Lokale KI, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Zusammenarbeit Das bringt Nextcloud Hub 10/31 für Unternehmen

Von Thomas Joos 6 min Lesedauer

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Mit Nextcloud Hub 10 setzt die Plattform neue Maßstäbe für lokale KI, Datenschutz und Kollaboration. Verbesserte Sicherheit, erweiterte Integrationen und detailreiche Neuerungen machen sie zur stärksten selbstgehosteten Lösung für Unternehmen.

Nextcloud Hub 10 kombiniert lokale KI-Assistenz, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und föderierte Zusammenarbeit in einer selbstgehosteten Plattform für Unternehmen.(Bild: ©  VectorMine - stock.adobe.com)
Nextcloud Hub 10 kombiniert lokale KI-Assistenz, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und föderierte Zusammenarbeit in einer selbstgehosteten Plattform für Unternehmen.
(Bild: © VectorMine - stock.adobe.com)

Mit Nextcloud Hub 10 31.x stellen die Entwickler eine neue Version bereit, die deutlich in Richtung KI-Verwendung und mehr Kollaboration geht. Der Nextcloud Assistant wurde in Version 3.0 zu einer agentengestützten Arbeitskraft ausgebaut. Statt nur Inhalte zu generieren, kann die lokal betriebene KI nun komplette Aufgaben automatisiert übernehmen, etwa E-Mails erstellen, Kalendereinträge anlegen oder Informationen aus Dateien, Chats und externen Diensten kombinieren. Alle Aktionen bedürfen der manuellen Freigabe. Damit bleibt die Kontrolle beim Nutzer. Unterstützt wird die Agentenfunktion durch neue Transparenzfunktionen, etwa die Anzeige der genutzten KI-Backends in den persönlichen Einstellungen.

Ergänzend zu den Agentenfunktionen informiert Nextcloud Hub 10 erstmals transparent über die im Hintergrund aktiven KI-Dienste. Nutzer können einsehen, welche lokalen oder externen Modelle konfiguriert sind. Für hybride Szenarien unterstützt Nextcloud künftig auch datenschutzkonforme AI-as-a-Service-Angebote von OVHcloud, Ionos oder Plusserver.

Nextcloud Files: Struktur, Geschwindigkeit und föderierte Zusammenarbeit

Die Dateien-App wurde vollständig überarbeitet. Aus Gruppenordnern werden Teamordner, die sich ohne Admin-Beteiligung anlegen und mit Kalendern, Aufgaben oder Talk-Räumen verknüpfen lassen. ACLs ermöglichen fein abgestufte Berechtigungen, inklusive Rechtevererbung und Persistenz bei Nutzerwechsel. Die Sidebar wurde neu strukturiert und zeigt kontextbezogene Inhalte teamübergreifend an.

Das Onboarding neuer Nutzer lässt sich in Nextcloud Hub 10 über die Kommandozeile steuern. Damit können Administratoren Begrüßungs-E-Mails direkt aus Skripten oder automatisierten Abläufen heraus versenden. Die Funktion erleichtert die Integration neuer Benutzer in großen Instanzen und senkt den manuellen Aufwand.

Beim Datei-Upload unterstützt Hub 10 performante Chunk-Übertragungen, wodurch große Dateien bis zu sechsmal schneller verarbeitet werden. Die Unterstützung von BlurHash ermöglicht zudem sofortige Vorschaubilder in schwachen Netzwerken. BlurHash ist ein kompaktes Codierungsverfahren, das Vorschaubilder als kurze Zeichenfolgen speichert. Es erzeugt aus einem Bild einen unscharfen, farblich repräsentativen Platzhalter, der sich schnell anzeigen lässt, noch bevor das eigentliche Bild geladen ist. In Nextcloud verbessert BlurHash so die Nutzererfahrung bei langsamen Verbindungen, da die Dateiansicht sofort ein visuelles Feedback liefert.Dateien lassen sich direkt im Browser in andere Formate konvertieren, etwa von PDF zu TXT.

