Viele KI-Initiativen scheitern nicht an Technologien, sondern an fehlenden Zielen, Skills bei Mitarbeitenden oder Change-Management. Mit diesen praxiserprobten Tipps, schaffen Firmen die Voraussetzungen für skalierbaren ROI bei KI-Projekten.
Sind Mitarbeitende auf die zukünftigen Anforderungen vorbereitet, wird die KI-Transformation in Unternehmen auch den erwarteten Erfolg haben.
Künstliche Intelligenz (KI) ist in Unternehmen nichts Neues: Fachabteilungen experimentieren schon seit einiger Zeit mit generativen Assistenten. Jetzt versprechen Anbieter schnelle Produktivitätsgewinne, Vorstände erwarten spürbare Effizienz- und Wachstumseffekte. Trotzdem bleibt der Business Case häufig aus. Viele Initiativen enden als Proof of Concept, ohne den Sprung in den täglichen Betrieb zu schaffen.
Aus CIO-Sicht ist das selten ein reines Technologieproblem. Entscheidend sind drei Grundlagen: ein klares Zielbild (welches Ergebnis soll sich messbar verbessern?), ein produktionsfähiger Rahmen für Risiko und Betrieb (Governance, Security, Compliance) und eine Belegschaft, die neue Arbeitsweisen beherrscht. Diese Kombination wird oft als „Workforce Readiness“ beschrieben: die Fähigkeit, KI sicher, wirksam und breit in den Arbeitsalltag zu integrieren.
Das Paradoxon der IT-Ressourcen
Der klassische CIO-Auftrag, Effizienz zu steigern, kollidiert kurzfristig mit der Realität vieler KI-Programme. Es entsteht ein Paradoxon: Während KI langfristig massive Effizienzgewinne verspricht, bindet sie kurzfristig – insbesondere bei den ersten Use Cases – enorme Kapazitäten, da zusätzlich zum Rollout des konkreten Anwendungsfalls erst ein Betriebsrahmen für einen verantwortungsvollen KI-Einsatz definiert werden muss. Dazu gehören Datenaufbereitung, Berechtigungsmodelle, Monitoring, Prompt- und Modellrichtlinien, Testkonzepte, Dokumentation, Change und Enablement. Der „letzte Kilometer“ – von der Testumgebung in die Produktion – ist oft der teuerste Schritt in einem sich ständig weiterentwickelnden Technologiefeld und der damit verbundene Aufwand wird regelmäßig unterschätzt.
Um das zu ändern, müssen CIOs ihren Fokus schärfen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Erfolg im Jahr 2026 hat, wer strategisch sinnvolle Use Cases identifiziert und diese mit den nötigen personellen Ressourcen unterfüttert.
Warum KI-Programme stecken bleiben: drei typische Muster
In der Praxis sind drei wiederkehrende Probleme zu erkennen:
1. Zu viele Use Cases gleichzeitig: Teams starten eine Vielzahl an Ideen parallel – ohne eindeutige Priorisierung, klare Erfolgsmetriken oder ausreichende Ressourcen.
2. Unterschätzte Betriebsfähigkeit: Datenqualität, Zugriffssteuerung, Auditierbarkeit, Sicherheitsfreigaben, Modellrisiken, Incident-Prozesse: Was im Piloten „gut genug“ war, ist im Betrieb ein Risiko. Gleichzeitig sind sich Teammitglieder häufig uneinig darüber, welches Risiko akzeptabel ist.
3. Unsicherheit bei Mitarbeitenden: Fehlende klare Richtlinien, Orientierung, Schulungen und Unterstützung führen meist zu einem von zwei Ergebnissen: Entweder sind Teams handlungsunfähig und wissen nicht, wie sie vorgehen sollen. Oder sie machen einfach weiter und es entstehen Schattenlösungen, die nach und nach die Kontrolle über die technologische Landschaft untergraben. Die gute Nachricht: Diese Muster sind adressierbar, wenn CIOs ihren Fokus bewusst weg von Tools und hin zu Arbeitsprozessen und Kompetenzen lenken.
Skills-First: KI verändert Aufgaben und die benötigten Kompetenzen
Die entscheidende Erkenntnis für eine erfolgreiche KI-Strategie lautet: Künstliche Intelligenz verändert keine Jobs, sondern Aufgaben – und damit die benötigten Fähigkeiten der Mitarbeitenden. Wer auf Aufgabenebene analysiert, erkennt präziser, wo KI-Unterstützung sinnvoll ist, wo menschliche Kontrolle zwingend nötig bleibt und welche neuen Tätigkeiten entstehen – zum Beispiel Validierung, Qualitätskontrolle oder Risikoabschätzung.
Dieser „Skills-First“-Ansatz bricht starre Job-Hierarchien auf. Er schafft Verständnis darüber, welche spezifischen Tätigkeiten durch generative Tools ergänzt, ersetzt oder völlig neu geschaffen werden. Für IT-Organisationen bedeutet das häufig eine Verschiebung, weg von reiner Umsetzung hin zur kritischen Kuration. Dieser prüfende Blick offenbart schnell, wo KI echten Mehrwert bietet – und wo sie lediglich eine teure Ablenkung ist.
Letztlich geht es nicht darum, den Menschen zu ersetzen, sondern ihn durch KI zu befähigen, in kürzerer Zeit bessere und vertrauenswürdige Ergebnisse zu liefern.
