Cloud Computing vom Hyperscaler Wie AWS zur Vendor-Lock-In-Problematik steht

Von Dr. Stefan Riedl 4 min Lesedauer

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Vendor-Lock-In wurde früher vor allem mit dem Kauf ewiger Lizenzen in Verbindung gebracht und verschiedene Formen des Cloud Computing als Problemlöser präsentiert. Schnell wurde klar, dass auch die Cloud-Ära ihre Abhängigkeiten kennt.

Mit der Metapher des goldenen Käfigs wird gerne die Form des Vendor-Lock-Ins beschrieben, bei der man sich selbst freiwillig von den „fancy Tools“ einzelner Marktakteure schlichtweg durch deren Nutzung abhängig macht. (Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Mit der Metapher des goldenen Käfigs wird gerne die Form des Vendor-Lock-Ins beschrieben, bei der man sich selbst freiwillig von den „fancy Tools“ einzelner Marktakteure schlichtweg durch deren Nutzung abhängig macht.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Die Vendor-Lock-In-Problematik ist ein vielschichtiges Problem. Darunter fallen auch Kosten und personeller sowie organisatorischer Aufwand, die dem Cloud-Flexibilitätsversprechen entgegen stehen. Wenn also Daten und Workloads idealerweise flexibel von Cloud zu Cloud verschoben werden sollen, stehen Formen des Vendor-Lock-In dem mitunter entgegen. Oft hat man sich freiwillig abhängig gemacht, schlichtweg, weil man durch deren Nutzung die „fancy Tools“ bestimmter Anbieter so sehr ins Tagesgeschäft eingebaut hat, dass man nicht mehr davon loskommt.

Flexible Nutzungsmodelle

Bei AWS – einem der Anbieter von „fancy Tools“ im Cloud-Umfeld – kennt man die Problematik. Michael Hanisch, Head of Technology bei AWS in Deutschland, sagt: „Die Wahlfreiheit bei Cloud-Anbietern ist entscheidendes Merkmal moderner IT-Infrastruktur.“ Er hebt AWS folgendermaßen hervor: „Anders als bei traditionellen Technologieanbietern, die ihre Kunden durch langjährige Lizenzverträge binden, setzen moderne Cloud-Services wie AWS auf ein flexibles Nutzungsmodell.“

In den letzten Jahren habe sich hier einiges getan, insbesondere hätten Kunden vermehrt Serverless- oder Cloud-native-Architekturen eingesetzt, die flexibler und leichter portabel sind.

Wer testet trifft bessere Entscheidungen

„Auch der mittlerweile sehr häufige Einsatz von Infrastructure as Code (IaC) trägt dazu bei, dass beispielsweise Infrastrukturen und Workloads leichter parallel auf mehreren Anbietern getestet oder bei einem Zwischenfall leicht auf einer anderen Cloud neu aufgebaut werden können“, sagt der AWS-Technologie-Chef. So sei vergangenes Jahr mit dem Verzicht auf Datentransferkosten bei der Migration von AWS zu einem anderen Anbieter außerdem ein oft genanntes Hindernis gefallen.

Die Flexibilität der Cloud zeige sich aber auch in Bereichen, wo es klassischerweise einen hohen Grad an Lock-In gab, nämlich bei Datenbanken: „Unsere Kunden können nicht nur zwischen verschiedenen Datenbanktypen wählen, sondern auch Datenbanken anderer Anbieter auf AWS betreiben.“ Auch wenn ein Anbieterwechsel naturgemäß mit Aufwand verbunden ist – etwa für Datenmigration und Mitarbeiterschulungen – gebe es hier keine vertraglichen Hindernisse. Dies – so die Sichtweise von Hanisch – sei ein fundamentaler Unterschied zum klassischen „Vendor-Lock-In“ der Vergangenheit.

Wachstum bis zum Anschlag

Cloud Computing ist für Hanisch zentraler Treiber der digitalen Transformation: „Die Wachstumsprognosen sind nach wie vor beeindruckend: Der globale Cloud-Markt soll laut Grand View Research bis 2030 jährlich um mehr als 21 Prozent wachsen.“

Zahlen und Hintergrund

Führt das Cloud-Wachstum in den Himmel?

