Vielfalt und Einfachheit sind kein Widerspruch Das Multi-Cloud-Paradoxon – so löst es sich auf

Ein Gastbeitrag von Udo Urbantschitsch, Red Hat* 5 min Lesedauer

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Viele Unternehmen lieben Multi-Cloud aufgrund der riesigen Flexibilität, die ihnen dieses Bereitstellungsmodell bietet. Doch es hat auch Schattenseiten: Die komplexen Umgebungen vergrößern die Angriffsfläche und machen es schwer, Kosten im Blick zu behalten. Mit einer übergreifenden Anwendungsplattform lässt sich aber auch Multi-Cloud in den Griff bekommen.

Eine skalierbare Anwendungsplattform als Abstraktionsschicht fördert die Interoperabilität zwischen On-Premises- und Cloud-Umgebungen.(Bild:  NeoLeo - stock.adobe.com)
Eine skalierbare Anwendungsplattform als Abstraktionsschicht fördert die Interoperabilität zwischen On-Premises- und Cloud-Umgebungen.
(Bild: NeoLeo - stock.adobe.com)

Investitionen in die Cloud stehen bei vielen Unternehmen für dieses Jahr ganz oben auf der Agenda – das geht aus dem Global Tech Outlook 2023 von Red Hat hervor. Besonders beliebt sind Multi- und Hybrid-Cloud-Modelle, weil sie Unternehmen maximale Freiheit und Flexibilität bieten: Sie können sich die am besten zu ihren jeweiligen Anforderungen passenden Dienste herauspicken und Workloads bei Bedarf schnell verlagern. Das erleichtert die Entwicklung innovativer Anwendungen und Services und macht sie wettbewerbsfähiger sowie resilienter.

Eine Multi-Cloud-Strategie bringt allerdings nicht nur Vorteile mit sich. Ein Flickenteppich aus verschiedenen Clouds kann schwierig abzusichern sein und auch in Sachen Compliance eine größere Belastung darstellen. Kompetenzen und Fachwissen müssen für bestimmte Clouds aufgebaut und Ressourcen auf alle verteilt werden. Dies birgt das Risiko einer ineffizienten Nutzung der verfügbaren Ressourcen, und unter Umständen ist auch viel Analyse-Arbeit erforderlich, um den Überblick über die Ausgaben zu behalten. Nicht immer ist klar, ob ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis vorliegt.

Hinsichtlich der Anwendungsentwicklung liegt die Antwort darin, diese auf andere Art und Weise zu betrachten. Und zwar nicht in Bezug auf einzelne technische Elemente wie Container, Cluster, Kubernetes oder Service Mesh, sondern als End-to-End-Plattform, die über eine einzige Konsole orchestriert wird. Diese Herangehensweise macht die Welt von DevSecOps auch nicht-technischem Personal zugänglich, welches die operativen Informationen für fundierte Geschäftsentscheidungen problemlos abrufen kann.

Tatsächliche Kosten ermitteln und Ausgaben optimieren

Die Budgetvergabe ist ein weiterer wesentlicher Aspekt. In einem Multi-Cloud-Setup gibt es dafür kein einheitliches Vorgehen. Cluster, die in unterschiedlichen Clouds betrieben werden, müssen verschiedene Regeln und Prozesse einhalten – sei es bei Bereitstellung, SLAs, Betriebssystemen, Patch-Zyklen, Speichertypen oder Netzwerksystemen. Auch die Werkzeuge variieren. Es wird also immer schwieriger, bei zunehmenden Aktivitäten den Überblick zu behalten, wo die Kosten tatsächlich anfallen und was man im Gegenzug dafür erhält. Es besteht die Gefahr, dass die Ausgaben in gewissen Bereichen zu hoch oder zu niedrig ausfallen und dies unbemerkt bleibt.

Abhilfe schafft eine übergreifende Anwendungsplattform, die einen Überblick über sämtliche Cluster liefert. Dadurch ermöglicht sie es, die tatsächlichen Kosten und das Potenzial für effizientere Ausgaben zu ermitteln. Außerdem ist eine solche Plattform in der Lage, die Fähigkeiten verschiedener Clouds zu bündeln und zu erweitern. Dies erleichtert das Erstellen von standardisierten und spezialisierten Clustern, die nur auf das zugreifen, was gerade für die jeweilige Aufgabe benötigt wird. Somit haben Programmiererinnen und Programmierer mehr Zeit für das, was sie am besten können: das Entwickeln von tollen Anwendungen – also das, wo sie letztlich den größten Mehrwert bringen.

