SNP Transformation World 2023 Vom Service-Provider zum Softwareanbieter rund um SAP & Co.

Von Michael Matzer 6 min Lesedauer

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Die Zukunft ist blau: Auf der Kunden- und Partnerkonferenz zeigte sich ganz klar, wie Transformationsspezialist SNP selbst Wandel und Neuausrichtung vorantreibt. Die SAP-Datenwelt bildet weiterhin das Kerngeschäft. Das Unternehmen unterstützt seine Kunden aber weit über die S/4HANA-Migration hinaus.

Dr. Jens Amail ist seit fünf Monaten CEO von SNP. Mit seiner Keynote eröffnete er die Transformation World 2023 in Heidelberg. (Bild:  SNP)
Dr. Jens Amail ist seit fünf Monaten CEO von SNP. Mit seiner Keynote eröffnete er die Transformation World 2023 in Heidelberg.
(Bild: SNP)

Ein wichtiger Pfeiler dafür ist das starke Partner-Ökosystem, erklärt CEO Jens Amail im Gespräch mit CloudComputing-Insider. „Wir sehen uns nicht mehr als reinen Service-Provider, sondern vielmehr als Software-Unternehmen“, stellt Amail klar. Das Kerngeschäft des Heidelberger Unternehmens sind selektive Datenmigration und Datentransformation, die dafür zentrale Software-Plattform CrystalBridge ist die Basis für jedwede Art von Transformation. S/4HANA-Migration mache zwar einen Großteil des Umsatzes aus – erstmals über 50 Prozent des Auftragsvolumens im ersten Quartal –, allerdings spiele laut Amail die aktuelle makroökonomische Situation ebenfalls eine Rolle. Diese treibe Unternehmen zu umfassenden Neustrukturierungen und digitaler Transformation über S/4HANA hinaus – sei es in Form von Mergers & Acquisitions, Carve-outs, Konsolidierungen oder der Optimierung von Prozessen mithilfe von KI und Automatisierung.

Die Kunden erwarten nach Angaben von CEO Jens Amail kompetente Führung in Projekten: beim Management, Consulting sowie technischen Services. (Bild:  SNP)
Die Kunden erwarten nach Angaben von CEO Jens Amail kompetente Führung in Projekten: beim Management, Consulting sowie technischen Services.
(Bild: SNP)

Ein wichtiger Bestandteil im Portfolio ist die Data Provisioning Application „Glue“, die SNP 2021 mit der Firma Datavard gekauft hat. Als Teil von CrystalBridge ermögliche sie laut CEO Amail die Bereitstellung von SAP-Daten in der Cloud – und verbinde somit Datensilos. In einer für Herbst geplanten neuen Version soll diese Funktion auf Non-SAP-Daten erweitert werden. „Mit GLUE stellen wir SAP-Daten für künstliche Intelligenz und andere Customized-Applikationen bereit“, so Amail. „Historisch bringen wir die Informationen aus SAP-Systemen in Cloud-Data-Warehouse-Umgebungen, aber inzwischen haben wir bereits eine erste Betaversion des nächsten Glue-Updates, mit der wir weitere Datenquellen über SAP hinaus einbinden können.“

Vom Systemhaus zum Software-Anbieter

„Die Entwicklung vom IT-Dienstleister zum Softwareunternehmen bedeutet eine strategische Weiterentwicklung. Historisch ist SNP ein klassisches SAP-Systemhaus“, erklärt Amail. Allerdings hat vor mehr als zehn Jahren der inzwischen verstorbene Gründer Dr. Andreas Schneider-Neureither erkannt, dass es bei SAP-Datenmigrationen wiederkehrende Muster gibt, die bei allen Carve-out-, Konsolidierungs- oder Integrationsprojekten auftreten.

Das sei der Ausgangspunkt für die Idee gewesen, sämtliche Prozesse rund um die Migration in einer Software zu automatisieren, erzählt Amail. „SAP nennt dies Selective Data Transition. In diesem Markt haben wir als SAP-Partner mittlerweile einen Marktanteil zwischen 70 und 80 Prozent weltweit.“ Mit Elevate verfolge SNP zudem eine Strategie für nachhaltiges und profitables Wachstum. Ziel sei es, den Umsatzanteil der eigenen Softwarelösungen in den nächsten Jahren auf über 50 Prozent zu steigern.

