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Erstes Crowdtesting bestanden Erfolgreicher Start der Corona-Warn-App

Autor: Elke Witmer-Goßner

Nach nur 50 Tagen Programmierzeit ist die Corona-Warn-App der Bundesregierung am Start. Seit dem Abend des 15. Juni 2020 steht sie in Apples App Store sowie im Google Play Store zum Download bereit.

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Angesichts der kurzen Entwicklungszeit sind die ersten Tester der Corona-Warn-App mehrheitlich von dem Ergebnis positiv überrascht und überzeugt.
Angesichts der kurzen Entwicklungszeit sind die ersten Tester der Corona-Warn-App mehrheitlich von dem Ergebnis positiv überrascht und überzeugt.
(Bild: gemeinfrei© PIRO4D / Pixabay )

Inzwischen ist die App, die in enger Zusammenarbeit von SAP und Deutscher Telekom sowie weiterer Partner entstanden ist, rund 6,5 Millionen Mal heruntergeladen worden (Stand: 17. Juni 2020). Beide Unternehmen haben die Entwicklung der App im Open-Source-Modus erbracht.

Hohe Transparenz des Softwareprojekts

Die Entwicklung des Programmcodes war dabei fortlaufend auf der Entwicklungsplattform GitHub einsehbar. Experten konnten den Entwicklungsstand jederzeit verfolgen. Jede Codezeile ist so für die Öffentlichkeit transparent einsehbar. Über die gesamte Entwicklung hinweg gab es Einsichten von mehr als 109.000 Einzelbesuchern in den Code sowie ca. 7.250 Beteiligungen durch Community- und Projektmitglieder. Damit ist die Corona-Warn-App das größte, je in Deutschland umgesetzte Open-Source-Projekt im Auftrag der Bundesregierung.

Deutsche Telekom mit dem neu geschaffenen Bereich „Digitale Lösungen“ von T-Systems und SAP haben mit der App den Prozess für eine erfolgreiche Unterbrechung der Infektionskette im Hinblick auf die Covid-19-Pandemie digitalisiert. Die deutsche Corona-Warn-App ist eine der ersten europäischen Apps, die auf den aktuellen Spezifikationen des von Apple und Google bereitgestellten Exposure Notification Frameworks basiert. Somit können die Nutzer von Android-Smartphones und iPhones die App passiv im Hintergrund ihres Geräts laufen lassen und somit gleichzeitig die Lieblingsapps weiter nutzen.

Vor allem im Hinblick auf Datenschutz und -sicherheit gab es eine sehr enge Zusammenarbeit mit den entscheidenden, öffentlichen Institutionen wie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Bundesdatenschutzbeauftragen (BfDI). Die App fordert vom Nutzer keinerlei persönliche Daten. Informationen wie Name, Alter, Anschrift benötigt die Corona-Warn-App nicht, sie erfasst auch keinen Standort. Weitergegeben werden ausschließlich zufällig generierte Codes, wenn sich zwei Smartphones über einen bestimmten Zeitraum relativ nahekommen. Die Codes der jeweiligen Begegnungen sind nur auf den Smartphones der Besitzerinnen und Besitzer selbst gespeichert. Welches Gerät sich hinter diesem Code verbirgt, ist nicht feststellbar, da der Code verschlüsselt ist.

Nach Einschätzung des BSI befindet sich die Qualität des Source-Codes auf einem hohen Niveau. Das Entwicklerteam habe sich an allgemein anerkannten „Best-Practices“ der Software-Architektur, des Programmierstils und der Software-Sicherheit orientiert. Alle vom BSI im Rahmen des Open-Source-Entwicklungsprozesses festgestellten kritischen Schwachstellen seien zeitnah behoben worden.

Test auf Herz und Nieren

Nach dem Start der offiziellen Corona-Warn-App hat Testbirds einen Crowd-Test der App initiiert, der 24 Stunden lief. 231 Tester aus allen Bundesländern nahmen teil und testeten die App auf 101 Geräten von 15 verschiedenen Herstellern, die auf unterschiedlichen Betriebssystemversionen liefen.

Dabei hat Testbirds Crowd keine kritischen Fehler gefunden und der App aus der UX-Perspektive eine hohe Bewertung gegeben. Von den Testern erhielt die Corona-Warn-App eine Gesamtbewertung von 4,3 Sternen und einen NPS-Score von +49 (Der NPS-Score ist ein Standardmaß im Bereich der UX-Tests und errechnet sich daraus, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Kunde ein Unternehmen, ein Produkt oder eine Dienstleistung einem Freund weiterempfehlen würde).

Bei den meisten der gefundenen Fehler handelte es sich nur um kleinere Probleme, wie zum Beispiel Rechtschreibfehler. Alle gefundenen Fehler würden gesammelt und an die App-Entwickler weitergeleitet. Insgesamt ist Testbirds sehr zufrieden mit dem hohen Entwicklungsstand der App, die höher ist, als die meisten der frühen App-Versionen, die sie normalerweise in ihrer täglichen Arbeit sehen. 85 Prozent der Tester waren so zufrieden, dass sie die App auch nach dem Test weiterhin nutzen wollen.

Für diejenigen, die sie nicht weiter nutzen wollen, gab es drei ausschlaggebende Punkte: nämlich Datenschutz, Akkulaufzeit und ein allgemeiner Zweifel an der Effektivität der App zur Bekämpfung von Corona. Testbirds empfiehlt daher noch mehr Aufklärung rund um die App, vor allem hinsichtlich des Datenschutzes, aber auch zum Thema Akkulaufzeit und darüber, wie die App dabei hilft, Infektionsketten zu unterbrechen.

Die positive Resonanz der App-Tester zeige aber auch, so Testbirds, dass die Bunderegierung und die App-Entwickler SAP und Deutsche Telekom, die Bedenken ernstgenommen hätten und es großteils gelungen sei, diese so gut es geht zu minimieren. Philipp Benkler, CEO und Co-Founder von Testbirds bewertet daher die Ergebnisse des QA- und UX-Tests der Corona-Warn-App sehr positiv: „Aus Testbirds Expertensicht kann ich sagen, dass sich diese erste Version der App bereits auf einem sehr hohen Qualitätslevel befindet. Normalerweise finden wir in ersten Versionen von Apps viele kritische Bugs und auch die Usability ist weit entfernt von dem Niveau, das wir hier bereits vorfinden. Man sieht, dass hier sehr erfahrene Entwickler beteiligt waren.”

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Über den Autor

 Elke Witmer-Goßner

Elke Witmer-Goßner

Redakteurin, CloudComputing-Insider.de