Auch das Tagging-System wurde erweitert. Mehrere Dateien lassen sich gleichzeitig mit Schlagwörtern versehen. Farbige Tags schaffen visuelle Orientierung. Administratoren können eigene Tag-Vorgaben definieren und die Erstellung benutzerdefinierter Tags deaktivieren, um eine konsistente Metadatenstruktur zu gewährleisten.

Im Bereich der Föderation wurde das Teilen zwischen Servern vereinfacht: Federated Shares lassen sich jetzt automatisch annehmen, sofern die Zielinstanz als vertrauenswürdig definiert ist. Ergänzt wird das Sharing-Konzept durch individuell anpassbare Link-Endungen. Statt kryptischer Zeichenketten lassen sich benutzerdefinierte URLs definieren, allerdings optional, da dies die Sicherheit reduziert. Die Konfiguration dieser Autovertrauensstellung unterstützt föderierte Arbeitsbeziehungen, ohne wiederholte manuelle Freigaben. Die Nutzeroberfläche zeigt deutlich sichtbar, von wem eine Datei geteilt wurde, was Transparenz und Rückverfolgbarkeit erhöht.

Webinare, Meetings und Datenschutz auf neuem Niveau

Nextcloud Talk bietet nun vollständige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Videokonferenzen. Die Streams sind auch gegenüber dem Serverbetreiber nicht einsehbar. Die Integration in Kalender und Kontakte wurde erweitert. Termine lassen sich direkt aus Chats heraus planen, inklusive automatischer Benachrichtigung der Teilnehmer.

Für Webinare können CSV-Dateien mit Teilnehmerdaten importiert werden. Moderatoren können Zeitlimits für Calls setzen, Gespräche mit deaktiviertem Video und Ton starten oder vorbereitete Umfragen wiederverwenden. Archivierte Chats, Zoom-Funktion bei Bildschirmfreigaben und eine kompakte Konversationsansicht erhöhen die Übersichtlichkeit, besonders auf Mobilgeräten. Offline-Zugriff auf Talk-Inhalte wurde für Android und iOS implementiert.

Sowohl Android- als auch iOS-Apps bieten jetzt eine überarbeitete Navigation. Die Android-App orientiert sich stärker am Design der iOS-Version, inklusive neuer Unterteilungen für Favoriten, Dateien, Fotos und Assistent. Empfohlene Dateien werden prominent angezeigt, Alben sind übersichtlich strukturiert. Auf iOS wurde zusätzlich die Unterstützung für Apple Shortcuts integriert, was Automatisierungen wie das Versenden von Talk-Nachrichten auslösen kann.

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Mail, Kalender und Groupware mit smarter Integration

Nextcloud Mail profitiert von KI-Unterstützung zur Priorisierung eingehender Nachrichten, Zusammenfassung langer Konversationen und automatischer Zuordnung wichtiger E-Mails zur Priority Inbox. Erwähnungen in E-Mails lassen sich als Aufgaben markieren, Empfängerinformationen werden kontextuell eingeblendet. PGP-verschlüsselte Mails sind direkt lesbar. Übersetzungsfunktionen für mehrsprachige Inhalte stehen ebenfalls bereit.

Die Kalender-App unterstützt Gruppeneinladungen, differenzierte Freigaben für Free/Busy-Status und die Auswahl bestehender Talk-Räume bei der Terminplanung. Verfügbarkeiten lassen sich direkt über Avatare in Talk oder der Kontaktliste einsehen. Diese Funktionen erleichtern die Koordination in verteilten Teams erheblich.

Autotexte und dokumentenbasierte Automatisierung

Nextcloud Office wurde mit einem serverseitigen Autotext-Feature erweitert. Standardformulierungen lassen sich zentral definieren und über Kürzel einfügen. Nutzerpräferenzen wie Dark Mode oder Spracheinstellungen werden nicht mehr im Browser, sondern serverseitig verwaltet.

