Elektronische Patientenakte auf Salesforce-Cloud Waldkliniken Eisenberg begeistern in Sachen Digitalisierung

Ein Gastbeitrag von Denise Müller* 5 min Lesedauer

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Seit Anfang 2021 können Versicherte die elektronische Patientenakte auf freiwilliger Basis über Angebote ihrer Krankenkassen nutzen. Bisher tun das laut Gesundheits­minister Karl Lauterbach weniger als ein Prozent der rund 73 Millionen gesetzlich Versicherten. Ursache sind komplizierte Anmeldeverfahren und unausgereifte Apps.

Die Waldkliniken Eisenberg gelten als Leuchtturmprojekt für Thüringen – hinsichtlich der Patientenbetreuung ebenso wie auf Seiten der Digitalisierung.(Bild:  HGEsch Photography)
Die Waldkliniken Eisenberg gelten als Leuchtturmprojekt für Thüringen – hinsichtlich der Patientenbetreuung ebenso wie auf Seiten der Digitalisierung.
(Bild: HGEsch Photography)

Die Waldkliniken Eisenberg (WKE) zeigen, dass es auch anders geht. CEO David-Ruben Thies hat die elektronische Patientenakte so umgesetzt, dass sie nicht nur Patienten, Ärzten und anderen Krankenhausmitarbeiter das Leben erleichtert, sondern auch alle Herausforderungen in Sachen Datenschutz bewältigt ­– und sogar das Gesundheitsministerium begeistert.

Thies war auf einer Dienstreise in Kalifornien an der Uniklinik in San Francisco und konnte sich dort ein Bild der digitalen Patientenakte machen. Er war beeindruckt, dass dort schon etwas seit zehn Jahren funktioniert, was in Deutschland in 21 Jahren nicht mit 19 Milliarden Euro geschafft wurde. „Dort war eine Cloud-Lösung von Salesforce im Einsatz, die ich mir sozusagen ausgeliehen habe, um zu schauen, ob das auch bei uns funktioniert“, erzählt David-Ruben Thies. „Wir haben an unserer Klinik und Poliklinik ja eigene Hausärzte, Fachärzte, ambulante Physiotherapie, also das deutsche Gesundheitswesen einmal im Kleinen.“ Die Waldkliniken Eisenberg verfügen über 254 Betten, nur 13 davon für Privatpatienten, elf auf der Kinderstation. Pro Jahr werden ambulant und stationär rund 60.0000 Patienten behandelt.

Brücke zwischen Gesundheitswesen und Gastfreundschaft

Die WKE sind bekannt für ihre erstklassige orthopädische Versorgung sowie ihren unkonventionellen Ansatz, Patienten wie Hotelgäste zu betreuen. Unter der Leitung von David-Ruben Thies wurde ein einzigartiger Weg eingeschlagen. Das neue Bettenhaus wurde von dem renommierten italienischen Architekten und Designer Matteo Thun entworfen. Durch den kreisrunden Grundriss konnten alle Zimmer auf den Wald ausgerichtet werden. Thun hat so ein Ambiente geschaffen, in dem sich Patienten rundum wohl fühlen. Darüber hinaus punkten die Waldkliniken auch kulinarisch und wurden sogar vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband mit Sternen zertifiziert. Der runde Gebäudegrundriss symbolisiert den Landkreis, der auch der Träger der Klinik ist. Mindergesellschafter ist das Universitätsklinikum Jena. Der Neubau des Bettenhauses eröffnete 2020.

Das Klinikum gilt als Leuchtturmprojekt für Thüringen. „In unserer Klinik werden Patienten zum Gast. Und das nicht nur durch die aufsehenerregende Fassade und der Form unseres Neubaus, der Patienten aller Krankenkassen die Aufenthaltsqualität eines Sterne-Hotels bietet“, erklärt Andreas Rossa, Leiter der IT an den WKE. „Ebenso einzigartig wie das Design ist das inhaltliche Konzept unseres Hauses. Damit tragen wir zur schnelleren Genesung unserer Patienten bei.“ Im WKE ist schon umgesetzt, was andernorts in Deutschland nur schleppend vorankommt.

ePA schon heute komplett umgesetzt

Zwar sind die gesetzlichen Krankenkassen seit 2021 dazu verpflichtet, ihren Versicherten die elektronische Patientenakte (ePA) anzubieten: Den Aktenordner für Gesundheitsdaten nutzt aber bisher nur ein Bruchteil, das bestätigt eine Umfrage der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (Gematik). Mittlerweile drängt die Zeit jedoch, denn bis 2025 soll die ePA bundesweit Pflicht werden. Bei den Waldkliniken Eisenberg werden längst alle Daten zentral erfasst, wodurch viele Abläufe deutlich einfacher sind. Dank der „konzerninternen ePA“ wird eine Patientenakte angelegt, die an die WKE und deren medizinisches Versorgungszentrum mit Haus- und Fachärzten, Apotheken etc. gebunden ist.

