lernen“

Mathe-Lernen in der Cloud

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Damit eine offene Lern-Cloud wie Serlo reibungslos funktioniert und Spitzen von bis zu 600 gleichzeitigen Nutzern abfangen kann, ist eine moderne und sichere IT-Infrastruktur notwendig. Der Internet-Provider OVH stellte der Online-Lernplattform seine Public-Cloud-Services kostenlos zur Verfügung. „Unser alter Stack konnte starke Spitzen nicht kompensieren, es gab Probleme mit dem Abruf des Contents, da der Cache nicht aktuell war“, sagt Köhl. Insbesondere mit der CPU-Last gab es Probleme: Teilweise wurden Peaks von 80 bis 90 Prozent erreicht, die die Seite unbenutzbar machten. Durch den Einsatz der Public Cloud sind diese Lastspitzen hingegen unproblematisch.

Mit dem Umzug in die Public Cloud sollte zusätzlich von PHP5 APCU auf PHP 7 gewechselt werden. Da APCU allerdings nicht mit PHP7 funktioniert, war zusätzlich ein Tausch durch Memcached erforderlich. In der neuen Lösung sollte die Daten-Last auf je eine CPU und eine RAM-Instanz verteilt werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Zusätzlich gab es von Serlo den Bedarf, die Assets (File Uploads der Community) und Backups auf einer langfristigen Storage-Lösung zu lagern. Hierfür stellte ebenfalls OVH seinen Cloud-Storage-Service bereit. Integrierte Dienstleistungen in der Public Cloud von OVH sind unter anderem hochverfügbare Festplatten, die eine dreifache Replikation der Daten ermöglichen. Zudem wird eine möglichst vereinfachte Verwaltung der Cloud bereitgestellt, um alle Aktionen realisieren zu können.

Künftige Internationalisierung

Neben der sicheren IT-Infrastruktur sorgen die insgesamt 50 Mitarbeiter bei Serlo für einen reibungslosen Ablauf. Das Team besteht aus Angestellten und zu einem großen Teil aus ehrenamtlichen Helfern. Die Online-Lernplattform finanziert sich bislang aus einem Mix von Antragsfundraising (Stiftungen, Stipendien, Preisgeldern) sowie der Möglichkeit, Fördermitglied bei Serlo zu werden. Für 2016 ist eine Spendenkampagne wie bei der freien Enzyklopädie Wikipedia geplant. Mit dem Geld soll die Übersetzung der offenen Lern-Cloud in weitere Sprachen vorangetrieben und die Lernerfahrung interaktiver gestaltet werden. Auch für die deutschen Nutzer soll das Angebot breiter werden. Weitere Schulfächer wie Biologie und Physik sind im Aufbau und eine neue Applikation für Deutsch als Fremdsprache soll speziell Migrantinnen und Migranten beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen.

Individuellere Angebote

Köhl glaubt, dass E-Learning in der Schule in der Zukunft stark von international agierenden Anbietern gestaltet wird und dass sich die Angebote individuell an die Vorkenntnisse und das Lerntempo der einzelnen Schüler und Schülerinnen anpassen werden. Dabei sei es wichtig, den Schülern, Lehrern und Eltern weiterhin die Kontrolle über die Technologie und über persönliche Daten zu überlassen. Um das zu gewährleisten seien Open-Source-Ansätze und Mitbestimmungsmöglichkeiten wichtig. Eine weitere Herausforderung sei die gute Balance zwischen Online-Lernen einerseits und andererseits dem Lernen vor Ort mit viel Bewegung, mit viel sozialer Interaktion und einem guten Miteinander in der Schule. „Dass nur noch vor dem Rechner gelernt wird, wäre für mich eine Horrorvorstellung“, sagt Köhl.

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Über den Autor

 Elke Witmer-Goßner

Elke Witmer-Goßner

Redakteurin, CloudComputing-Insider.de