Es muss nicht immer Cloud sein

Viele der Migrationen gehen in die Cloud, aber längst nicht alle. „In vielen Fällen wählten die Kunden von einem Hyperscaler gehostete Private-Cloud-Umgebungen“, erklärt Amail. Manche blieben aber mit ihrer S/4-Migration auch weiterhin im Rechenzentrum. „Wenn wir uns die Situation bei den Großkunden anschauen, sind die meisten Anwendungen nicht in der Public Cloud, einer Multi-Tenant-Umgebung, sondern in einer Private Cloud.“

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Cloud oder On-Premises – letztlich mache dies für SNP keinen Unterschied: „Wir sehen uns im Gesamtprojekt als Data Migration Player, für uns ist ein Rise-Projekt in der Private Cloud oder ein On-Prem-Projekt bei S/4 hinsichtlich der Datenarchitektur das Gleiche.“ Es sei strategisch gesehen das Wichtigste, dass SAP seine Kunden aus der „alten Welt“, also ECC, per Rise-Framework auf S/4 bringe. Die Zeit dränge: Wartungsende für ECC ist 2027, für manche Produkte sogar schon 2025.

Die ganze Farbpalette: Brown, Green und Blue

Ebenso sei es für SNP egal, ob die Migration nach dem Greenfield-Ansatz passiere, bei dem sämtliche Prozesse neu designt werden, oder lediglich von einer End-of-Maintenance getrieben – also ein reines Brownfield-Projekt – sei, bei dem Prozesse, Hierarchien, Berechtigungen genauso bestehen bleiben: „Die Datenfrage stellt sich in allen Szenarien.“

Ausschlaggebend sei in allen Fällen die Entscheidung, welche Daten mitgenommen werden sollen, welcher Automatisierungsgrad sinnvoll ist. Stichwort: selektive Datenmigration. „Welche Daten werden beim Umzug migriert, welche Daten können wir löschen? Welche brauche ich lediglich aus Compliance-Gründen und kann sie in einer Data-Fridge-Lösung vorhalten? Welche Daten möchte ich archivieren, welche Daten möchte ich in [S/4]HANA operativ täglich verfügbar haben? Diese selektive Datenmigration ist eine relevante Fragestellung – unabhängig davon, ob ich den Brownfield- oder Greenfield-Ansatz wähle.“

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CrystalBridge ist die Software-Plattform von SNP. (Bild:  SNP)
CrystalBridge ist die Software-Plattform von SNP.
(Bild: SNP)

Bei der automatisierten selektiven Datenmigration habe SNP eine Unique Value Proposition (UVP) insofern, als sein Bluefield-Ansatz Kunden bei Migrationsprojekten dabei hilft, präzise zu bestimmen, wie zu welchem Zeitpunkt mit den Daten zu verfahren ist. CrystalBridge ermöglicht eine sehr schnelle Analyse – den sogenannten Scan – von einer bestehenden Applikationslandschaft. „Wir kennen das SAP-Datenmodell so gut – sowohl das alte als auch das neue –, dass wir die Daten vom offenen Herzen des Altsystems ins offene Herz des neuen Systems migrieren können. Mit dem Bluefield-Ansatz und der Datenplattform CrystalBridge stellen wir mit Test-Migrationen und Validierung eine auditierbare Migration sicher; in Summe haben wir so bereits 14.500 Datenmigrationsprojekte umgesetzt – ausnahmslos mit Erfolg“, berichtet Amail stolz.

Der hohe Automatisierungsgrad sowie der Verzicht darauf, APIs zwischenzuschalten, tragen seiner Ansicht nach dazu bei, dass der operative Ablauf weitestgehend unbeeinträchtigt bleibt und Ausfallzeiten auf ein Minimum beschränkt sind. Er meint dazu: „Das ist insbesondere für Retailer oder Banken geschäftskritisch. Es wird aber für immer mehr Branchen wichtig, dass diese Downtime bei einer Migration minimal ist. Und dass so viele Schritte wie möglich auf einmal gemacht werden. Das ermöglichen wir mit unserem Bluefield-Ansatz.“

Starke Partnerlandschaft

„Unsere Plattform CrystalBridge ist Systemintegrator-unabhängig. Partnerschaften spielen eine zentrale Rolle in unserer Strategie, wir arbeiten mit knapp 500 Partnern zusammen, darunter 16 der Top 20 Systemintegratoren weltweit.“ Kürzlich habe SNP mit der Firma scdsoft in Karlsruhe einen Experten in Sachen SAP HCM und SAP SuccessFactors gewonnen.

