Infosys Consulting über den Hype um Künstliche Intelligenz

Top 5 CIO-Trends für 2019

| Autor / Redakteur: John Gikopoulos* / Florian Karlstetter

Das Thema Künstliche Intelligenz wird dieses Jahr auch bei CIOs immer mehr in den Fokus rücken.
Das Thema Künstliche Intelligenz wird dieses Jahr auch bei CIOs immer mehr in den Fokus rücken. (Bild: gemeinfrei (geralt / pixabay) / CC0)

Gartner geht davon aus, dass künstliche Intelligenz (KI) 2019 als eine Art kleine „Zauberer“-Clique definiert wird, deren Talente im Unternehmen nicht richtig eingesetzt werden. Infosys Consulting sieht dies etwas differenzierter: 2019 wird das Jahr des CIO-Rockstars, der die Potenziale von KI im Unternehmen erkennt und einsetzt – und es damit schafft, wichtige Geschäftsvorteile zu erzielen.

KI wird für den strategischen und operativen Erfolg immer wichtiger. CIOs sollten deshalb aus dem Schatten heraus und ins Scheinwerferlicht treten – auch wenn es ihnen schwerfallen sollte. Worauf müssen sie also achten, um sicherzustellen, dass sie die digitale Transformation ihrer Organisation im Jahr 2019 leiten können? Nachfolgend ein Leitfaden von Infosys Consulting zu den Top Trends, die CIOs kennen müssen:

1. Von Zauberern zu Arbeitern

KI schafft es, eine hohe Intelligenz mit erstaunlicher Unbelehrbarkeit zu verbinden. Die Technologie ist großartig darin, Zahlen zu knacken und Muster zu erkennen. Sie weiß aber nicht, wie man diese Erkenntnisse anwenden kann, um reale Geschäftsprobleme zu lösen, zum Beispiel, wie sich ein neues Produkt mit dem gewissen „Wow-Faktor“ oder Marketingpläne entwickeln lässt, die beim Kunden Anklang finden.

Wir wissen seit langem, dass Maschinen die Hilfe von Menschen benötigen, um wirklich effektiv zu sein. Aber Gartner hat Recht: Allzu oft konzentriert sich KI ausschließlich auf die Hände einiger weniger „Zauberer“. Wenn es um KI geht, haben wir den Einfluss des menschlichen Faktors bisher kaum berücksichtigt. In den kommenden zwölf Monaten werden die Unternehmen, die mit KI erfolgreich sein werden, die Technologie aus dem Labor herausholen und die Anwender in allen Fachabteilungen befähigen, sie zur Lösung alltäglicher Probleme einzusetzen. Dies wird wahrscheinlich erhebliche Investitionen in Trainings und Ressourcen erfordern; zudem gilt es abzuwarten, ob CIOs die notwendige Finanzierung und das Engagement des Managements erfolgreich sicherstellen können.

2. Genug gespielt

2019 können wir KI nicht mehr ausschließlich als Spielzeug für die Entwickler im Labor sehen. Die Technologie muss eingesetzt werden – nicht nur für einzelne Anwendungsfälle in einzelnen Abteilungen, sondern unternehmensweit.

KI ist eine ganzheitliche Technologie: Sie funktioniert nur dann wirklich, wenn sie Daten aus verschiedenen Bereichen einer Organisation sammeln kann. Dies erfordert den Aufbau einer interdependenten, vernetzten und integrierten KI-Plattform. Da viele Unternehmen immer noch auf bestehende Infrastrukturen und fragmentierte, isolierte Systeme angewiesen sind, wird die Lösung dieses Integrationsproblems für den Erfolg ihrer KI-Initiativen entscheidend sein.

3. Der einzige Weg ist Ethik

„Verhalte dich nicht böse“ ist ein guter Ratschlag für Menschen und Unternehmen gleichermaßen. Aber was passiert, wenn eine Organisation die Verantwortung für die Entscheidungsfindung an eine Maschine ohne moralische Wertvorstellungen überträgt? Ohne menschliche Aufsicht kann KI spektakulär schief gehen. Man denke nur an den rassistischen Chatbot Tay von Microsoft, die ethischen Schwierigkeiten von Herstellern autonomer Fahrzeuge oder Probleme mit algorithmischer Verzerrung.

