Suchen

Mehr Arbeitsdruck, weniger Sozialsystem BigBrotherAwards 2016 vergeben

Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Stephan Augsten

Die BigBrotherAwards 2016 stehen fest. Über Negativpreise können sich dieses Jahr Verfassungsschutz, Change.org, Berliner Verkehrsbetriebe BVG, Generali-Versicherung und IBM ärgern.

Firma zum Thema

Be(un)ruhigend: Der Digitalcourage e.V. hat wieder etliche Datenkraken aufgespürt.
Be(un)ruhigend: Der Digitalcourage e.V. hat wieder etliche Datenkraken aufgespürt.
(Bild: Heiko Sakurai (www.sakurai-cartoons.de) / BY-SA 2.0)

In diesen Minuten (Freitag, ab 18:00 Uhr) präsentiert der Digitalcourage e.V. die Preisträger der diesjährigen BigBrotherAwards (BBA) in der Hechelei, Bielefeld. Interessierte können die Veranstaltung per Livestream mitverfolgen.

Die Negativpreise gehen an:

  • Der von den Initiatoren in Anführungszeichen gesetzte „Verfassungsschutz“ erhält einen Lifetime-Award „für 65 Jahre Datenschutz- und Bürgerrechtsverletzungen. Angeprangert wird das Bundesamt für Verfassungsschutz „inbesondere für Überwachung und Stigmatisierung staats- und gesellschaftskritischer Gruppen und Personen, für sein unkontrollierbares V-Leute-System, für heillose Verflechtungen in mörderische Neonazi-Szenen und die Vertuschung illegaler Praktiken.“
  • In der Kategorie Wirtschaft hat sich die Kampagnenplattform Change.org durchgesetzt. Als alternatives Projekt daherkommend vermarkte die gewinnorientierte US-Firma personenbezogene Daten von Unterzeichnern zusammen mit deren politischen Meinungsäußerungen und setze den Datenschutz dabei mangelhaft um. Trotz des vom Europäischen Gerichtshof kassierten „Safe Habor“-Abkommens würden etwa Daten europäischer Nutzer weiter in den USA gespeichert.
  • Ein BBA in der Kategorie Technik geht an die Berliner Verkehrsbetriebe BVG für die elektronische VBB-Fahrcard, auf der bei jedem Einsteigen Datum, Uhrzeit, Buslinie und Haltestelle abgespeichert würden. Preiswürdig sei besonders die Informationspolitik der BVG, die lange wider besseren Wissens behauptet hätte, eine solche Speicherung sei technisch unmöglich.
  • Für ihre Haltung zum Verbraucherschutz wird die Generali-Versicherung angeprangert. Mit einem Bonuspunkte-System verspreche das Unternehmen Verbrauchern Vorteile, wenn diese ihre Fitnessdaten und ihr Einkaufsverhalten per App oder Sportkleidung an die Versicherung weiter melden, die sie wiederum an ein Bonuspunkte-System nach Südafrika übermittle. Das führe zur zur Entsolidarisierung und widerspreche dem Grundgedanken unseres Sozialsystems.
  • In der Kategorie Arbeitswelt konnte sich IBM mit dem „Social Dashboard“ durchsetzen. Mit der Software könnten Firmen das Sozialverhalten von Angestellten kontrollieren und auswerten. Die Lösung nutze dabei Metadaten aus dem firmeneigenen sozialen Netzwerk „Connections“ und sei ein Versuch, die Bewertung von sozialem Verhalten einer Maschine zu überlassen. Das setze falsche Anreize und führe zu mehr Arbeitsdruck.

Der Digitalcourage e.V. verleiht die BigBrotherAwards seit 2000. Zur diesjährigen Jury gehören Rena Tangens und padeluun (beide Digitalcourage), Rolf Gössner (Internationale Liga für Menschenrechte), Sönke Hilbrans (Deutsche Vereinigung für Datenschutz), Frank Rosengart (Chaos Computer Club) und Peter Wedde (Europäische Akademie der Arbeit der Universität Frankfurt). Als Gastlaudatorin spricht Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Justizministerin a.D.) über die Verteidigung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung und den Schutz der Privatsphäre gegenüber staatlichen Institutionen und Unternehmen.

(ID:44011440)