Refurbishing und Remarketing Softwarelizenzen nutzen sich nicht ab

Von Dr. Stefan Riedl 3 min Lesedauer

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Gebrauchtsoftwarehändler erzeugen lauter Profiteure des Geschäftsmodells – außer vielleicht die Hersteller. Einerseits kommen durch den Cloud-Boom weniger Lizenzen auf den Markt. Andererseits gibt es die Tendenz, dass Workloads aus der Cloud zurückwandern.

Wenn in Projekten alte Hardware aufbereitet wird, kann die Software oft monetarisiert und weiterverwendet werden.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Wenn in Projekten alte Hardware aufbereitet wird, kann die Software oft monetarisiert und weiterverwendet werden.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Der britische Universalgelehrte John Ruskin wird mit dem Satz zitiert „Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten“. In der Gebrauchtsoftwarebranche sieht man das naturgemäß anders. Beispielsweise rechnet Melanie Achten, Geschäftsführerin der MRM Distribution, vor: „An einem gebrauchten Office 2024 oder Windows Server 2025 von MRM sparen Unternehmen 30 bis 40 Prozent.“

Das bewährte Geschäftsmodell

Es ist eine Binsenweisheit, dass sich Software nicht abnutzt, vorausgesetzt es werden Updates gefahren und im Rahmen von Erneuerungsprojekten kommen Volumenlizenzpakete auf den Markt, die Lizenzhändler aufsplitten und neu verkaufen. Doch „die Cloud“, Subscription-Modelle und einhergehend eine schleichende Abkehr von der „ewigen Lizenz“ trüben die Aussichten etwas. Die Metapher von den dunklen Clouds, die aufziehen, liegt nahe.

Melanie Achten hat einerseits keine grundsätzlichen Zweifel an On-Prem, denn dafür würden nach wie vor viele Gründe sprechen: „Teile der Infrastruktur lokal zu halten, das ist im produzierenden Gewerbe genauso gesetzt wie im öffentlichen Sektor oder bei sensiblen Daten.“ Dennoch hat man das Geschäft zum Jahresstart erweitert und ist nun auch Microsoft-CSP-Partner, also ein Player im Cloud-Business. „Wir können klassische Volumenlizenzen liefern und auch Cloud- und Abo-Modelle direkt abbilden – inklusive Lizenzberatung“, erklärt die Managerin.

Cloud Repatriation und Lizenzoptimierung

Bei Soft & Cloud schlägt man in dieselbe Kerbe. Philipp Mutschler, der CEO, postuliert, dass, obwohl Cloud Computing boome, On-Premises ein fester Bestandteil, besonders in regulierten Branchen bleibe. Bei Soft & Cloud zieht man eine perspektivische Verlagerung in Richtung Lizenz­beratung und gemischte Szenarien in Betracht, sprich Cloud und Remarketing nebeneinander. „Wir bauen unser Angebot konsequent aus – sowohl bei On-Premises-Lizenzen aus dem Remarketing als auch mit Cloud-Lösungen und License Advisory Services“, sagt Mutschler. Man arbeitet mit einer wachsenden Anzahl an Partnern zusammen und zusätzlich werden eigene Beratungsprodukte für Lizenzoptimierung, inklusive Cloud Repatriation entwickelt. Diese Entwicklung vom „Gebrauchtsoftwarehändler“ zum „ganzheitlichen Lösungsanbieter für kosteneffizientes Lizenzmanagement“ ist fast schon bei jedem Player im Markt zu beobachten.

Tendenz: Das Gebrauchtsoftware-Angebot verknappt sich

Wie linear führt der Weg in die Cloud? Entgegen der landläufigen Meinung sei dieser Weg nicht vorgezeichnet, wirft Boris Vöge, Vorstand bei Preo Software ein. Tatsächlich beobachtet man bei dem Unternehmen seit etwa 18 Monaten eine signifikante Gegenbewegung: „Unternehmen beginnen, Workloads aus der Cloud zurückzuholen („Cloud Repatria­tion“) – meist aus Kostengründen, teils aus regulatorischer Vorsicht“, so Vöge. Diese Entwicklung belebe den Markt für klassische, perpetuelle Lizenzmodelle. Das Gebrauchtsoftware-Angebot hingegen verknappt sich aus folgendem Grund: Viele Unternehmen wollen bestehende Lizenzen nicht mehr verkaufen, sondern in hybriden Umgebungen weiter nutzen.

Die Rolle US-basierter Cloud-Anbieter

Thomas Huth, Geschäftsführer von Capefoxx, hatte eine maßgebliche Rolle in jenen Gerichtsverfahren gegen Adobe und Oracle, die zu den rechtsweisenden BGH- und EuGH Urteilen führten, die nun die Grundlage für den Handel mit gebrauchten Softwarelizenzen bilden. Huth ist derzeit sehr gespannt, wie es mit dem transatlantischen Datenschutz weitergeht. „Sollte sich die regulatorische Lage weiter verschärfen, könnten viele europäische Unternehmen gezwungen sein, ihre Abhängigkeit von US-basierten Cloud-Anbietern zu überdenken“, so der Manager.

Organisationen wollen endlich unabhängiger von Cloud-Diensten werden oder sehen von einem Umstieg bewusst ab.

Andreas Thyen, Verwaltungsratspräsident, LizenzDirekt

Wirtschaftliche Lage erhöht Kostenbewusstsein

In die Hände der Lizenzhändler spielt, dass das allgemeine Kostenbewusstsein angesichts der wirtschaftlichen Lage steigt, „was die Nachfrage nach preisgünstigeren Secondhand-Lizenzen begünstigt“. Darauf weist Andreas Thyen, Präsident des Verwaltungsrats bei LizenzDirekt, hin. Auch das Thema digitale Souveränität in Europa spiele eine immer größere Rolle. Organisationen wollen demnach unabhängiger von Cloud-Diensten werden. „Sie suchen nach Lösungen, die sie auf ihren eigenen Systemen betreiben können“, sagt der Manager, der darauf hinweist, dass dieses Ziel von der EU schon lange verfolgt werde, es aber bislang an einer ernsthaften Umsetzung haperte.

Das Support-Ende von Windows 10

Ein weiterer Faktor, der den Handel befeuert, ist das Support-Ende von Windows 10 und Office 2019, berichtet Björn Orth, Geschäftsführer bei Vendosoft. „Unternehmen entscheiden sich jetzt zwischen Neukauf oder Wechsel in die Cloud. Beides teure Alternativen.“ Bei Vendosoft bemerkt man, dass vor diesem Hintergrund Budgetverantwortliche noch mehr als sonst gebrauchte Lizenzen in Erwägung ziehen. In den wirtschaftlich angespannten Zeiten, die gerade an der Tagesordnung sind, würde auch die Kostenfrage den Gebrauchtsoftwaremarkt befeuern.

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