BPM- und EAM-Integration Wenn Prozesse und Architektur miteinander sprechen

Ein Gastbeitrag von Gregor Greinke* 4 min Lesedauer

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Die digitale Transformation ist in vollem Gange und sie wird 2026 entscheidend davon geprägt sein, wie Unternehmen ihre Prozesse und IT-Architekturen orchestrieren.

Indem Prozesse, Architektur und Technologie Hand in Hand gehen, lassen sich Unternehmen erfolgreich und effizient steuern.(Bild: ©  Tida - stock.adobe.com / KI-generiert)
Indem Prozesse, Architektur und Technologie Hand in Hand gehen, lassen sich Unternehmen erfolgreich und effizient steuern.
(Bild: © Tida - stock.adobe.com / KI-generiert)

Künstliche Intelligenz (KI), digitale Zwillinge, hybride Infrastrukturen und präventive Sicherheitsmaßnahmen verändern nicht nur einzelne Abläufe, sondern das gesamte Zusammenspiel von Geschäftsprozessen, Daten, IT-Systemen und Entscheidungen. Gleichzeitig wachsen regulatorische Anforderungen, Sicherheitsrisiken und der Druck, nachhaltige Geschäftsmodelle umzusetzen.

Business Process Management (BPM) und Enterprise Architecture Management (EAM) verschmelzen dabei zunehmend zu einem integrierten Ansatz. Wer beide Disziplinen intelligent verbindet, kann Veränderungen schneller, sicherer und messbarer umsetzen.

Fünf zentrale Entwicklungen prägen die Unternehmenssteuerung im kommenden Jahr und zeigen, wie Prozesse, Architektur und Technologie Hand in Hand gehen.

1. KI wird prozess- und architekturreif

Künstliche Intelligenz ist längst Teil des Unternehmensalltags, doch entscheidend ist, wie sie eingesetzt wird. Agentic AI fungiert als „Kollege“ der Prozesse. Er übernimmt repetitive Aufgaben, schlägt Entscheidungen vor und beschleunigt Abläufe. Nicht genehmigte Tools, sogenannte Schatten-KI, bergen hingegen Risiken: sie verarbeiten sensible Daten ohne Zustimmung der betroffenen Personen, verletzen Compliance-Anforderungen oder treffen Entscheidungen auf Basis unzuverlässiger Informationen.

Ein Outcome-first-KI-Betriebsmodell, bei dem Unternehmen die Entwicklung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) gezielt an konkreten, messbaren Geschäftsergebnissen ausrichten, verknüpft KI-Anwendungen mit klar definierten KPIs, Pilotprojekten, Leitplanken und Überwachungsmechanismen. Auf diese Weise werden die Vorteile der KI nutzbar, während Risiken kontrolliert bleiben. Menschliche Expertise bleibt dabei weiterhin unverzichtbar: Mitarbeitende prüfen, interpretieren und steuern die Ergebnisse, sodass KI als zuverlässiger Partner Prozesse optimiert und messbare Mehrwerte liefert.

Gleichzeitig lassen sich mit KI Simulationsergebnisse aus digitalen Zwillingen nutzen, um Entscheidungen vorzubereiten und mögliche Szenarien im Vorfeld zu analysieren. So kann die Organisation flexibler auf Veränderungen reagieren und Prozesse kontinuierlich verbessern.

2. Vom Modell zur operativen Umsetzung

Viele Organisationen kennen die Herausforderung: Prozessmodelle existieren auf Papier oder in BPM-Tools, die Umsetzung bleibt jedoch fragmentiert. 2026 rückt das Model-to-Execution-Prinzip in den Vordergrund. Ausführbare Modelle, sogenannte Pipelines, verbinden Planung, Simulation und Live-Ausführung nahtlos. EAM liefert dafür die notwendigen Leitplanken: Prozesse, Systeme, Daten und Risiken werden als lebendige Landkarte abgebildet, die sich dynamisch an die sich verändernden Bedingungen eines Unternehmens anpasst und sicherstellt, dass jede Prozessänderung nachvollziehbar, regelkonform und effizient umgesetzt wird.

2026 wird entscheidend davon geprägt sein, wie Unternehmen ihre Prozesse und IT-Architekturen orchestrieren. (Bild:  Gbtec Software AG)
2026 wird entscheidend davon geprägt sein, wie Unternehmen ihre Prozesse und IT-Architekturen orchestrieren.
(Bild: Gbtec Software AG)

Die Konsolidierung bislang fragmentierter Tools auf eine gemeinsame Plattform unterstützt zudem die Skalierbarkeit und Transparenz der gesamten Prozesslandschaft. So können etwa Logistikunternehmen Engpässe in der Lieferkette automatisch erkennen, alternative Routen simulieren und direkt in die operative Planung übernehmen – ohne auf manuelle Abstimmungen angewiesen zu sein. Durch diese Verbindung von Modellen, Ausführung und Architektur werden Entscheidungen schneller und sicherer umgesetzt.