Sicherheitsrichtlinien über alle Clouds hinweg durchsetzen

Compliance ist ein weiteres Problemfeld, das durch die Zusammenführung von Multi-Cloud-Workloads auf einem gemeinsamen Fundament bewältigt werden kann. Nicht zuletzt sind Daten zu einem der am stärksten regulierten Aspekte des Geschäfts geworden. Sämtliche Bemühungen, Entwicklern Freiheit und Agilität zu verschaffen, müssen deshalb mit einem genauen Verständnis der Daten, die sie verwenden und generieren, in Einklang gebracht werden. Dasselbe Prinzip gilt für die Sicherheit. Multi-Cloud kann die potenzielle Angriffsfläche vergrößern und dafür sorgen, dass Schwachstellen schwieriger zu erkennen sind. Schließlich stellt der Schutz vieler Teile eine deutlich größere Herausforderung dar als der Schutz eines großen Ganzen.

Die Anwendungsplattform soll die Einhaltung von Compliance- und Sicherheitsvorschriften im Zeitalter der Multi-Cloud gewährleisten. Durch die Zentralisierung von Sicherheitsrichtlinien und -protokollen hilft sie, einheitliche Standards über verschiedene Clouds hinweg zu etablieren. Diese Transparenz der Daten ist allerdings nicht nur für das Erfüllen von Compliance-Anforderungen entscheidend, sondern kann auch von Entwicklern genutzt werden, um den Datenfluss zwischen APIs zu optimieren.

Ein weiterer Trend ist der Ansatz „Shift Left“. Dabei werden Sicherheitsüberlegungen dort angesiedelt, wo sie beginnen sollten – nämlich beim Schreiben von Code. Dies trägt dazu bei, die Markteinführungszeit und die Flexibilität zu verbessern, und fördert nicht zuletzt auch wichtige Aspekte der modernen Anwendungsentwicklung wie Zusammenarbeit, Reproduzierbarkeit und Verfügbarkeit.

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Die Multi-Cloud zur Hybrid Cloud weiterentwickeln

Die Integration und Orchestrierung der verschiedenen Clouds ist es dann, durch die sich die Strategie eines Unternehmens von der Multi- zur Hybrid Cloud weiterentwickelt. Die Vorteile der Hybrid Cloud werden durch das Wachstum im Bereich des Edge Computing sogar noch verstärkt. Hier ist das Ökosystem vielfältig und komplex. Edge-Geräte werden in der Regel für eine bestimmte Aufgabe entwickelt und stammen daher oft von mehreren Anbietern. Das kann schnell zu Chaos führen. Die Bündelung auf einer skalierbaren Anwendungsplattform ermöglicht jedoch Konsistenz und Flexibilität, was letztlich die Innovationen fördert.

Dasselbe gilt, wenn Teile der IT-Landschaft nach wie vor On-Premises betrieben werden. Unternehmen stehen vor der schwierigen Entscheidung, wie sie ihre Legacy-Anwendungen modernisieren sollen. Die Verwendung einer gemeinsamen Abstraktionsschicht zwecks Interoperabilität zwischen On-Premises- und Cloud-Umgebungen erleichtert das „Lift and Shift“ oder die Refaktorisierung bestimmter Code-Elemente.

Eigene Ressourcen nicht mit Backend-Entwicklung verschwenden

Dennoch ist auch eine Anwendungsplattform ein komplexes Geflecht von Funktionen und Protokollen. Eine solche von Grund auf neu zu entwickeln, würde wahrscheinlich die Ressourcen vieler IT-Teams übersteigen sowie erhebliche Investitionen erfordern – und damit Risiken bergen. Hinzu kommt, dass DevOps schnell voranschreitet, sodass jede Plattform ständig verbessert werden muss.

Besser ist es daher, wenn Unternehmen das tun, was sie schon immer getan haben, wenn sie mit neuen technologischen Möglichkeiten konfrontiert wurden: nämlich, sich an Technologiepartner zu wenden, die die Umsetzung übernehmen. Ein größerer Teil des eigenen Personals kann dann für die Entwicklung von Anwendungen, die Mitarbeitende und Kunden nutzen, statt für das Backend-Engineering eingesetzt werden. Der Lohn ist eine höhere Produktivität, aus der dann auch eine bessere Wettbewerbsfähigkeit resultiert.


* Der Autor Udo Urbantschitsch ist Senior Director im Bereich Technology Sales & GTM für den EMEA-Raum bei Red Hat.

Bildquelle: Red Hat

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