Dreamteam KI und Cloud Grenzen zwischen Cloud- und Edge-Computing verschwimmen

Von Dr. Stefan Riedl 5 min Lesedauer

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Cloud- und Edge-Computing arbeiten zusammen und ergänzen sich. Unternehmen können Echtzeitdaten am Edge verarbeiten, während die Cloud für tiefgreifende Analysen genutzt wird. Die KI spielt bei diesem Trend eine ganz besondere Rolle.

Edge Computing bricht monolithische Server-Architekturen auf.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Edge Computing bricht monolithische Server-Architekturen auf.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Die Grenzen zwischen Cloud Computing und Edge Computing verschwimmen immer mehr und treiben die Entwicklung effizienter und innovativer Anwendungen voran, findet Tim Kartali, Head of Global Partner Sales bei Ionos. Dies gelte „besonders in Industrie und Gesundheitswesen, wo eine schnelle Datenverarbeitung unerlässlich ist.“

Wachstumstreiber KI

Künstliche Intelligenz (KI) bleibe ein Wachstumstreiber. „Mit verbesserten Modellen und autonomen KI-Agenten wie zum Beispiel digitalen Zwillingen stehen wir vor einer neuen Ära der Effizienz und Automatisierung“, so Kartali. Auch Serverless-Architekturen würden eine entscheidende Rolle spielen, weil sie eine flexible und kosteneffiziente Nutzung von Cloud-Ressourcen ermöglichen. „Nicht zu vergessen: In Sachen Regulierung sorgen EU-Richtlinien wie NIS2, DORA und der Data Act für höhere Sicherheitsstandards und erleichtern die Migration zwischen Cloud-Anbietern. Das bedeutet mehr Flexibilität, aber auch strengere Compliance-Anforderungen für Unternehmen“, steckt der Manager die Treiber der Digitalisierungsbranche ab.

Hintergrund

KI treibt Cloud Computing vor sich her

KI treibt Cloud Computing voran, weil KI-Anwendungen enorme Rechenleistung und große Datenmengen benötigen. Die Cloud bietet die nötige Infrastruktur, um diese Ressourcen flexibel und kosteneffizient bereitzustellen. Unternehmen können so KI-Modelle trainieren und nutzen, ohne teure eigene Hardware zu betreiben. Gleichzeitig profitieren Cloud-Anbieter von der steigenden Nachfrage nach leistungsfähigen Servern und spezialisierten KI-Diensten. Dadurch entwickeln sich beide Technologien gemeinsam weiter.

Warum die Grenzen zwischen Cloud und Edge Computing verschwimmen, kann auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden. Diese beiden Technologien entwickeln sich immer mehr zu komplementären Lösungen, die Unternehmen dabei unterstützen, ihre IT-Infrastrukturen effizienter zu gestalten. So setzen Unternehmen immer häufiger auf hybride Architekturen, die die Stärken von Cloud und Edge kombinieren.

Vom Edge in die Cloud

Edge-to-Cloud-Lösungen ermöglichen es, relevante Daten von Edge-Geräten in die Cloud zu übertragen. Dies fördert zentrale Analysen und Optimierungen und verbessert somit die Effizienz. Während Edge-Computing die Echtzeitverarbeitung von Daten ermöglicht, was für zeitkritische Anwendungen wichtig ist, können rechenintensive Aufgaben in der Cloud bearbeitet werden. Diese Kombination trägt zur Reduzierung von Latenzzeiten bei und optimiert gleichzeitig die Nutzung der Bandbreite.

Anwendungsbeispiele wie vorausschauende Wartung, autonome Fahrzeuge und IoT-Anwendungen verdeutlichen, wie Daten am Edge erfasst und in der Cloud analysiert werden. Solche Lösungen befähigen Unternehmen, flexibler und reaktionsschneller auf sich ändernde Anforderungen zu reagieren.

Paradigmen zusammenführen

Dennoch gibt es auch Herausforderungen, die mit dieser Integration einhergehen. Die Notwendigkeit einer einheitlichen Verwaltung der Infrastrukturen, Sicherheits- und Datenschutzfragen sowie die technische Abstimmung von Cloud- und Edge-Technologien sind Aspekte, die berücksichtigt werden müssen – hier ist der Channel gefragt. Technologien wie Kubernetes spielen in diesem Umfeld eine entscheidende Rolle, indem sie als vereinheitlichende Plattform fungieren und so die Zusammenführung der beiden Paradigmen unterstützen.

Zahlen und Hintergrund

Führt das Cloud-Wachstum in den Himmel?

Exponenzielles Wachstum muss in keiner unaufhaltsamen Explosion münden – wie bei der Schachbrett-Geschichte, bei der sich auf jedem Feld die Anzahl der Reiskörner verdoppelt und zum Schluss ganze Reis-Welternten rauskommen. Oft flacht es sich ab, denn in der Realität gibt es Dämpfungsmechanismen, die Wachstum begrenzen und wie auch immer geartete Exponentialkurven einbremsen.

Beim Cloud Computing zeigt sich dieser Effekt: Der Cloud-Hunger nimmt im Laufe der Zeit zu, wächst aber nicht in den Himmel. Nachfrage- und angebotsseitige Faktoren wie Infrastrukturkosten, Energieverbrauch und Regulierung bremsen das Tempo trotz des Trends zu einem sich beschleunigenden Wachstum.

