KI-Offensive mit „Bard“ Google Cloud – ruhender Pol in stürmischen Zeiten

Von Elke Witmer-Goßner 4 min Lesedauer

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Die angekündigte Massenentlassung signalisiert: Es läuft nicht so gut bei Alphabet. Der Konzern bleibt bei Umsätzen hinter den Erwartungen zurück. Und dann auch noch der Hype um die Wunder-KI ChatGPT. Viele stimmten schon den Abgesang auf das Kerngeschäft mit der Google-Suche an. Und was macht die Cloud-Tochter?

Google bekam zum Ende des Geschäftsjahres die Flaute im Online-Werbemarkt zu spüren; vor allem aber Zuwächse bei Cloud-Diensten halfen, die Lücke zu schließen.(Bild:  alphaspirit - stock.adobe.com)
Google bekam zum Ende des Geschäftsjahres die Flaute im Online-Werbemarkt zu spüren; vor allem aber Zuwächse bei Cloud-Diensten halfen, die Lücke zu schließen.
(Bild: alphaspirit - stock.adobe.com)

Die jüngste Ankündigung von Alphabet, weltweit 12.000 Stellen zu streichen, war eigentlich keine Überraschung mehr, denn der Konzern liegt damit voll im Trend. Die Erklärung zum Warum klingt wie zigmal gehört und gelesen: Die Corona-Krise hat die Nachfrage nach Remote-Work- und Collaboration-Services schnell ansteigen lassen mit einer hohen Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Um diese Nachfrage schnell bedienen zu können, wurden massiv neue Mitarbeiter eingestellt. Nun sind die Aufträge mehr oder weniger wieder auf das Vor-Pandemie-Niveau zurückgegangen.

Viele Jobs sind also jetzt überflüssig. Und Investoren und Anteilseigner erwarten zudem angesichts sinkender Gewinne bzw. verhaltener Umsätze entsprechende Reaktionen. So muss auch die Google- und Google-Cloud-Muttergesellschaft Alphabet in der jüngst veröffentlichten Bilanz für das vierte Quartal 2022 einen Gewinnrückgang im Jahresvergleich um gut ein Drittel melden. Vor allem das Anzeigengeschäft auf den Plattformen Google Search und Youtube war rückläufig. Dass Alphabet unterm Strich doch noch ein winziges Umsatzplus vorweisen kann, ist dem weiterhin gut laufenden Geschäft mit Cloud-Diensten geschuldet. Der Umsatz hier wuchs von rund 5,5 auf 7,3 Milliarden US-Dollar.

Für Bernie Wagner, der das deutsche Google-Cloud-Geschäft leitet, können das nur gute Nachrichten sein. Er bleibt ruhig, sieht wenig Grund zur Sorge, sondern einfach nur gute Technik, die er verkaufen kann, und viele Geschichten erfolgreicher Kundenprojekte.

Wagner hat sich viel vorgenommen, um ein ganz besonderes Versprechen zu halten: Google Cloud will seinen Beitrag leisten und deutsche Unternehmen darin unterstützen, ihre Potenziale zu heben und zu stärken. Auf der To-Do-Liste stehen dabei die Sicherung des Wohlstands, die Behebung des Fachkräftemangels und das Energiesparen.

Dafür hat er eine ganze Liste in petto. So sollen Unternehmen ihre digitalen Fähigkeiten mit Hilfe der Google-Cloud-Services vor allem hinsichtlich Collaboration und Wissenstransfer erweitern. Neue Programme des Anbieters wollen hier Hilfestellung leisten. Ein weiteres wichtiges Thema: Sicherheit und Datenschutz im Public Sector. Data Privacy und Data Protection sollen durch den Ausbau der Cloud-Rechenzentren in Hanau und Berlin-Brandenburg noch besser werden. Von der optimierten digitalen Infrastruktur profitieren aber auch alle anderen Branchen. Und individuelle Klimaschutzziele sollen mit Google-Cloud-Technologien erfüllt werden. Google Cloud, so Wagner, gehe hier als Vorbild voran beispielsweise mit Kooperationen (Beispiel: Engie) oder der Nutzung von Bürogebäuden, die durch eigene Energiegewinnung den autarken Betrieb schaffen.

