Refurbishing & Remarketing Gebrauchtsoftwarehandel erfindet sich neu

Von Dr. Stefan Riedl 4 min Lesedauer

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Die Cloud ist auf dem Vormarsch und ändert die Geschäftsmodelle klassischer Gebrauchtsoftwarehändler. Es wird mehr beraten und mehr Cloud-Abos werden im Sinne von Hybrid-Modellen vertrieben. Aktuelle Ereignisse legen jedoch nahe, dass On-Premises-Lizenzverkauf (noch) kein Auslaufmodell ist.

Wie kommt die Lizenz vom Datenträger herunter?(Bild:  KI-generiert / Midjourney)
Wie kommt die Lizenz vom Datenträger herunter?
(Bild: KI-generiert / Midjourney)

Volumenlizenzverträge rein, Softwarelizenzen raus – eine Maschine, die diesen Prozess abbildet, gibt es nicht. So ist der Gebraucht­softwarehandel nach wie vor keine Fließbandarbeit, sondern Geschäft, das unter Menschen gemacht wird, mit Verhandlungen, bei denen es oft um Preise geht und mit viel Dokumentationsarbeit. Gebrauchtsoftwarehändler können sich keinen Fauxpas leisten, denn der gute Ruf ist in dieser Branche von entscheidender Bedeutung.

Cloud Computing auf dem Vormarsch

Allerdings ändern sich langsam die Vor­zeichen, Rahmenbedingungen und ­Geschäftsmodelle, denn Cloud Computing ist auf dem Vormarsch und kennt keine „extrahierbaren“ Lizenzen zum Weiterverkauf. Es finden Anpassungsprozesse statt.

Bei Lizenzdirekt will man beobachtet haben, dass die Diskussion um Abomodelle im Cloud-Kontext weiter Fahrt aufnimmt. „Die jüngste Aufregung um die Kostenexplosion bei VMware und deren neue Lizenzpolitik nach der Übernahme durch Broadcom macht deutlich, dass das Thema über Microsoft hinaus Wellen schlagen wird“, sagt Andreas E. Thyen, Präsident des Verwaltungsrats von Lizenzdirekt, der sich auch mit allgemeiner Lobbyarbeit für die Branche beschäftigt. Auch wegen der VMware-Problematik wird seiner Ansicht nach das Konzept „Bring-your-own-License“ weiter an Bedeutung gewinnen.

Datenschutzbewusstsein steigt

Ein weiterer Trend zeichne sich beim Datenschutzbewusstsein ab: „Nach einer ganzen Reihe von Zwischenfällen rund um den Einsatz von M365 in Behörden und Unternehmen wächst das Bewusstsein, dass nur ein hybrider Ansatz die Hoheit über die eigenen Daten bewahrt beziehungsweise verbessert“, ist der Verwaltungsratspräsident überzeugt.

Auch Lizenzdirekt hat das Dienstleistungsangebot ausgebaut und die Segmente Software Asset Management sowie strategische Lizenzberatung ins Portfolio genommen. „Diese Entwicklung“, so Thyen, „führte zuletzt zur Gründung von ­AuditButler“. Das ist dem eigenen Selbstverständnis nach eine Lösung, mit der Kunden ihr Lizenzmanagement einfach gestalten können.

Kostendruck steigert Sparneigung

Philipp Mutschler, Vice President Sales bei Soft & Cloud, geht von einer „kontinuierlich steigenden Nachfrage nach gebrauchten Microsoft-Lizenzen aus, aufgrund des steigenden Kostendrucks in den Unternehmen“. Gleichzeitig beobachte man bei dem Unternehmen, das die Cloud schon im Namen trägt, einen verstärkten Drang seitens Anbieter wie Microsoft, die Cloud zu forcieren.