Exponenzielles Wachstum muss in keiner unaufhaltsamen Explosion münden – wie bei der Schachbrett-Geschichte, bei der sich auf jedem Feld die Anzahl der Reiskörner verdoppelt und zum Schluss ganze Reis-Welternten rauskommen. Oft flacht es sich ab, denn in der Realität gibt es Dämpfungsmechanismen, die Wachstum begrenzen und wie auch immer geartete Exponenzialkurven einbremsen.
Beim Cloud Computing zeigt sich dieser Effekt: Der Cloud-Hunger nimmt im Laufe der Zeit zu, wächst aber nicht in den Himmel. Nachfrage- und angebotsseitige Faktoren wie Infrastrukturkosten, Energieverbrauch und Regulierung bremsen das Tempo trotz des Trends zu einem sich beschleunigenden Wachstum.

Aktuelle Daten aus dem Jahr 2024 bestätigen das anhaltende Wachstum im Cloud-Computing-Sektor. Laut Fortune Business Insights wurde die Größe des globalen Cloud-Computing-Marktes im Jahr 2023 auf 587,78 Milliarden US-Dollar geschätzt. Prognosen zufolge könnte der Markt bis 2032 ein Volumen von 2.291,59 Milliarden US-Dollar erreichen, was einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 16,5 Prozent entspricht.

In Deutschland zeigt der Bitkom Cloud Report 2024, dass 81 Prozent der Unternehmen Cloud Computing nutzen, während 14 Prozent die Einführung planen oder diskutieren. Nur fünf Prozent der Unternehmen betrachten das Thema als irrelevant.

Prägende Trends

Aus Sicht des AWS-Managers prägen aktuell künstliche Intelligenz (KI), Nachhaltigkeit und ein Wandel der Infrastruktur den Markt: „KI-Anwendungen durchdringen zunehmend alle Geschäftsbereiche, von der Kundenbetreuung bis zur Logistik. Dies erfordert erhebliche Rechenkapazitäten.“ Die Cloud würde durch gemeinsame Ressourcennutzung negative Umweltauswirkungen minimieren.

Hintergrund

Künstliche Intelligenz treibt Cloud Computing vor sich her

KI treibt Cloud Computing voran, weil KI-Anwendungen enorme Rechenleistung und große Datenmengen benötigen. Die Cloud bietet die nötige Infrastruktur, um diese Ressourcen flexibel und kosteneffizient bereitzustellen. Unternehmen können so KI-Modelle trainieren und nutzen, ohne teure eigene Hardware zu betreiben. Gleichzeitig profitieren Cloud-Anbieter von der steigenden Nachfrage nach leistungsfähigen Servern und spezialisierten KI-Diensten. Dadurch entwickeln sich beide Technologien gemeinsam weiter.

Michael Hanisch, Head of Technology, AWS Deutschland(Bild:  AWS)
Michael Hanisch, Head of Technology, AWS Deutschland
(Bild: AWS)

Rechenzentren sprießen wie Pilze aus dem Boden

In Europa wird ein Rekordausbau der Rechenzentrumskapazitäten erwartet, angetrieben durch die Expansion von KI und Cloud Computing. Amazon setzt in diesem Marktumfeld laut Hanisch mit seiner Investitionsstrategie klare Schwerpunkte im Cloud-Bereich: „Ein bedeutendes Beispiel ist das Investment von 7,8 Milliarden Euro in die AWS European Sovereign Cloud in Brandenburg bis 2040 – damit unterstreichen wir unser Engagement für die digitale Souveränität Europas. Der steigende Bedarf an Rechenleistung erfordert dabei innovative Energiekonzepte.

Drei wichtige Entwicklungen prägen aktuell den Markt: Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und ein Wandel der Infrastruktur.

Michael Hanisch, Head of Technology bei AWS in Deutschland

Konkret investiert AWS in verschiedene Innovationen, die Design und Betrieb von Rechenzentren effizienter machen können – „beispielsweise durch neue Lüftungs- und Kühlungssysteme, die bis zu 46 Prozent weniger mechanische Energie verbrauchen, über neue Stromverteilungssysteme oder Systeme für die Platzierung von Rechnern, die es uns erlauben, bis zu 12 Prozent mehr Rechenleistung pro Rechenzentrum für Kunden bereitzustellen“, so der Manager. So will man seinen Beitrag leisten, um dem Rechenzentrumshunger auf eine effiziente Art und Weise zu begegnen.

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