SAP Ariba Live 2019 in Barcelona

Drei Billionen Gründe für intelligentes Ausgabenmanagement

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Chief Marketing Officer Tifenn Dano Kwan von SAP Ariba konnte mehr als 3.000 Konferenzteilnehmer in Barcelona begrüßen.
Chief Marketing Officer Tifenn Dano Kwan von SAP Ariba konnte mehr als 3.000 Konferenzteilnehmer in Barcelona begrüßen. (Bild: SAP Ariba)

Unter Procurement vermutet der Deutsche gemeinhin die Beschaffung im Unternehmen. Allenfalls Lieferkettenmanagement. Doch hinter Lieferantenverwaltung und Einkauf steckt mehr. Intelligentes Procurement kann Nachhaltigkeit schaffen, ja sogar in gewisser Weise die Welt retten.

„Beschaffung“ sei ein „grauenvoller“ Begriff, sagt Dr. Marcell Vollmer, Chief Digital Officer bei SAP. Und auch Ausdruck eines viel zu geringen Stellenwerts, denn es gehe um viel mehr, betont Dr. Vollmer: Neben dem Überblick über die Lieferketten bildet Procurement heute ganze Ecosysteme ab, dient als Instrument für Digitalisierung und erreicht über Machine-Learning-Funktionen ein neues technisches Level. „Intelligent Spend Management“ heißt das bei SAP. Und deshalb hat das, was SAP inzwischen im Portfolio unter „Procurement“ führt, nicht mehr mit reinem „Lieferkettenmanagement” zu tun, es umfasst eben auch die Bereiche Reise- und Kostenverwaltung, cloud-basiertes Vendor Management System zur Verwaltung externer Arbeitskräfte sowie zahlreiche Tools rund um Datenanalyse und Customer Experience.

Die Walldorfer haben sich ihre Vision eines umfassenden Blicks auf den Verkaufszyklus und absoluter Kontrolle des Cashflows in den vergangenen Jahren einiges kosten lassen. Für den Procurement-Spezialisten Ariba gab SAP 2012 4,3 Milliarden US-Dollar aus. Der Spezialist für Reisekostenabrechnung, Concur, wurde im September 2014 für 8,3 Milliarden US-Dollar gekauft. Und ebenfalls 2014 wurde Fieldglass und deren Leiharbeiter-Software für eine nicht näher genannte Kaufsumme übernommen. Dies alles mit dem Ziel, die Cloud-Services auf S4/HANA-Basis deutlich auszuweiten.

Noch viel Luft nach oben

Einkauf und Beschaffungswesen werden heute eben global gedacht und größer gemacht als jemals zuvor, damit Unternehmen in dem ständigen Wandel der Märkte und Technologien bestehen können. Digitalisierte Prozesse bestimmen zwar inzwischen die Abläufe, der Fokus liegt aber immer noch zu sehr auf der monetären Wertschöpfung und den Auswirkungen, ohne den wahren Wert zu erkennen, der sich aus dem Zusammenbringen interner und externer Kräfte ergeben kann. Und effektive Käufer- und Lieferantenverbindungen werden immer wichtiger in der global vernetzten Handelswelt.

Soweit die Theorie. Praktisch lassen viele Unternehmen die Lieferkettenbeziehungen tatsächlich noch außen vor, wenn sie ihre Geschäftsabläufe digitalisieren, beklagt Dr. Vollmer. Dabei sind die Zeiten einer reinen Back-Office-Anwendung schon lange vorbei. Die Procurement-Organisationen übernehmen immer mehr eine strategische Business-Funktion, die Liefernetzwerke orchestriert, Innovation und Wachstum fördert, Risiken managt und geschäftliche Aktivitäten auch an ethischen und sozialen Unternehmenswerten ausrichtet. Das haben die meisten Chief Procurement Officer (CPO) inzwischen auch erkannt und die Digitalisierung deshalb auch ganz oben auf ihre Agenda gesetzt, wie eine Umfrage unter internationalen CPOs der Universität Mannheim in Zusammenarbeit mit SAP Ariba ergab. Die wesentlichen Zielsetzungen für Digitalisierungsinitiativen sind häufig klar umrissen: Automatisierung von Prozessen, Verbesserung der Datenqualität, Realisierung von Kosteneinsparungen und Verbesserung der Compliance. Die Herausforderung ist, das Ausgabenmanagement intelligenter zu machen, neue Technologien zu bewerten und innovative Entwicklungen zu übernehmen. „Auf diese Weise können sie erreichen, dass das Procurement nicht nur als Kostendämpfer, sondern auch als Umsatzbringer und Innovationsförderer gesehen wird“, erklärt Dr. Vollmer.

Last der Vergangenheit abwerfen

Wie das trotz enger Budgetgrenzen, mangelnder Datenanalysen und -erkenntnissen sowie fehlender Fachkräfte gehen kann, wollte SAP unter dem Motto „3TrillionReasons“ unter Aufbietung hochrangiger Keynote-Redner und hunderter Partner auf der Kundenkonferenz SAP Ariba Live in Barcelonademonstrieren. „Drei Billionen Gründe“ deshalb, da jährlich fast drei Billionen Euro alleine in Europa über das Ariba-Netzwerk abgewickelt werden. Die Stärken modernen, intelligenten und automatisierten Procurements zeigte die dreitägige Konferenz SAP Ariba Live den über 3.100 Teilnehmern in rund 150 Vorträgen sowie zahlreichen Best Practices im „Marketplace“. Zudem informierte das SAP-Management in ihren Keynotes darüber, wie die Integration der zugekauften Produkte in die S/4HANA-Plattform weiter voranschreiten soll. SAP setzt hier auf integrierte Machine-Learning-Modelle sowie robotergesteuerter Prozessoptimierung (Robotic Process Automation, RPA) zur Automatisierung – letztere Technologie kam erst vergangenes Jahr mit der Contextor-Übernahme zum Konzern.

