Datenhoheit powered in Europa EU-Anbieter wollen Hyperscalern bei Cloud-Souveränität die Stirn bieten

Von Marvin Djondo-Pacham 4 min Lesedauer

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Besucher der diesjährigen Cloud Computing Conference (CCX), veranstaltet von der Vogel IT-Akademie, hatten beim Programmpunkt „Cloud aus der EU und für die EU: Datengrenzen versus globale Digitalisierung“ eine Podiumsdiskussion erwartet. Statt einer Diskussion hatte es jedoch viel Einigkeit und Zustimmung zwischen den vier Experten in Sachen Cloud-Souveränität gegeben.

Während der Podiumsdiskussion „Cloud aus der EU und für die EU: Datengrenzen versus globale Digitalisierung“ legten vier Experten aus der Industrie ihre Position über diese und weitere spannende Aspekte rund um das Thema Cloud-Souveränität dar.(Bild:  Vogel-IT Akademie)
Während der Podiumsdiskussion „Cloud aus der EU und für die EU: Datengrenzen versus globale Digitalisierung“ legten vier Experten aus der Industrie ihre Position über diese und weitere spannende Aspekte rund um das Thema Cloud-Souveränität dar.
(Bild: Vogel-IT Akademie)

Moderiert von IT-Journalist und Insider Research-Host Oliver Schonschek zeigten sich die Experten zuversichtlich über die Entwicklungen der Datensouveränität in Europa. Laut Michael Hase, Manager Euro Cloud beim eco Verband der Internetwirtschaft, sei der Begriff „Datensouveränität“ ein Stück weit Auslegungssache. Seiner Auslegung nach gelte eine Cloud erst als souverän, wenn der Anwender sich souverän in dieser bewegen könne und nicht der Anbieter.

Vereinfacht gilt nach Definitionen diverser Quellen die vollständige Kontrolle über die eigenen Daten als Hauptmerkmal für eine souveräne Cloud. Wenig überraschend sieht Hase als Eco-Manager den Souvereign Cloud Stack (SCS) als eine passende Basis. Dieser soll als Unterbau für das vom Eco-Verband vorangetriebene Projekt Gaia-X dienen.

Er betont, dass es nicht ausreiche, eine souveräne Cloud-Anwendung einzuführen. Unternehmen müssten selbstständig in dieser zurechtkommen und die Fähigkeiten zur optimalen Cloud-Verwaltung besitzen. Das bedeute: Die in Deutschland vorhandene IT-Expertise zu nutzen und mit Dienstleistern zusammenarbeiten.

Wir haben viel IT-Kompetenz in Deutschland. Gerade im Channel gibt es Tausende von Dienstleistern, von Systemhäusern und auch reichlich Cloud-Expertise sowie Cloud-Native-Dienstleister. Das ist, was der Kunde braucht, wenn er souverän sein will.

Michael Hase, eco

Alwin Penner, Global Head of Cloud bei Adesso empfiehlt, dass Unternehmen ihre Handlungsfähigkeit im Hinblick auf die Cloud hinterfragen sollen, um einen Cloud-Lock-in zu vermeiden. Dieser Effekt beschreibt Abhängigkeit eines Anwenders von einem Cloud-Provider. Laut Penner trage der öffentliche Sektor einen erheblichen Teil zur Weiterentwicklung der Datensouveränität in Deutschland bei.

Das liege hauptsächlich an der vom Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund) in Auftrag gegebenen On-Premises-Enterprise-Cloud, die Ionos umsetzt. Aus seiner Sicht sorge das Unwissen der Anwender für Unsicherheit. Er stimmt deshalb Hase zu und betont die Wichtigkeit von externem Know-how.

Um diese solle sich am besten früher als später bemüht werden, denn die Skills am Markt seien hart umkämpft und teuer. Zudem empfiehlt er konkret zu überlegen, welcher IT-Stack für welchen Geschäftsfall benötigt wird, ehe Unternehmen sich auf einen Cloud-Anbieter festlegen. Aus seiner Sicht, müsse es mehrere Bezugsmöglichkeiten für die Cloud geben, um die Souveränität zu wahren.

Datenhoheit in Deutschland

Im Vergleich zu den Hyperscalern können die Anwendungen der europäischen Anbieter nicht mithalten. Angebote wie der „Microsoft Azure Stack“ oder der „Oracle Cloud Stack“ sind der europäischen Konkurrenz meilenweit voraus. Dennoch sind die Produkte der US-Amerikanischen Unternehmen in Sachen Datensouveränität und -sicherheit vom Nachteil für deutsche Unternehmen und Gemeinden.

Für Emily Raidt, Functional Team Lead Channel Sales bei Ionos, stellt sich bei der souveränen Cloud in der EU die Frage nach dem „Kill-Switch“. Also, wer hat die Befugnis die Cloud offline zu nehmen? Bei den US-amerikanischen Cloud-Anbietern liege die Datenhoheit per Gesetz in gewissen Fällen nicht mehr beim Anwender. Raidt erläutert, dass es bereits Open Source Large Language Models (LLMs) für datensouveräne KI-Anwendungen gebe, bei denen die gesammelten und genutzten Daten nur innerhalb von Deutschland blieben. Bis diese auf dem Level der Hyperscaler-Anwendungen kommen, dürfte es dennoch einige Zeit dauern.

Wir sind noch sehr am Anfang und haben viel aufzuholen. Aber die Kunden und Partner nehmen diese Lösung sehr gut an. Es gibt viele Projekte mit unterschiedlichen Use Cases in allen möglichen Branchen. Daher bin ich optimistisch, dass die Reise in die richtige Richtung weitergeht.

Emily Raidt, Ionos

Gernot Hofstetter ist Co-CEO von Yorizon Cloud und der Meinung, dass die gesamte Infrastruktur der Cloud, bis hin zum Gebäude, auf Souveränität ausgelegt sein sollte. Zudem sieht er die Cloud-Lieferkette als weiteren Punkt, den man in Anbetracht der Souveränität weitestgehend optimieren müsse. Jedoch gebe es Grenzen. „Wir werden nicht anfangen Chips zu bauen, wir setzen aber trotzdem drauf, dass wir durch einen Blick auf die Firmware oder dergleichen, sicherstellen können keine Backdoors zu verbauen“, sagt Hofstetter.

Es gibt einige Stimmen, die an der technischen Umsetzung einer souveränen Cloud zweifeln und die nötige Expertise auf dem deutschen Markt in Frage stellen. Hofstetter stempelt diese Behauptungen als falsch ab.Technisch sei die Souveränität durchaus möglich und auch beim Thema Cloud-Expertise auf dem deutschen Markt, stimmt er seinen Vorrednern Hase und Penner zu.

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