Open-Source-Software für KMU OSS – oft kostenlos, nie wertlos

Von Christian Schmitz* 5 min Lesedauer

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Open-Source-Software, kurz OSS, bietet erhebliche Kosteneinsparungen, Flexibilität und Sicherheit. Dennoch zögern viele kleine und mittlere Unternehmen, OSS zu nutzen. Dieser Gastbeitrag zeigt die Vorteile und gibt Tipps zur erfolgreichen Implementierung.

Open-Source-Software kann Kosten sparen, die Innovationsfähigkeit steigern sowie IT-Systeme flexibler und sicherer gestalten.(©  Artur - stock.adobe.com)
Open-Source-Software kann Kosten sparen, die Innovationsfähigkeit steigern sowie IT-Systeme flexibler und sicherer gestalten.
(© Artur - stock.adobe.com)

Open-Source-Software ist aus der heutigen IT-Landschaft nicht mehr wegzudenken. Sie ermöglicht es Unternehmen, innovative Lösungen zu entwickeln und gleichzeitig Kosten zu sparen. Laut einer Harvard-Studie zu Open-Source-Software trägt OSS weltweit zu einer geschätzten Kostenersparnis von 8,8 Billionen US-Dollar bei. Trotzdem scheuen sich gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) oft vor OSS, in der Regel aufgrund von Unsicherheiten und unbegründeten Vorurteilen.

Der Wert von Open-Source-Software

Die wirtschaftliche Bedeutung von Open-Source-Software ist enorm. Das Harvard-Paper unterscheidet hierbei zwischen dem Wert auf der Angebotsseite und dem Wert auf der Nachfrageseite von OSS.

  • Der Wert auf der Angebotsseite bezieht sich auf die Kosten, die entstehen würden, um die am häufigsten genutzte OSS einmalig zu erstellen. Dieser Wert wird weltweit auf 4,15 Milliarden US-Dollar geschätzt. Dies umfasst die Entwicklungskosten und die Ressourcen, die notwendig sind, um die Software von Grund auf neu zu entwickeln. Die Summe muss man jedoch kritisch hinterfragen, da vermutlich bereits einzelne größere OSS-Projekte solch einen Aufwand haben, und beim Komplex um Linux herum allein bereits ein zweistelliger Milliardenbetrag realistisch erscheint.
  • Der Wert auf der Nachfrageseite hingegen ist wesentlich höher und wird auf weltweit 8,8 Billionen US-Dollar geschätzt. Dieser Wert basiert auf den Ersatzkosten für jedes Unternehmen, das die Software intern entwickeln müsste, wenn OSS nicht existierte. Firmen müssten demnach 3,5-mal mehr für Software ausgeben, als sie es derzeit tun. Diese Kosten entstehen, da Unternehmen die Software nicht nur nutzen, sondern auch weiterentwickeln und an ihre spezifischen Bedürfnisse anpassen müssen.

Der Open-Source-Monitor von Bitkom und PwC Deutschland zeigt unterdessen, dass lediglich 59 Prozent der befragten Behörden in Deutschland Open-Source-Software nutzen. Immerhin: Die Studie betont die wachsende Professionalisierung und die Sicherheitsanforderungen im Umgang mit Open-Source-Software. Es wird auch hervorgehoben, dass eine zunehmende Anzahl von Behörden aktiv an der Weiterentwicklung von Open-Source-Software beteiligt ist, was die Innovationskraft und die Anpassungsfähigkeit dieser Lösungen weiter stärkt.

Herausforderungen bei der Einführung von Open Source

Trotz der handfesten wirtschaftlichen Vorteile von Open-Source-Software zögern viele Unternehmen, diese einzuführen. Eine der häufigsten Hürden sind die bestehenden Vorurteile gegenüber OSS. Einige Unternehmen befürchten, dass OSS weniger zuverlässig oder sicher sein könnte als proprietäre Software. Diese Bedenken resultieren oft aus einem Mangel an Informationen oder aus negativen Erfahrungen mit schlecht implementierten OSS-Projekten in der Vergangenheit.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist der Mehraufwand, der durch die Implementierung neuer Prozesse entsteht. Die Integration von OSS in bestehende IT-Strukturen erfordert sorgfältige Planung und die Anpassung vorhandener Systeme. Dies kann besonders für kleinere Unternehmen mit begrenzten Ressourcen eine Herausforderung darstellen.

Eine nicht zu unterschätzende Hürde können auch der Schulungsbedarf und die Anpassung der Mitarbeitenden an neue Softwarelösungen sein. Teams müssen geschult und kontinuierlich weitergebildet werden, um effektiv mit den neuen Tools arbeiten zu können. Dies erfordert Zeit und finanzielle Mittel, die nicht immer leicht verfügbar sind.

Zudem gibt es häufig Sicherheitsbedenken und juristische Fragen, die bei der Einführung von OSS zu berücksichtigen sind. Unternehmen müssen sicherstellen, dass die verwendete Software den geltenden Sicherheitsstandards und Rechtsvorgaben entspricht. Dies erfordert eine sorgfältige Prüfung und möglicherweise auch die Anpassung der internen Sicherheitsrichtlinien.

