Software as a Service-Report von GP Bullhound

Deutschland und Europa sind bei SaaS den USA auf den Fersen

| Redakteur: Florian Karlstetter

GP Bullhound prognostiziert dem SaaS-Markt in Europa ein enormes Wachstumspotenzial
GP Bullhound prognostiziert dem SaaS-Markt in Europa ein enormes Wachstumspotenzial (© hywards - stock.adobe.com)

Der Software-Sektor hat in den letzten Jahrzehnten zuerst die Technologiebranche und folgend viele weitere Sektoren nachhaltig verändert. Seit den 2000ern modernisieren Cloud-basierte Plattformen traditionelle Unternehmen und ermöglichen Wachstum und massive Produktivitätssteigerungen in Business-to-Business- und Business-to-Consumer-Technologien.

Diese Entwicklung bereitete Software as a Service (SaaS) den Weg als dominierende Methode der Softwarebereitstellung und Softwarenutzung. Vierteljährlich veröffentlicht die Technologie-Investmentbank GP Bullhound einen Bericht über aktuelle Marktentwicklungen, M&A-Deals und Privatplatzierungen im SaaS-Bereich. Der aktuelle Report steht hier zum Download bereit. Ein Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse.

Julian Riedlbauer, Partner bei GP Bullhound und Leiter der deutschen Niederlassung in Berlin.
Julian Riedlbauer, Partner bei GP Bullhound und Leiter der deutschen Niederlassung in Berlin. (Bild: Annette Koroll FOTOS / GP Bullhound)

„Der Erfolg von SaaS liegt an den einfach zu nutzenden und kostenseitig attraktiven Produkten“, erläutert Julian Riedlbauer, Partner bei GP Bullhound und Leiter der deutschen Niederlassung in Berlin. Produkte florierender SaaS-Unternehmen hätten insbesondere eine zentralisierte Plattform und erstklassige User Experience (UX) gemeinsam.

Internationale Top-3-Player: Salesforce, Workday und ServiceNow

Doch welche Unternehmen dominieren den Markt? Laut GP Bullhound-Ranking ist Salesforce mit seinem Customer-Relationship-Modell und einer Bewertung von 61,6 Milliarden US-Dollar das momentan wertvollste SaaS-Unternehmen der Welt. Auf Platz zwei folgt mit 20,1 Milliarden US-Dollar Workday, eine Software für Finanzmanagement. Knapp dahinter: Die Service-Management-Plattform ServiceNow mit 18 Milliarden US-Dollar.

Vertikal orientierte SaaS-Unternehmen sind langfristig im Vorteil

Besonders auffallend, so die Autoren des Reports, seien die deutlich niedrigeren Ausgaben im Bereich Marketing und Vertrieb bei SaaS-Unternehmen, die Software mit einer vertikalen Fokussierung vertreiben. Diese Unternehmen spezialisieren sich auf bestimmte Wirtschafts- beziehungsweise Industriebranchen und bieten umfassende Software, die den gesamten Arbeitsprozess abdeckt. Gleichzeitig können sie ihre Marketing- und Vertriebsaufwendungen sehr gut auf ihre spezifische Zielgruppe konzentrieren. Industrie-, Branchen- und Sektoren-übergreifend agierende, horizontal orientierte SaaS-Unternehmen, zu denen auch ServiceNow, Salesforce und Workday gehören, hätten dem Report zufolge im Durchschnitt doppelt so hohe Ausgaben in diesem Bereich. Noch seien diese horizontal strukturierten SaaS-Unternehmen zwar in der Mehrheit, doch der Trend gehe, auch aus monetären Gründen, zu eher Sektoren-spezifischen, vertikalen Lösungen.

