Wie viele Emissionen erzeugt die Cloud, auf der die eigenen Apps oder Daten liegen? Und wäre die Situation anderswo günstiger? Diese und ähnliche Fragen beantwortet das Online-Tool „Cloud Carbon Explorer“, das das Uptime-Institut kostenlos online bereitstellt.
Das Uptime-IInstitute hat ein Tool zur Messung der Kohlendioxid-Effekte einer Verlagerung von Hyperscaler-Lasten von Region zu Region entwickelt.
Für Datacenter-Anwender und Kunden von Cloud-Services wird derzeit das Thema Cloud-Emissionen immer wichtiger. Denn die meisten Unternehmen müssen anfangen, ihre Kohlendioxid-Emissionen zu bilanzieren. Dazu gehören mittelbar auch die der Workloads, die bei einem externen Cloud-Provider liegen. Sie sind in der Regel Teil des so genannten Tier 3, also der durch Lieferanten und Dienstleister im Dienste des eigenen Geschäfts verursachten Emissionen.
Bislang gab es kaum eine Möglichkeit, realistisch abzuwägen, wie sich insbesondere aus Perspektive der Kohlendioxid-Ausschüttung die Wahl der Zone oder eines spezifischen Rechenzentrums auswirkt. Zudem reicht es nicht, sich ausschließlich auf dieses Thema zu fokussieren: Gleichzeitig sollen die Kosten nicht ins Uferlose wachsen. Auch die Latenzen müssen weiter ausreichen, um die betreffenden Applikationen zu betreiben.
Kohlenstoff-Ausstoß per Klick
Das Uptime-Institut, eine langjährig bestehende, aus den USA stammende Zertifizierungs- und Beratungsinstitution für Rechenzentren, macht nun mit dem „Cloud Carbon Explorer“ den Versuch, dieses Thema per Point and Click erfahrbar zu machen. Dabei entstehen den Anwendern keine Kosten.
Wer die Webseite des Cloud Carbon Explorer aufsucht, erhält eine kurzgefasste Anleitung für den Umgang mit dem Tool. Eingeschlossen sind derzeit die drei Hyperscaler AWS, Google und MS Azure. Die einzelnen Cloud-Zonen sind als farbige Kreise gekennzeichnet. Deren Farbe steht für die Region, die Größe für den mit der Region verbundenen Kohlendioxid-Ausstoß.
Anwender wählen als erstes „ihren“ Provider. Entsprechend erscheint weiter unten eine Karte mit den zu diesem Provider gehörigen Rechenzentren/Zonen. Auf den ersten Blick (siehe: Abbildung) ist an der Größe des Kreises zu erkennen, dass das AWS-Rechenzentrum in Stockholm bei Weitem die geringsten Emissionen erzeugt.
Farbige Pfeile zeigen, wo Verlagerungen sich lohnen
Klickt man die blaue Kugel Stockholm an, zeigen sich mehrere Pfeile in Richtung dorthin von anderen Kugeln meist in derselben Großregion aus. Sie zeigen, welche Auswirkungen eine Migration auf die Latenz und die Kosten hätte. Grafisch werden auch Latenz- und Kostenunterschiede zwischen bisherigem und möglichem Verlagerungsort angezeigt.
beim Darüberfahren zeigen sich konkrete Werte für das jeweilige Rechenzentrum, bei Stockholm zum Beispiel die genaue Zone, die man angeben müsste, um beim jeweiligen Provider dorthin zu verlagern, der Ausstoß an Kohlendioxid pro Kilowattstunde in Megatonnen, gelegentlich, bei sehr geringen Werte in einer logarithmischen Schreibweise (Stockholm: „8e-5“, entspricht 0.00008) und die Kosten einer virtuellen Maschine des Typs „M5“.
Verlagerung kann sich lohnen
Insgesamt wird, egal, auf welche Kugel man klickt, immer angezeigt, zu welchen benachbarten Rechenzentren aus derselben oder einer anderen Zone die Verlagerung günstiger wäre. Dabei zeigt sich: Die Kohlendioxidausstöße können sich um ein Vielfaches unterscheiden. Steigen also die Preise von Zertifikaten, kann das je nach Umfang der Workloads, durchaus einen wichtigen finanziellen Einfluss haben.
Im „Carbon Calculator“ des Uptime-Institute zeigen die Farben die Regionen, die Größe der Kreise den Kohlendioxidausstoß und die Pfeile, sobald man einen Kreis anklickt, welche Verlagerung einen günstigen Effekt auf sie hätte.
(Bild: Uptime Institute/ Rüdiger)
Beispielsweise beträgt der Kohlendioxidausstoß in Stockholm 0,00008 Megatonnen pro Kilowattstunde (Mt/kWh). In Südafrika, der kohlendioxidintensivsten Region bei AWS, liegt er bei 0,0009 Mt/kWh und damit rund zehn Mal so viel. Außerdem ist dort Rechenleistung mit 0,127 Dollar/h für eine M5.large-VM sehr teuer – in Stockholm dagegen liegen die Kosten bei 0,102 Dollar/h.
AWS: Wenig Alternativen für Südafrika-Datacenter bei hohen Kosten
Trotzdem werden für Südafrika keine Verlagerungsoptionen angegeben – das dortige Rechenzentrum ist für afrikanische User schlicht alternativlos. Ähnliche Berechnungen lassen sich für alle drei Provider und deren sämtliche Zonen anzeigen.
Beispielsweise sollte niemand, der aus Latenzgründen nicht muss, in Hongkong rechnen – dort liegen die Emissionen höher als an jedem asiatischen Standort. Wer von Hongkong deswegen weg will und verlagert, muss aber mit erhöhten Verzögerungen und je nach Verlagerungsregion auch höheren Kosten rechnen.
Frankfurt ist übrigens mit 0,000338 Mt/kWh eher schlecht aufgestellt, was die Kohlendioxid-Bilanz angeht. Alle übrigen Standorte von AWS in der Region Europe, Middle East und Afrika außer Bahrain stehen besser da, wenn auch teils nur geringfügig.
Stand: 08.12.2025
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Bei den Kosten kann Frankfurt nach den AWS-Daten übrigens nur mit Bahrain erfolgreich konkurrieren, alle anderen Standorte sind günstiger. Von daher lohnt es sich vielleicht trotz De-CIX am Ort, die Datacenter-Häufung an diesem Standort einmal zu überdenken. Denn nicht jede Rechenaufgabe braucht Echtzeitverarbeitung.