Aktuelle Daten aus dem Jahr 2024 bestätigen das anhaltende Wachstum im Cloud-Computing-Sektor. Laut Fortune Business Insights wurde die Größe des globalen Cloud-Computing-Marktes im Jahr 2023 auf 587,78 Milliarden US-Dollar geschätzt. Prognosen zufolge könnte der Markt bis 2032 ein Volumen von 2.291,59 Milliarden US-Dollar erreichen, was einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 16,5 Prozent entspricht.

In Deutschland zeigt der Bitkom Cloud Monitor 2024, dass 81 Prozent der Unternehmen Cloud Computing nutzen, während 14 Prozent die Einführung planen oder diskutieren. Nur fünf Prozent der Unternehmen betrachten das Thema als irrelevant.

Souveräne Cloud-Lösungen sind gefragt

Bei deutschen und europäischen Unternehmen nimmt das Interesse an sicheren und souveränen Cloud-Lösungen spürbar Fahrt auf, berichtet Kartali aus der Vertriebspraxis. „Das Bedürfnis nach digitaler Souveränität wird vor allem durch die aktuellen geopolitischen Entwicklungen immer größer“, so der Manager. Dieser Trend spiegle sich in einer gestiegenen Sensibilität für die Kontrolle über die eigenen Daten wider. Insbesondere größere Unternehmen mit strengen Compliance-Anforderungen suchen nach Alternativen zu US-Anbietern, nicht um diese komplett zu ersetzen, sondern um ihre digitale Unabhängigkeit zu sichern.

Tim Kartali, Head of Global Partner Sales, Ionos(Bild:  Ionos)
Tim Kartali, Head of Global Partner Sales, Ionos
(Bild: Ionos)

Versteckte Kosten und mangelnde Preistransparenz

„Wir haben festgestellt, dass gerade in wirtschaftlich und politisch angespannten Zeiten fast alle Interessenten versteckte Kosten, Lock-in-Effekte und mangelnde (Preis-)Transparenz fürchten“, sagt der Ionos-Channel-Chef. Die gängigen Lizenzierungspraktiken der großen Cloud-Anbieter würden zum Beispiel öffentlichen Unternehmen zu schaffen machen, geht man nach einer aktuellen Studie des Zentrums Nachhaltige Transformation (ZNT) an der Quadriga Hochschule Berlin.

Im Fokus würden dabei besonders Multi-Cloud-Umgebungen und Interoperabilität stehen, so der Manager. Es sei daher unerlässlich, dass europäische Anbieter wie Ionos ihre Services weiterentwickeln und ausbauen, um endlich eine wettbewerbsfähige Auswahl auf dem europäischen Markt zu etablieren.

Eingesperrt im goldenen Käfig

Das Problem, dass Kosten und personeller sowie organisatorischer Aufwand dem Cloud-Flexibilitätsversprechen entgegen stehen, wird Vendor-Lock-In-Problematik genannt. Diese bleibe relevant, denn viele Unternehmen seien nach wie vor stark von einzelnen Anbietern abhängig, so Kartali und ergänzt: „Die Unternehmen leiden unter den unfairen Marktbedingungen der großen Cloud-Anbieter, dem Mangel an transparenten Lizenzierungspraktiken und der eingeschränkten Flexibilität.“ Der Wechsel zu souveränen Clouds könnte diese Abhängigkeit seiner Ansicht nach zumindest teilweise aufbrechen.

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Rekordausbau der Rechenzentrumskapazitäten

In Europa wird ein Rekordausbau der Rechenzentrumskapazitäten erwartet, angetrieben durch die Expansion von KI und Cloud Computing. Das sei auch nötig, um der Nachfrage nach KI und Cloud Computing gerecht zu werden, sagt der Channel-Chef. „Da durch neue KI-Anwendungen und die Nutzung von GPUs mehr Strom verbraucht wird, setzen wir bei Ionos auf die Entwicklung von umweltfreundlichen und energieeffizienten Lösungen.“ So forsche man an Methoden, um den Energieverbrauch in Rechenzentren zu reduzieren. Dabei gehe es sowohl darum, bestehende Infrastrukturen zu optimieren, als auch darum, innovative Technologien wie Flüssigkühlung zu etablieren. Kartali führt aus: „In unserem Test- und Entwicklungszentrum arbeiten wir daran, effektivere Infrastrukturkonzepte zu entwickeln. Neue Serverkonzepte sollen zudem den Stromverbrauch deutlich senken.“

Bei deutschen und europäischen Unternehmen nimmt das Interesse an sicheren und souveränen Cloud-Lösungen spürbar Fahrt auf.

Tim Kartali, Head of Global Partner Sales bei Ionos

„Digitale Souveränität ist ein Must-Have“

Das Thema digitale Souveränität ist für Unternehmen kein „nice to have“, sondern ein absolutes „must have“, um sich vor geopolitischen Risiken zu schützen, findet der Manager. „Es geht darum, dass Unternehmen die Kontrolle über ihre eigenen Daten haben und nicht von großen US-Unternehmen oder Firmen abhängig sind, die unter außereuropäischer Rechtsprechung operieren.“ Unternehmen müssten daher ihre IT nicht nur technisch, sondern auch strategisch absichern. Datenschutz und Compliance würden dabei eine wichtige Rolle spielen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

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