Dokumente lassen sich mit individuellen Wörterbüchern prüfen. Das neue Kommentar-Tagging erlaubt @-Erwähnungen mit Benachrichtigung. Per Smart Picker lassen sich Abschnitte in Dokumenten direkt verlinken. Templates unterstützen dynamisch befüllbare Felder und lassen sich über Nextcloud Flow automatisiert ausfüllen. Digitale Signaturen nach eIDAS-Standard werden durch eine Integration mit eID Easy unterstützt.

Neue Anwendungen und tiefere Ökosystem-Integration

Mit Hub 10 wurden die Community-Anwendungen XWiki und CryptPad offiziell eingebunden. XWiki fungiert als dezentrales Wissensmanagementsystem mit Echtzeitbearbeitung, verbesserter Barrierefreiheit und KI-Funktionen über LLM-Erweiterungen. CryptPad ermöglicht kollaboratives Bearbeiten sensibler Dokumente mit Zero-Knowledge-Verschlüsselung. Beide Anwendungen lassen sich direkt aus dem Nextcloud Interface heraus bedienen.

Auch externe Lösungen wie OpenProject und Documental wurden tiefgreifend integriert. Aufgaben aus Dateien lassen sich direkt erzeugen, Berechtigungen werden automatisch synchronisiert. Bei OpenProject sind neue Health Checks für Admins verfügbar. Documental bietet strukturierte Workflows zur Signaturverwaltung.

Bildergalerie

Tables, Deck und Whiteboard im produktiven Zusammenspiel

Nextcloud Tables dient als no-code-Datenbank für benutzerdefinierte Formulare, etwa Urlaubsanträge oder interne Workflows. Tabellen lassen sich mit Teams verknüpfen und in eigene Apps mit individueller Menüstruktur überführen.

Nextcloud Deck ermöglicht das Kopieren einzelner Karten oder ganzer Boards, ideal für wiederkehrende Projektstrukturen. Karten lassen sich per Link-Namen erstellen, das neue Markdown-fähige Kommentarsystem unterstützt strukturierte Rückmeldungen.

Die Whiteboard-App erlaubt das Einfügen von Dateien, den Export einzelner Skizzenbereiche und die Erstellung von Whiteboards direkt aus Talk. Präsentationsfunktionen wie Laserpointer oder Whiteboard-Wechsel während eines Calls sind integriert.

Mehr Offenheit, mehr Barrierefreiheit: Hub 10 öffnet die Plattform weiter

Hub 10 verbessert die Barrierefreiheit systemweit. Die Benutzeroberfläche wurde für Right-to-Left-Sprachen wie Arabisch und Hebräisch vollständig gespiegelt. Diese Anpassung umfasst nicht nur die Sprachressourcen, sondern auch Layouts und Navigationselemente und erhöht so die Nutzbarkeit für internationale Organisationen.

Flow wurde um zahlreiche Trigger und Aktionen erweitert. Workflows lassen sich grafisch konfigurieren, zum Beispiel zur Verarbeitung eingehender Formulare, automatischen Benachrichtigung, Datenübergabe an externe Systeme oder zur Erstellung neuer Einträge in Tables. Flow unterstützt dabei auch externe Quellen über die Open Collaboration Services API.

Die Erweiterbarkeit der Plattform wurde weiter geöffnet. Über die Open Collaboration Services API lassen sich externe Anwendungen tiefer integrieren. Entwickler können über die neue XApp-Struktur in beliebigen Programmiersprachen eigene Dienste kapseln. Nextcloud bietet dafür ein Docker-basiertes App-Deployment samt Rechteverwaltung.

Skalierbarkeit, Performance und Administration

Chunked Uploads wurden optimiert, was Uploadzeiten großer Dateien deutlich reduziert. Die Zuverlässigkeit bei Netzwerkabbrüchen wurde verbessert. Skalierungsoptionen für globale Deployments, zum Beispiel über Nextcloud Global Scale, ermöglichen Mandantenfähigkeit über Ländergrenzen hinweg bei gleichzeitiger lokaler Datenhaltung. Neue Authentifizierungsmechanismen, LDAP-Optimierungen, S3-Beschleunigungen und das vorausschauende Caching per BlurHash entlasten Infrastruktur und verbessern Ladezeiten.

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