3. Simulation wird zum Navigationssystem

Digitale Zwillinge von Organisationen (DTOs) bieten realistische „Was-wäre-wenn“-Analysen für Prozesse, Kosten, Risiken oder Lieferketten, bevor Veränderungen umgesetzt werden. BPM liefert die operative Sicht auf Prozesse und KPIs, während EAM alle Systeme, Datenflüsse und Abhängigkeiten integriert. Diese Kombination aus Prozess- und Architekturperspektive verwandelt Simulation in ein standardisiertes Entscheidungswerkzeug. Ein produzierendes Unternehmen kann beispielsweise prüfen, welche Auswirkungen die Stilllegung einer Produktionslinie auf Materialbedarf, Personalplanung und CO₂-Bilanz hätte, bevor reale Maßnahmen umgesetzt werden.

Der Fokus liegt hier auf der operativen Nutzung: Entscheidungsträger können Engpässe erkennen, Abläufe optimieren und Maßnahmen mit messbarem Mehrwert einführen. Simulation etabliert sich damit als Standardpraxis und wird zu einem wertvollen Werkzeug für fundierte Entscheidungen.

4. Sicherheit und Architektur wachsen zusammen

Die zunehmende Komplexität von Unternehmensarchitekturen erhöht das Risiko von Cyberangriffen und Compliance-Verstößen. Präventive Sicherheitsstrategien basieren auf einem detaillierten Überblick über kritische Systeme, Abhängigkeiten und Schutzmaßnahmen. Cross-funktionale Transformationsteams, bestehend aus Prozess-, Risiko-, Compliance- und Architekturverantwortlichen, stellen sicher, dass Sicherheits- und Governance-Anforderungen von Anfang an berücksichtigt werden.

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BPM liefert den operativen Rahmen, EAM sorgt für den Überblick über Systeme und Risiken. Gemeinsam ermöglichen sie, Angriffe frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu automatisieren. Diese Integration sorgt dafür, dass Sicherheit nicht nachträglich implementiert wird, sondern von Anfang an Teil der Unternehmenssteuerung ist. Dabei können auch Simulationen aus DTOs genutzt werden, um Sicherheits- und Notfallpläne vorab zu testen und Reaktionsstrategien unter realistischen Bedingungen zu prüfen. Gleichzeitig lassen sich Compliance-Prozesse effizienter einhalten, da Risiko- und Sicherheitsmaßnahmen bereits in den Prozessablauf integriert sind.

5. Intelligente und nachhaltige Infrastruktur

Die zunehmende Nutzung hybrider Cloud- und Edge-Umgebungen erfordert auch 2026 ein intelligentes Management von Rechenressourcen. EAM unterstützt die hybride Computing-Orchestrierung, indem es jede Arbeitslast zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ausführt, Kosten optimiert, CO₂-Emissionen berücksichtigt und Performance sichert. In Kombination mit BPM können Unternehmen so Prozesse effizient, ressourcenschonend und regelkonform steuern.

Nachhaltigkeit ist dadurch kein isoliertes Ziel mehr, sondern wird zu einem integralen Bestandteil der operativen Steuerung. Von der Prozessausführung über Datenflüsse bis zur Infrastrukturplanung entsteht so ein ganzheitlicher Ansatz, der Effizienz, Performance und Umweltbewusstsein miteinander verbindet. In internationalen Konzernen kann dies beispielsweise bedeuten, KI-gestützte Berechnungen auf die kostengünstigste und CO₂-optimierte Rechenressource zu verteilen, ohne dass Mitarbeitende die Entscheidungen manuell treffen müssen. Effizienz wird dadurch messbar und nachhaltig.

Unternehmen zukunftssicher steuern

2026 steht im Zeichen der Konvergenz: BPM und EAM verschmelzen zu einem integrierten Steuerungsansatz. Unternehmen, die Prozesse, KI, Simulation, Sicherheit und Infrastruktur ganzheitlich verzahnen, gewinnen Geschwindigkeit, Transparenz und Resilienz. Erfolgreiche Unternehmen überwinden bisherige-Silos und schaffen unternehmensweite Landkarten, steuern KI verantwortungsvoll, nutzen Simulationen als Entscheidungsbasis und orchestrieren ihre Infrastruktur effizient und nachhaltig.

Durch diese Strategien lassen sich Veränderungen schnell umsetzen, Risiken reduzieren und langfristige Wettbewerbsvorteile sichern. Die Kombination aus operativer Exzellenz, technologischer Intelligenz und strategischer Steuerung definiert die Unternehmensführung neu. Wer diese fünf Entwicklungen nutzt, kann agil, resilient und zukunftsfähig handeln – unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße.


* Der Autor Gregor Greinke ist CEO der Gbtec Software AG und ein wahrer Pionier im Bereich KI-gestützte Business-Transformation. Über zwei Jahrzehnte hinweg hat er Fortune 500-Unternehmen und international agierende KMUs bei der Gestaltung, Analyse und Optimierung ihres IT- und Prozessportfolios begleitet. Mit der Gründung von Gbtec im Jahr 2005 hat er ein heute weltweit bekanntes Softwareunternehmen im Bereich Business Process Management, Enterprise Architecture Management und Governance, Risk und Compliance etabliert.

Bildquelle: Gbtec

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