Die Zusammenarbeit von SNP mit anderen IT-Häusern gehe dabei oftmals über die reine Technologiepartnerschaft hinaus. Das Ziel sei es, Partner und Kunden im Rahmen der Initiative „Bluefield inside“ so auszubilden, dass sie Transformationsprojekte mit CrystalBridge selbstständig umsetzen können. Der Hintergrund: Eine der größten Herausforderungen bei Migrationsprojekten sind personelle Ressourcen. Amail erläutert: „Selbst, wenn unsere Kunden einen attraktiven Business Case haben, dann ist ihre größte Sorge, dass sie genügend Leute finden, um das Ganze umsetzen zu können. Zudem möchten sie sich womöglich nicht an einen Systemintegrator binden. „Deswegen setzen solche Kunden sehr stark auf SNP als Software-Plattform-Anbieter. Sie bilden ihre eigene IT-Abteilung aus, damit sie auf CrystalBridge S/4-Migrationen, Carve-outs, Integrationen und ähnliche Projekte durchführen können. „Wir bekommen immer wieder positives Feedback von Kunden dafür, dass wir die erforderliche zukunftsfähige Migrationsplattform zur Verfügung stellen, um Mitarbeiter und Teams ausbilden lassen zu können“, berichtet Amail.

Dank des hohen Marktanteils von SNP im Segment „Selective Data Transition“ seien bereits viele Beratungshäuser und Systemintegratoren auf der CrystalBridge-Plattform ausgebildet. „Wir haben gemeinsame Kompetenzzentren oder auch Factories mit Accenture, IBM, PwC, All for One, Tata Consultancy Services (TCS) und LTIMindtree. Unser großes Partner-Ökosystem gibt Kunden die Sicherheit, dass sie selbst dann auf unsere Plattform setzen können, wenn sie nicht genügend eigene ausgebildete Leute haben. Sie können dann ganz flexibel mit dem Partner ihrer Wahl zusammenarbeiten“, so der CEO.

Ausblick: KI & Co.

Wie in allen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft spielte künstliche Intelligenz auch bei der diesjährigen SNP Transformation World eine zentrale Rolle, beispielsweise bei diversen dort vorgestellten Kundenprojekten. SNP sieht bei dem Thema gleich mehrere Anknüpfungspunkte, wie Amail in seiner Auftakt-Keynote erklärte: „Zum einen nutzen wir die Technologie intern, um unsere Prozesse effizienter zu machen, zum Beispiel im Bereich Knowledge-Management. Dann setzen wir KI ein, um unsere Produkte zu verbessern, insbesondere im Bereich Analyse und Testing.“ Last but not least sei SNP als Experte für SAP-Daten im Besonderen und Datenqualität im Allgemeinen bestens aufgestellt, um Unternehmen bei der Nutzung von KI zu unterstützen.

CrystalBridge in Verbindung mit Glue unterstützt die Entwicklung von KI-Anwendungen. (Bild:  SNP)
CrystalBridge in Verbindung mit Glue unterstützt die Entwicklung von KI-Anwendungen.
(Bild: SNP)

„Schließlich hängt der Erfolg von KI ganz stark von der Menge der zugrunde liegenden Daten und deren Güte ab. Wenn wir davon ausgehen, dass die meisten Daten im Geschäftsbereich nach wie vor in SAP gespeichert sind, ergibt sich für SNP ein großes Potenzial.“ Mit der Glue-Software, die SAP-Daten in bereinigter Form im Cloud Data Warehouse bereitstellt, seien Kunden von SNP in der Lage, eigene KI-Applikationen zu entwickeln, die genau ihre Ansprüche erfüllen.

Jüngstes Beispiel dafür sei die Partnerschaft mit dem kalifornischen Data-Cloud-Anbieter Snowflake. Die native App „Data Streaming for SAP“ wurde mit dem Snowflake Native App Framework entwickelt und soll die Datenlatenz bei der Integration von Streaming-Daten reduzieren. Viele gemeinsame Kunden von SNP und Snowflake würden bereits von den Vorteilen von SNP Glue profitieren. „Mit der neuen App könnten Kunden die SAP-Datenströme ab sofort direkt in Snowflake weiter optimieren – ab Herbst dann auch Streaming-Daten aus anderen Quellen“, verrät Amail.

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