In der Vergangenheit waren IT und Personalabteilung oft Silos, die sich nur bei der Ticket-Erstellung für neue Mitarbeitende begegneten. Für eine erfolgreiche KI-Transformation muss diese Trennung fallen. Die Partnerschaft zwischen CIOs und CHROs wird zur lebenswichtigen Achse des Unternehmens.
Nur in enger Abstimmung lässt sich klären: Welche Kompetenzen sind im Unternehmen vorhanden? Welche müssen aufgebaut werden? Und wie sieht der Plan aus, um Lücken zu schließen, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden? Hier kommt eine Strategie ins Spiel, die sich als das „4-B-Modell“ etabliert hat und Workforce Readiness sicherstellt:
1. Build (Ausbauen): Durch gezieltes Upskilling und Reskilling werden Mitarbeitende darauf vorbereitet, gemeinsam mit KI-Agenten zu arbeiten. Der Fokus muss darauf liegen, Kompetenzen zu entwickeln, die den Geschäftserfolg vorantreiben und den „Human in the Loop“-Ansatz für eine verantwortungsvolle KI-Einführung unterstützen. Dies ist auch der nachhaltigste Weg.
2. Buy (Einstellen): Wenn Geschwindigkeit entscheidend ist und eine bestimmte technische Lücke geschlossen werden muss, sollten Unternehmen gezielt Talente mit den benötigten Kompetenzen einstellen. In einem wettbewerbsintensiven Markt ist dies jedoch eine oft kostenintensive Option. Zusätzlich muss bedacht werden, dass neue Mitarbeitende Zeit benötigen, um sich ins Team zu integrieren, bevor sie wirklich etwas bewirken und verändern können.
3. Borrow (Ausleihen): Projektbasierte Flexibilität kann entscheidend sein. Inhouse-Kapazitäten können temporär aus anderen Teams abgezogen werden, um KI-Initiativen zu unterstützen. Dies fördert zudem den internen Wissenstransfer. Alternativ kann das Hinzuziehen externer Partner, um kurzfristige Lücken zu schließen oder das interne Team weiterzubilden, eine praktikable Lösung sein.
4. Bot (Automatisieren): Hier kommen KI-Agenten ins Spiel. Sie übernehmen repetitive Aufgaben und schaffen so den Raum, den die Belegschaft für kreative und strategische Aufgaben benötigt.
Die Entscheidung, welches „B“ wann zum Einsatz kommt, hängt davon ab, wie weit das Unternehmen bereits ist, welche Businessziele es hat und welche strategische Relevanz es dem Use Case beimisst. In jedem Fall sollten CIOs über Abteilungsgrenzen hinweg in Fähigkeiten denken und die Kompetenzen der Mitarbeitenden im Blick haben. So wird aus einem statischen Talentpool eine dynamische Skillforce.
Stand: 08.12.2025
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Lernkultur als Betriebssystem
Einmalige Schulungsprogramme verlieren im KI-Umfeld schnell an Wirkung. Was heute „Best Practice“ ist, kann in wenigen Monaten veraltet sein. Unternehmen brauchen deshalb Lernprozesse, die sich an Fähigkeiten, Vorerfahrung und konkreten Aufgaben orientieren. Lerninhalte müssen passgenau auf den jeweiligen Job, das individuelle Skill-Level und den konkreten Kundenbedarf zugeschnitten sein.
Das Ziel: Eine Kultur, die lebenslanges Lernen nicht als lästige Pflicht, sondern als Teil der Arbeitsplatzbeschreibung begreift, die Angst vor der Technologie nimmt und in Neugier verwandelt. Wenn Mitarbeitende verstehen, dass KI sie nicht ersetzt, sondern ihre Arbeit auf ein neues Level hebt, schwinden auch Widerstände.
Checkliste für CIOs
5 Fragen vor der KI-Skalierung:
1. Welche 2–3 Use Cases liefern den größten messbaren Effekt (Zeit, Qualität, Risiko, Umsatz)? 2. Welche Tasks verändern sich – und welche neuen entstehen (inklusive Verantwortlichkeiten)? 3. Welche Guardrails gelten für Security, Compliance, Datenschutz und Auditierbarkeit? 4. Welche Skills fehlen – und wie lässt sich diese Lücke schließen (Build/Buy/Borrow/Bot)? 5. Wie wird Erfolg im Betrieb gemessen (Qualität, Zeit, Risiko, Akzeptanz)?
Fazit: Erst das Fundament, dann die Skalierung
Erfolgreiche KI-Transformation ist kein Sprint, sondern ein strategischer Umbau der gesamten Organisation. CIOs werden 2026 weniger daran gemessen, wie viele KI-Piloten sie gestartet haben, sondern wie viele davon sicher und messbar Wert schaffen. Der Weg aus der Pilotfalle führt über Fokus, Betriebsfähigkeit und Workforce Readiness.
Wer wenige relevante Use Cases priorisiert, Aufgaben und Skills systematisch analysiert, gemeinsam mit HR die 4-B-Strategie umsetzt und eine Kultur des ständigen Lernens etabliert, schafft die Voraussetzungen für skalierbaren ROI – ohne die Organisation zu überfordern.
* Die Autorin Orla Daly ist seit 2022 Chief Information Officer bei Skillsoft, einem weltweit führenden Unternehmen im Bereich Enterprise Learning und Talententwicklung. Sie bringt mehr als 25 Jahre Erfahrung in IT und Wirtschaft mit und ist als Leitung des Digital- und IT-Teams von Skillsoft verantwortlich für die Technologiestrategie und -umsetzung sowie für Data Governance und Engineering.