Überwindung der Hindernisse: Erfolgsfaktoren und Best Practices

Um die genannten Herausforderungen erfolgreich zu meistern, sind gezielte Strategien und Best Practices erforderlich. Ein klarer Plan und ein schrittweiser Ansatz sind dabei von elementarer Bedeutung. Unternehmen sollten zunächst eine umfassende Analyse ihrer IT-Landschaft durchführen und feststellen, welche Bereiche am besten für den Einsatz von OSS geeignet sind. Ein pilotbasierter Ansatz kann helfen, erste Erfahrungen zu sammeln und die Implementierung schrittweise zu erweitern.

  • Initiale Bewertung und Planung: Beginnen Sie mit einer umfassenden Analyse Ihrer IT-Landschaft. Identifizieren Sie Bereiche, in denen OSS einen Mehrwert bieten kann. Berücksichtigen Sie dabei sowohl technische als auch betriebliche Anforderungen. Führen Sie eine Kosten-Nutzen-Analyse durch, um die potenziellen Einsparungen und Vorteile der Umstellung auf OSS zu bewerten.
  • Pilotprojekte und schrittweise Implementierung: Starten Sie mit einem kleinen Pilotprojekt, um erste Erfahrungen zu sammeln. Wählen Sie hierfür eine nicht-kritische Anwendung oder einen Prozess, der von OSS profitieren könnte. Bewerten Sie die Ergebnisse des Pilotprojekts und nutzen Sie die gewonnenen Erkenntnisse, um die Implementierung schrittweise zu erweitern.
  • Nutzung von Community-Ressourcen und externer Unterstützung: Nutzen Sie die umfangreichen Ressourcen der Open Source Community, wie Foren, Dokumentationen und Tutorials. Diese können wertvolle Unterstützung und Antworten auf spezifische Fragen bieten. Ziehen Sie in Erwägung, externe Dienstleister oder Berater einzubeziehen, um die Implementierung zu unterstützen und typische Fehler zu vermeiden.
  • Schulung und kontinuierliche Weiterbildung: Entwickeln Sie Schulungsprogramme, um Ihre Mitarbeitenden auf die Arbeit mit der neuen OSS vorzubereiten. Dies kann durch interne Trainings, Online-Kurse oder Workshops erfolgen. Fördern Sie eine Kultur der kontinuierlichen Weiterbildung und Sensibilisierung für die Vorteile und Herausforderungen von OSS.
  • Definition von Sicherheits- und Compliance-Standards: Stellen Sie sicher, dass Ihre OSS-Lösungen den höchsten Sicherheitsanforderungen entsprechen und alle rechtlichen Vorgaben erfüllen. Regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen und die Einhaltung von Industriestandards wie ISO 27001 oder dem IT-Grundschutz des BSI sind hierbei entscheidend.

Konkrete Vorteile von Open-Source-Software für KMU

Der Einsatz von Open-Source-Software bietet kleinen und mittleren Unternehmen eine Vielzahl konkreter Vorteile. Einer der offensichtlichsten ist die Kostenersparnis. OSS ist in der Regel ohne Lizenzgebühren verfügbar und die Kosten für die Weiterentwicklung sowie Support und Assurance sind geringer. Daher können Unternehmen erhebliche Beträge einsparen, die sie sonst für proprietäre Software ausgegeben müssten. Darüber hinaus ermöglicht OSS eine flexible Anpassung und Erweiterung der Software, ohne auf teure Updates oder zusätzliche Module angewiesen zu sein.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist die Unabhängigkeit von Softwareanbietern. Mit OSS können Unternehmen die Kontrolle über ihre IT-Infrastruktur behalten und sind nicht an die Geschäftsbedingungen und Produktzyklen eines einzigen Anbieters gebunden. Diese Unabhängigkeit ermöglicht es Unternehmen, schneller auf Änderungen und Anforderungen des Marktes zu reagieren und gleichzeitig das Risiko von Vendor Lock-ins zu minimieren.

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Sicherheit und Transparenz sind ebenfalls zentrale Vorteile von OSS. Da der Quellcode öffentlich zugänglich ist, können Sicherheitslücken schneller identifiziert und behoben werden. Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit der Software profitieren davon erheblich. Zudem ermöglicht die Transparenz des Codes eine genaue Überprüfung und Anpassung an die spezifischen Sicherheitsanforderungen des Unternehmens.

Die Förderung der Innovationskraft ist ein weiterer Pluspunkt von OSS. Durch den Zugang zu den neuesten Technologien und Entwicklungen können Unternehmen ihre Innovationsfähigkeit stärken und Wettbewerbsvorteile erzielen. Die aktive Teilnahme an Open-Source-Projekten und die Zusammenarbeit mit der Community ermöglichen es Unternehmen, von kollektiver Intelligenz und Kreativität zu profitieren und eigene Lösungen schneller und effizienter zu entwickeln.

Fazit

Die Implementierung von Open-Source-Software bietet sowohl für Unternehmen als auch für öffentliche Verwaltungen erhebliche Vorteile. Durch den Einsatz von OSS können Organisationen Kosten sparen, ihre Innovationsfähigkeit steigern sowie ihre IT-Systeme flexibler und sicherer gestalten. In Zeiten zunehmender Digitalisierung und sich wandelnder Anforderungen sind diese Vorteile von unschätzbarem Wert.

* Über den Autor
Christian Schmitz ist Director Open Source bei plusserver.

Bildquelle: plusserver

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