Unternehmen müssten lernen, das Geschäft immer sowohl aus der Innen- wie auch der Außenperspektive zu betrachten, sagte SAPs Cloud-Chefin Jennifer Morgan. Das bedeute einen gewissen Aufwand an Integrationsarbeit sowie einen scharfen Blick für Qualität und Support in der Zusammenarbeit mit ihren Kunden. Die Firmen müssten sich vor allem klarmachen, dass Anspruch und Wirklichkeit meist weit auseinanderklaffen: „Achtzig Prozent der Unternehmen glauben, sie haben einen starken Kundenfokus, doch nur acht Prozent der Kunden können dem zustimmen.“ Umso wichtiger sei es, Transparenz, Vertrauen und Fortschritt in Echtzeit vermitteln zu können, erklärte Morgan und verwies in diesem Zusammenhang auf einen weiteren Benefit des SAP-Intelligent-Spend in Form der zugekauften Technologie von Qualtrics zur Verwaltung und Auswertung von interner wie externer Erlebnisdaten.

Die Stärke modernen, intelligenten und automatisierten Procurements zeige sich aber letztendlich daran, wie flexibel und anpassungsfähig das System selbst auf sich schnell verändernde Geschäftsmodelle und Lieferantenbeziehungen reagieren kann, erklärte Mike Eberhard, President der SAP Intelligent Spend Group, in seiner Keynote. Mit ihrer Fähigkeit des „Zuhörens, Verstehens und Handelns“ erlaube „Intelligent Spend“ erst das tiefe Eintauchen in zielgerichtete Projektarbeit, so Eberhard. Und nur so könnten CPOs ihr Unternehmen künftig „regieren“ – als Brückenbauer und indem sie komplexe Landschaften zusammenbringen. Hinter SAP Intelligent Spend stehe nicht nur eine Software oder eine technische Plattform, sondern ein weltweites Netzwerk an Partner- und Kundenbeziehungen, vergleichbar mit Smart-Car-Technologie, die auf einer technischen Plattform aufsetzt, mit intelligenten abgestimmten Prozessen agiert und eingebunden ist in ein Netzwerk interner und externer Services, die Sicherheit und Komfort gewährleisten. Auch intelligentes Ausgabenmanagement hat diese „Power der Integration“, um Risiken zu identifizieren und sofort bei Außenständen oder Redundanzen reagieren zu können, ergänzt Chief Product Officer Sanjay Almeida.

Hinschauen! Nicht schweigen! Handeln!

Was aber haben Nachhaltigkeit und Menschenrechte nun zu tun mit den mehr als dreitausend anwesenden Teilnehmern – zumeist Geschäftsführer, Beschaffungs-, Supply-Chain-, Finanz- und IT-Experten aus Europa und anderen Ländern? Ganz einfach: Über und innerhalb ihrer Lieferkette haben Unternehmen mittlerweile einen nie dagewesenen Einfluss auf die Einhaltung von Menschenrecht, lautet

Menschenrechtsanwältin Amal Clooney trat als Hauptrednerin auf.
Menschenrechtsanwältin Amal Clooney trat als Hauptrednerin auf. (Bild: VIT)

die wohl wichtigste Botschaft der Konferenz. Um diese eindrucksvoll zu vermitteln hatte sich SAP niemand geringeren als die auf internationales Recht, Menschenrechte sowie Auslieferungs- und Strafrecht spezialisierte Juristin Amal Clooney als Hauptrednerin eingeladen. Clooney berichtete über Fälle eklatanten Missbrauchs und Mord an Frauen, Homosexuellen und Journalisten aus ihrer täglichen Arbeit als leitende Beraterin der Vereinten Nationen und des britischen Generalstaatsanwalts für Völkerrecht.

Doch ihr Kampf gegen die Unterdrückungen, Folter oder Mord weltweit sei nicht aussichtslos, sagte Clooney. Große Hoffnungen setzt sie hier in die Unternehmen. Die zahlreichen Abhängigkeiten der Geschäftsmodell mit ihrer weltweiten Verknüpfung untereinander gebe Unternehmen die Macht, ethische und moralische Geschäftsverbindungen zu unterhalten. Unternehmen hätten es in der Hand durch eine Erhöhung der Vielfalt in Lieferketten, Sklaverei und Kinderarbeit zu vermeiden. Und Erträge und Bilanzen passten auch nur scheinbar nicht zu gerechtem Engagement, ist Clooney überzeugt. Stattdessen lassen sich mit entsprechenden Strategien die sozialen Auswirkungen der Beschaffung gewinnbringend für alle weiter entwickeln. „Wenn Unternehmen überzeugt sind, dass Gutes zu tun profitabel sein kann, dann wird Gutes zu tun nachhaltig sein,“ ist die Menschenrechtsanwältin überzeugt.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45992656 / ERP)