2018 war das Jahr, in dem die Sorge um den leichtfertigen Umgang der Organisationen mit Daten allgegenwärtig wurde. CIOs müssen sicherstellen, dass sich diese Fehler 2019 nicht wiederholen und „Ethics by Design“ in ihren KI-Initiativen umsetzen. Sie müssen sich der potenziellen Fallstricke bewusst sein, die darin bestehen, Maschinen zu viel Autonomie zu geben. Dazu sollten sie erwägen, eine Ethikkommission zu ernennen, die Projekte kontrolliert und verhindert, dass Unternehmen sich in moralischen Minenfeldern verirren.

4. Die Diskussion um die Skills kontrollieren

Es gab eine Zeit, als Programmieren die nächste Generation auf die Hightech-Jobs der Zukunft vorbereiten sollte. Glücklicherweise ist die Debatte über Skills nuancierter geworden, aber es konzentriert sich dennoch fast immer noch ausschließlich auf technische Fähigkeiten.

Doch wenn wir ehrlich sind, möchte kein Unternehmen, dass die Belegschaft ausschließlich aus Technologen bestehen – ebenso wenig, wie sie nur aus Geschichtswissenschaftlern bestehen sollte. Tatsächlich bedeutet der Aufstieg von KI, dass wir mehr denn je kreative, menschenorientierte Denker benötigen – Menschen, die sich durch „Soft Skills“ auszeichnen. KI gibt keine eigenständigen Antworten; sie verlangt von den Menschen, die richtigen Fragen zu stellen, die Ergebnisse zu interpretieren und die Erkenntnisse auf die intelligenteste und strategischste Weise anzuwenden.

Der CIO hat eine zunehmend einflussreichere Stimme am Management-Tisch, nicht zuletzt beim Thema Skills. Er muss dafür sorgen, dass die richtigen Fragen gestellt werden und sich für eine Belegschaft einsetzen, die nicht nur aus Programmierern besteht, sondern auch aus kreativen, strategischen und innovativen Mitarbeitern – also, Menschen, die sich mit Menschen auskennen und nicht mit Maschinen. Künftig müssen CIOs die Übersetzer zwischen Wirtschaft und Technologie werden, quasi das Bindeglied, das die beiden Seiten zusammenbringt und einen erheblichen Hebel innerhalb eines Unternehmens schafft.

5. Verantwortung übernehmen

Unternehmen schützen aus gutem Grund ihre eigenen technologischen Entwicklungen. Diese Projekte können die „geheime Zutat“ sein, die sie an die Spitze ihrer Branche katapultiert und es ihnen ermöglicht, revolutionäre, marktführende Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Dies gilt insbesondere für KI-inspirierte Projekte. Organisationen sollten jedoch nicht davon ausgehen, dass ihre Innovationen geheim bleiben werden – oder bleiben sollten.

KI hängt in der Regel von großen Datenmengen ab, die oft von Verbrauchern gesammelt werden. Angesichts der aktuellen Diskussion um personenbezogene Daten, die zum Teil auf die datengestützten Skandale von 2018 zurückzuführen ist, können CIOs von Regierungen, Regulierungsbehörden und Kunden selbst eine viel genauere Prüfung der Art und Weise erwarten, wie sie diese Daten erwerben, verwenden und schützen.

CIOs müssen daher damit rechnen, öffentlich für die von ihnen entwickelten KI-Anwendungen zur Verantwortung gezogen zu werden. Sie sollten sich bei der Planung und Gestaltung ihrer Projekte auf diese Möglichkeit vorbereiten. Das Wissen, dass sie zur Rechenschaft gezogen werden können, gewährleistet, dass CIOs dem Schutz und der Sicherung von Daten sowie anderen bewährten Verfahren die Priorität einräumen, die sie bei der Entwicklung von KI-Projekten verdienen.

Der Autor: John Gikopoulos, Global Head for Automation and Artificial Intelligence (AI), Infosys Consulting.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45676283 / Allgemein)