Europa und USA dominieren den M&A-Markt weiterhin

Das jährliche M&A-Dealvolumen in der Softwarebranche ist nach Auswertung der Tech-Investment-Bank im Zeitverlauf der letzten zwei Jahre stabil geblieben und befand sich in den ersten sechs Monaten diesen Jahres bei ca. 40 Milliarden US-Dollar weltweit. Laut GP Bullhound-Partner Julian Riedlbauer fußt diese Entwicklung vor allem auf der strategischen Expansion von Tech-Playern als auch der Digitalisierung von traditionellen Unternehmen sowie der Attraktivität des Sektors für Private-Equity-Investoren.

“Tech-Riesen werden weiterhin SaaS-Unternehmen erwerben, um Cross-Selling-Chancen zu verbessern und ihre Position in den am schnellsten wachsenden SaaS-Sektoren zu stärken”, betont Riedlbauer. Auch Unternehmen, die traditionell eher keinen Tech-Fokus haben, seien am Markt aktiv und würden zunehmend komplementäre Technologien einkaufen, um Wachstum, Skalierbarkeit und Margen zu fördern sowie Kunden besser zu unterstützen.

Global gesehen, das zeigt der Report, dominieren Europa und die USA den M&A-Markt im Softwarebereich schon seit Jahren. Die USA konnte dieses Quartal ihr Dealvolumen auf knapp 80 Prozent weltweit ausbauen. Der europäische Markt halbierte sich und rutscht von 20 Prozent im ersten Quartal auf nunmehr 10 Prozent. Innerhalb Europas zeigt sich Deutschland zur Zeit am aktivsten und erfreut sich an einem steigendem Wachstum mit 54 Deals. Zum Vergleich: 2016 waren es zur selben Zeit noch 44. Direkt dahinter folgen das sonst den Markt dominierende Großbritannien mit 39 Deals und Frankreich auf Platz drei. Hier waren es im letzten Jahr 34 Deals. Spannend: Laut GP Bullhound kommen mit 48 Prozent beinahe die Hälfte der Käufer aus dem Ausland, 27 Prozent sind sogar außereuropäischen Ursprungs.

Die Daten zeigen auch: Private-Equity-Unternehmen erwerben weiterhin aggressiv lukrative SaaS-Unternehmen, häufig mittels bestehender Portfolio-Firmen, die Add-on Akquisitionen tätigen. In diesem Bereich lasse sich eine Entwicklung hin zu weniger, dafür größeren Privatplatzierungen beobachten. Die Zahl der weltweiten Deals sank nach GP Bullhound-Angaben im ersten Quartal von über 2.000 auf circa 1.500 im zweiten Quartal. Der Gesamtwert der Deals stieg dabei aber von 15 Milliarden auf über 20 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal. Der Anteil von Privatplatzierungen aus Europa wiederum blieb konstant bei circa 10 Prozentpunkten.

Der Blick in die SaaS-Glaskugel: Großes Wachstumspotenzial für Europa

In Deutschland, Europa, aber auch weltweit entwickele sich der SaaS-Markt sehr positiv – so das Fazit des Reports. Europa, so zeigen Zahlen des Pariser Start-ups eFounders, hat große Chancen, den SaaS-Markt weiter auszubauen, denn bisher setzen nur 25 Prozent aller Unternehmen in Westeuropa SaaS-Produkte wirklich ein. In den USA sind es bereits 50 Prozent. Außerdem verweisen die Analysten auf die nicht zu unterschätzende Größe des europäischen B2B-Marktes. Fast 20 Millionen KMUs (Kleine und Mittelständische Unternehmen) sind in Europa ansässig, nicht viel weniger als die 25 Millionen in den USA. KMUs mit ihren begrenzten IT-Budgets und geringen Inhouse-IT-Ressourcen sind als Anwender für SaaS Lösungen prädestiniert.

Der SaaS-Markt in Europa hat somit ein enormes Wachstumspotenzial und bei dem aktuellen Entwicklungstempo wird man in den nächsten Jahren auf jeden Fall zu den US-Amerikanern aufschließen können.

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