Überhaupt will Google Cloud mit gutem Beispiel voran gehen: „Wir wollen nahebringen, wie Google selbst arbeitet, und ein Vorbild sein für die Kunden“, pflichtet Dr. Stefan Ebener, der bei Google Cloud als Manager Customer Engineering ein internationales Machine Learning- und KI-Expertenteam leitet. Google Clouds „Rezept für Innovation“: Technologie zum Anfassen bieten. Use Cases, so Ebener, werden in Zukunft wichtiger sein als die Technologie selbst. Erfolgreiche Kundenprojekte werden selbstredend Beispiele liefern, wie sich IT modernisieren, Mitarbeiter mobilisieren und das Geschäft transformieren lasse.

Und, fährt Ebener fort, es sei wichtig, dass Unternehmen lernen, dass sich große Krisen – auch der Fachkräftemangel – durch eine „radikale Änderung der Technologie“ meistern ließen. „Legacy-Technologie überzeugt keine jungen Fachkräfte, die mit Open-Source-Technologien an der Universität aufgewachsen sind.“ Mitarbeiter könnten auch bald Machine Learning ebenso selbstverständlich nutzen wie Google Sheets. Mit Machine Learning bzw. der nächste Stufe „AutoML“ – automatisiertes Machine Learning („Maschinen trainieren Maschinen“) – sei der Weg dazu quasi geebnet. Die „Affekt-Heuristik“ ließe sich, ist Ebener überzeugt, damit schnell durchbrechen. Ein Seitenhieb auf den Hype um das KI-Tool ChatGPT?

Bard – „experimenteller KI-Dienst für Konversationen“

Wie schnell es tatsächlich gehen kann, dass von heute auf morgen auch Unbedarfte auf den KI-Zug aufspringen, zeigt der Hype um ChatGPT. Dass Google bei intelligenten Technologien allerdings ins Hintertreffen geraten könnte, ist eher unwahrscheinlich. Seit über 20 Jahren entwickelt Google seine Services mit KI, sei es Maps, Translate oder auch die Kamera-App Lens.

Aber der Konzern will sich auch nicht lumpen lassen, hat es den Anschein, und geht mit „Bard“ in die Chatroboter-Offensive. Sundar Pichai, CEO von Google und Alphabet, kündigte „Bard“ in einem eigenen Blog-Beitrag am Montag an. Google habe seit Jahren auf allen Ebenen in KI investiert, Google AI und DeepMind setzten dabei bereits neue Maßstäbe, so Pichai. „Bard“ (Deutsch: Barde) – in Anlehnung an den „Bard of Avon“ William Shakespeare – basiert auf dem Google-Sprachmodell für Dialoganwendungen Lamda („Language Model for Dialogue Applications“). Bard kombiniere, erklärt Pichai weiter, „die Breite des weltweiten Wissens mit der Leistung, Intelligenz und Kreativität unserer großen Sprachmodelle“. Somit greift Bard ähnlich wie der OpenAI-Chatroboter ChatGPT auf Informationen aus dem Internet zurück, um aktuelle und qualitativ hochwertige Antworten zu liefern.

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Bard setzt auf einer Variante von Lamda auf und umfasst drei Teile: einen Chatbot mit dem Namen Bard, neue KI-Funktionen in der Google-Suche sowie die Bereitstellungen von Programmier-Schnittstellen (APIs) zur Entwicklung von KI-Anwendungen. Ab sofort ist Googles Bard für „vertrauenswürdige Tester“ geöffnet. In einem internen Memo soll Pichai alle Google-Mitarbeitende dazu aufgerufen haben, die neue Konversations-KI ausgiebig zu testen („all hands on deck to test Bard“), berichtet CNBC. In den kommenden Wochen soll Bard aber auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Mit Material von dpa.

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