Neben der ePA haben die WKE auch das digitale Patientenportal „Helsi“ eingeführt. In Zusammenarbeit mit Salesforce wurde eine Cloud-Lösung entwickelt und umgesetzt, die als zentrales Element für alle Geschäftsprozesse des Patientenportals dient. Die Salesforce Health Cloud bietet eine breite Palette an Funktionen und Prozessen sowie die Möglichkeit, IT-Systeme und -Partner zu integrieren. Dank der Entwicklungsplattform der Health Cloud mit ihren Möglichkeiten für eine einfache Konfiguration und Implementierung ohne umfangreichen Programmieraufwand können Gesundheitsorganisationen leicht Anpassungen vornehmen.

Das interaktive Tool ermöglicht es Patienten, einfach auf ihre Behandlungsdaten, Termine und andere relevante Informationen zuzugreifen. Über „Helsi“ können sie mit ihrem medizinischen Team kommunizieren und wichtige Dokumente sicher austauschen. Die Bereitstellung von wichtigen Daten in transparenter und zugänglicher Form stärkt die Patientenautonomie und fördert eine engere Bindung zwischen Patienten und Gesundheitsanbietern. Ein verbessertes Verständnis fördert das Engagement der Patienten für ihre eigene Gesundheitsvorsorge, was langfristig zu besseren Gesundheitsergebnissen führen kann.

Datenschutz hat oberste Priorität

Höchste Priorität hat der Schutz der sensiblen Daten. Die Gesundheitsplattform wurde mit Zustimmung des Thüringer Landesdatenschutzbeauftragten im Rahmen eines Förderprojekts des Landes Thüringen entwickelt. Sie dient als europaweites Vorbild, da Unternehmen mit der Health Cloud von Salesforce ihre Projekte gemäß der europäischen Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) umsetzen können.

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„Wir haben von Anfang an den Thüringer Landesdatenschutzbeauftragten ins Boot geholt, denn Patientendaten sind Ländersache, nicht Bundessache“, erklärt David-Ruben Thies. „Der war natürlich hochkritisch, als er von der amerikanischen Cloud hörte. Aber die Daten werden alle in Rechenzentren innerhalb der Europäischen Union gespeichert. Die liegen in Frankfurt, Paris und demnächst in Dublin.“

Hohe Zeitersparnis für Mitarbeitende

Dank der digitalisierten Prozesse spart das Klinikpersonal der WKE eine Menge Zeit und wird von administrativen Aufgaben entlastet. Routineaufgaben wie das Aktualisieren von Patientendaten oder das Einholen von Behandlungsinformationen lassen sich viel effizienter gestalten. Gleichzeitig unterstützt die Health Cloud bei der Aufnahme im Krankenhaus, dem Behandlungs- und Entlassungsmanagement sowie bei Arztgesprächen per Videotelefonie.

Die Waldkliniken Eisenberg sind so für die Zukunft gut gerüstet, wollen ihre digitale Transformation aber dennoch kontinuierlich weiter vorantreiben. „Ein Ziel ist es, die Lösung künftig auch nach außen zu öffnen. Wir wollen die Systeme von Ärzten und Kliniken anbinden, die nicht zu unserem „Mini-Konzern“ gehören. Denn wenn die vollständige Dokumentation zu einem Patienten bereits in Krankenhaus A liegt, warum sollte Krankenhaus B dann nicht davon profitieren?“, erläutert der CEO der WKE und ergänzt. „Es wird noch eine zweite Ausbaustufe geben. In dieser werden wir uns u. a. damit beschäftigen, wie Röntgenbilder in befundfähiger Qualität im System abgelegt werden können. Das ist zurzeit noch nicht möglich. Heute gibt es in dem entsprechenden Ordner nur eine kleine JPEG-Datei und einen Befundbrief. Aber das Bild mit der nötigen Qualität zu hinterlegen, stellt noch eine Herausforderung dar. Und das lösen wir dann im nächsten Schritt.“


* Die Autorin Denise Müller ist Regional Vice President Public Sector DACH bei Salesforce.

Bildquelle: Salesforce

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