„Obwohl dies aus ihrer strategischen Perspektive verständlich ist, sehen wir eine wachsende Zurückhaltung in den Unternehmen“, so der Manager. Er vermutet, dass Unternehmen aufgrund hoher Abonnementkosten und einer zunehmenden Abhängigkeit von Cloud-­Lösungen zukünftig die „Cloud-only-Maxime“ tendenziell häufiger überdacht wird. „Immer mehr erkennen die Vorteile der hybriden Modelle, die sowohl Kostenersparnis aber auch Flexibilität bieten“, sagt Mutschler.

Diese Entwicklung gehe einher mit einer gestiegenen Offenheit gegenüber Gebrauchtsoftware und den damit verbundenen Vorteilen, die da wären: deutlich geringe Anschaffungskosten und keine Vertragslaufzeiten bei identischem Leistungsumfang. Bei seinem Arbeitgeber blickt man gespannt auf die Veröffentlichung von Microsoft Office 2024 und eventuell die neuen Windows und SQL-Server. „Die neuen Kaufversionen werden den Gebrauchtmarkt stärken, da viele Unternehmen nach wie vor nicht vollständig Cloud-fähig oder Cloud-willig sind“, so seine Überzeugung.

Office bleibt On-Premises

In diesem Zusammenhang berichtet Björn Orth, Geschäftsführer bei Vendosoft, dass „auf dem Windows Server Summit 2025, der vor kurzem in Würzburg stattfand“, bestätigt wurde, „was schon länger in der Microsoft-Bubble kursiert: Sowohl Office als auch den Windows Server wird es weiterhin On-Premises geben. Beide werden vermutlich im zweiten Halbjahr 2024 neu gelauncht.“ In ersten Presseberichten ist bereits zu lesen, dass die Support-Laufzeit für Office 2024 bis Oktober 2029 angesetzt ist. Das ist aus der Sicht von Orth deshalb erfreulich, „weil ja die 2016er und 2019er Versionen im Herbst nächsten Jahres auslaufen, die für Office 2021 im darauffolgenden Jahr“.

Über die Preispolitik sei in der Branche noch nicht viel bekannt. „Sehr wahrscheinlich werden die Lizenzen teurer“, taxiert der Manager. „Das ist bei Microsoft ja Kalkül, um die Cloud zu promoten.“ Für Nutzer gebrauchter Software spiele das aber bekanntlich keine Rolle. „Bereits wenige Monate nach einem Launch hat Vendosoft die Lizenzen in der Regel gebraucht verfügbar und gibt sie bis zu 30 Prozent unter Neupreis an Unternehmenskunden weiter.“

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„Fraglich ist zur Zeit noch, wie lange Office 365 auf 2025er Terminal Servern unterstützt wird beziehungsweise welche Office-On-Premises-Version noch wie lange darauf lauffähig sein wird“, so der ­Vendosoft-Chef. Darüber sei aktuell in der Branche nichts bekannt. Nur so viel: „Es wird unterstützt!“ Lizenzrechtlich ändert sich bei beiden Programmen voraussichtlich nichts.

„Damit lautet die gute Nachricht für IT-Häuser, die ihren Kunden viel Geld sparen oder die Cloud umgehen wollen: Das können wir bis Herbst 2029 wie gewohnt mit gebrauchter Software ermöglichen“, so der Manager.

Rechtskonform und günstig

Die MRM Distribution beschäftigt derzeit vor allem, „dass Unternehmen mit immer höheren Kosten für Cybersecurity, Digitalisierung und Cloud konfrontiert werden“, sagt Heinrich Mekker, Senior Key Account Manager bei MRM Distribution. „Damit werden Themen wie Kostenkontrolle und Budgetknappheit für Systemhäuser und IT-Beratungen drängender denn je.“ Hier bringe man sich vor allem mit gebrauchten Microsoft-Produkten ins Business ein. „Wir unterstützen unsere Partner dabei, gebrauchte Lizenzen kostengünstig in hybride Einsatzszenarien zu integrieren.“ Unternehmenskunden erhalten so voll funktionsfähige Software auf eine rechtskonforme Art und Weise „bis zu 60 Prozent günstiger als neu oder aus der Cloud“.

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