Seit Ende März 2015 steht der AWS Marketplace auch in einer lokalisierten Form für Europa in der Frankfurt Region zur Verfügung. Alexander Picker, Partner Development Manager AWS erläutert die Gründe für die Einführung in Deutschland.
Fragen und Antworten zur Einführung des AWS Marketplace-Katalogs in der Region Frankfurt.
(Bild: AWS)
CloudComputing-Insider: Warum hat AWS den Marketplace-Katalog in der Frankfurt Region eingeführt?
Alexander Picker: Das war die direkte Antwort auf Nachfragen deutscher Kunden, die an unsere Kollegen der deutschen Niederlassung adressiert waren. Es ist wichtig zu wissen, dass AWS Marketplace Zugang und Verkaufsmöglichkeiten in Deutschland vom ersten Tag an angeboten hat. Was wir aber jetzt getan haben ist, den großen Katalog an Anwendungen aus der Dublin Region, von wo aus wir ganz Europa versorgt haben, ebenfalls in der Frankfurt Region anzubieten.
Was sind die Vorteile für deutsche Kunden, den Marketplace direkt in Frankfurt zu haben?
Picker: Es gibt zwei Vorteile, den Marketplace in Frankfurt zu haben. Zum einen eine größere Konformität mit dem deutschen Datenschutzgesetz, denn einige Unternehmen sind von bestimmten deutschen Gesetzen und Richtlinien betroffen, die besagen, dass Software und Daten nur innerhalb der Landesgrenzen betrieben und gespeichert werden dürfen. Zum anderen reduziert die Nähe der Server-Instanz zum Nutzer die Latenzzeit, die evtl. auftreten würde, wenn Anwendungen aus der Dublin Region bezogen worden wären.
Ist das Angebot in Frankfurt identisch mit dem in Dublin?
Picker: Der AWS Marketplace Katalog unterschiedet sich leicht von Region zu Region. Das hängt von den Entscheidungen der einzelnen Independent Software Vendors (ISVs) ab, in welche Regionen sie ihr Angebot zur Vergügung stellen wollen. Der ISV ist der Verkäufer, wir stellen das Angebot bereit. Wenn der ISV X sich entscheidet, kein AMI (Amazon Maschine Image) für den Einsatz in einer bestimmten Region anzubieten, können wir diese Entscheidung nicht beeinflussen. Am Anfang wird der Frankfurt-Katalog zu gut 75% dem Katalog in Dublin entsprechen. Kunden, die Software im AWS Marketplace nutzen, können entweder anhand eines Stundenmodells oder per Monat bezahlen. Diese monatlichen Lizensierungsangebote liegen bei unter 200 Euro.
Gibt es viele Produkte von deutschen ISV im AWS-Katalog?
Picker: Viele Produkte im AWS Marketplace stammen von ISVs aus EMEA. Wir haben aber keine Zahlen speziell für Deutschland. Zum Beispiel wird SAP HANA ONE im AWS Marketplace angeboten. Wir würden uns freuen, mehr deutsche ISVs auf dem AWS Marketplace zu sehen.
Wer kauft beim AWS Marketplace?
Picker: Unternehmen und Kunden aller Größen und von überall auf der Welt kaufen Produkte aus dem AWS Marketplace. Von großen Unternehmen wie SunCorp, einem australischen Finanzdienstleister, bis zu Kärcher, einem deutschen Unternehmen.
Wie groß ist der deutsche Umsatzanteil bei AWS Marketplace?
Alexander Picker ist Partner Development Manager bei Amazon Web Services.
(Bild: AWS)
Picker: Wir veröffentlichen keine Umsätze einzelner Geschäftsbereiche oder für bestimmte Länder oder Regionen. Weltweit haben wir über eine Million aktive Kunden bei AWS. Ein guter Prozentsatz davon kauft auf dem AWS Marketplace. Unser Business wächst rapide. Für Oktober 2014 gilt z.B., dass unsere AWS Marketplace-Kunden über 70 Millionen Stunden Software genutzt haben, die auf EC2 läuft.
Wie viele Produkte sind heute seit dem Launch verfügbar?
Picker: Heute geben wir Kunden Zugang zu über 1000 Produkten. Ein Produkt kann in mehreren Kategorien erscheinen, da es möglich ist, es in einer jährlichen, monatlichen und stündlichen sowie einer BYOL und einer freien Version anzubieten. Daher haben wir 2100 Einträge bei mehr als 1000 Produkten.
Ist der AWS Marketplace die Zukunft des Software-Einkaufs?
Picker: Wir glauben, dass die Softwareindustrie seit ihrer Anfangszeit vor 30 Jahren derzeit den größten Wandel durchläuft – seit die Wahl für Software ein Businessmodell ist und die Auswahl unabhängig von der Computerkapazität stattfindet. Da immer mehr Unternehmen die Cloud als neuen Standard betrachten und Arbeitsprozesse zu AWS verlagern, erkennen sie, dass dies unabhängig vom Gebrauch von Rechner, Storage und Netzwerk möglich ist und das bei weniger Aufwand, Mühe und Zeit. Langfristig gesehen erwarten wir, dass viele Unternehmen einen Großteil ihrer Software vom AWS Marketplace beziehen und kaufen. Dies läuft darauf hinaus, dass ISVs sich mit neuen Preismodellen auseinandersetzen und lernen, die Anzahl an Interessenten zu beliefern, die wir am AWS Marketplace sehen.
Wie können ISVs aus Deutschland ihre Produkte auf dem Marketplace anbieten?
Picker: ISVs oder autorisierte Verkäufer eines ISV-Produkts können freie, bezahlte (stündliche, monatliche, jährliche Abonnementpreise) und “Bring Your Own Licence”-Softwareprodukte im AWS Marketplace aufführen. Um ein Produkt mit Preiskonzept anzubieten, muss der ISV eine Niederlassung in den USA haben oder dort aktuell Geschäfte tätigen. Für diejenigen, die auf den AWS Marketplace wollen, haben wir einen Partner namens Orbitera, der einen US Niederlassungsservice anbietet, um internationalen ISVs dabei zu helfen, die US-Niederlassungsanforderungen zu bewältigen.
Stand: 08.12.2025
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ISVs, die derzeit kein Geschäft bzw. Niederlassung in den USA betreiben, kann das Team von AWS Marketplace an Reseller Channelpartner vermitteln, die das Produkt des ISV im AWS Marketplace Katalog vertreten können. Viele ISVs betreiben auf diese Weise ihre Geschäfte und es ist allgemein üblich, dass Channelpartner ISV-Softwareprodukte an Kunden weltweit verkaufen.