Multi-Modell-Ansatz und neue Lizenz-Suite So verwandelt Microsoft KI-Agenten in autonome Kollegen

Ein Gastbeitrag von Tomislav Karafilov* 5 min Lesedauer

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KI-Agenten übernehmen in Microsoft 365 künftig ganze Prozesse eigenständig, externe Sprachmodelle wie Claude ergänzen das Angebot, und die Abrechnung wird komplexer. Damit wachsen zugleich die Anforderungen an Compliance, Governance und Lizenzierung.

Voraussetzungen für einen produktiven und kontrollierten KI-Einsatz sind klare Verantwortlichkeiten, die frühe Festlegung der Modelle und Datenquellen sowie lückenlose Compliance.(Bild: ©  alphaspirit - stock.adobe.com)
Voraussetzungen für einen produktiven und kontrollierten KI-Einsatz sind klare Verantwortlichkeiten, die frühe Festlegung der Modelle und Datenquellen sowie lückenlose Compliance.
(Bild: © alphaspirit - stock.adobe.com)

Copilot Wave 3 treibt die KI-Integration einen weiteren, deutlichen Schritt voran. Im Zentrum stehen drei Verschiebungen. Copilot Chat öffnet sich für Modelle jenseits von OpenAI, KI-Agenten erhalten eine eigene Identität und damit Teammitglied-Status, und die Lizenzlogik wächst um eine Suite, die den gesamten KI-Stack bündeln soll. Für IT-Entscheider bedeutet das vor allem eines: mehr Gestaltungsspielraum bei gleichzeitig wachsender Komplexität in der Steuerung.

Microsoft löst sich mit Copilot Wave 3 von der bisherigen Exklusivität für GPT-Modelle. Copilot Chat, Copilot Cowork und Copilot Studio öffnen sich für weitere Anbieter, allen voran Anthropic mit seinen Claude-Modellen. Der Hersteller begründet den Schritt mit dem Wunsch, Lock-in-Effekte zu vermeiden und Kunden je Use Case das jeweils passende Modell zur Verfügung zu stellen. Copilot Chat übernimmt die Modellwahl standardmäßig automatisch, wer mehr Kontrolle möchte, kann manuell eingreifen. Welcher Anbieter aktuell führt, ändert sich in diesem Wettbewerbsfeld fortlaufend, eine Momentaufnahme taugt kaum als Entscheidungsgrundlage für die kommenden Monate.

Multi-Modell-Strategie und Compliance zusammen denken

Genau an dieser Öffnung hängt die eigentliche Herausforderung: die Frage nach der Datenverarbeitung. Anthropic ist als Subprozessor für Microsoft Online Services gelistet und erfüllt die vertraglichen Voraussetzungen über das Data Protection Addendum (DPA) und die Enterprise Data Protection (EDP).

Verarbeitet werden die Daten dennoch außerhalb der EU. Microsoft und Anthropic haben eine Datenresidenz in Europa in Aussicht gestellt, bis diese vorliegt, bleiben die Claude-Modelle für EU- und UK-Tenants standardmäßig deaktiviert. Administratoren müssen sie im Microsoft 365 Admin Center bewusst freischalten und dabei abwägen, ob die aktuellen Rahmenbedingungen für ihr Unternehmen akzeptabel bleiben. Immerhin überträgt Anthropic nur Prompts mit minimalem Kontext und speichert keine Kundendaten. Zusätzlichen Schutz für sensible Dokumente bieten Sensitivity Labels in Microsoft Purview.

Diese Entscheidung gehört nicht allein in die Hände einzelner Fachbereiche, sondern in eine abgestimmte Modellstrategie zwischen IT, Sicherheit und Recht. Modellangebot und vertragliche Rahmenbedingungen entwickeln sich kontinuierlich weiter. Deshalb lohnt sich die laufende Beobachtung durch spezialisierte Berater, die Modellmarkt und Compliance-Implikationen gemeinsam im Blick behalten.

Agenten und Cowork verantworten

KI-Agenten avancieren in Copilot Wave 3 vom Werkzeug zum digitalen Teammitglied. Sie erhalten eine eigene Identität und eigene Zugriffsrechte, zusätzlich lässt sich ihnen eine eigene Lizenz zuordnen. Aus Copilot Chat heraus lassen sich Agenten für Excel, Word und PowerPoint direkt ansteuern. Neben den von Microsoft bereitgestellten Agenten können Unternehmen eigene Agenten mit Copilot Studio bauen oder Angebote von Drittanbietern über Konnektoren einbinden, was den Verwaltungsaufwand zusätzlich erhöht.

Zur zentralen Steuerung der wachsenden Agenten-Landschaft dient die neue Plattform Microsoft Agent 365. Sie deckt die Bereiche Beobachten und Steuern ab und ergänzt diese um Absicherungsfunktionen, gestützt auf die Integration mit Microsoft Entra, Microsoft Purview und Microsoft Defender.

Mit Copilot Cowork geht Microsoft einen Schritt weiter. Statt einzelner Aufgaben übernimmt Copilot Cowork komplette Geschäftsprozesse als Ziel und erledigt die notwendigen Schritte eigenständig, von der Planung bis zur Ausführung. Aus „Arbeit schneller erledigen“ wird damit „Arbeit vollständig delegieren“. Da die Abrechnung nutzungsbasiert über Copilot Credits erfolgt, wird jede eigenständig ausgeführte Aktion wirtschaftlich relevant, eine bewusste Auswahl geeigneter Prozesse zahlt sich vor einer breiten Ausrollung aus.

Datenbasis optimieren und Governance einhalten

Diese Autonomie funktioniert nur mit der passenden Datenbasis. Ein Praxisbeispiel zeigt, wie folgenreich vermeintliche Kleinigkeiten sein können. Ein Unternehmen wollte Informationen aus dem internen SharePoint über einen KI-Agenten erschließen, erhielt auf einfache Fragen aber zunächst falsche Antworten. Der Grund lag in der Ablagestruktur. Die Inhalte steckten in häufig gestellten Fragen mit aufklappbaren Elementen, für Menschen gut auffindbar, für den Agenten jedoch unsichtbar. Erst als das Unternehmen die Überschriften in den Fließtext überführte, lieferte der Agent zuverlässige Treffer.

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Ebenso wichtig wiegt die Frage der Verantwortung. Werden Agenten im Team oder abteilungsweit geteilt, verliert sich schnell der Überblick darüber, was ein Agent kann und wo seine Grenzen liegen. Bewährt hat sich, für jeden Agenten einen Besitzer zu benennen, der dokumentiert, wofür sich der Agent eignet, auf welche Daten er zugreift und wo seine Grenzen liegen. Für unternehmensweit eingesetzte Agenten gelten dieselben Anforderungen wie für jede geschäftskritische Anwendung: Die IT-Abteilung kennt sie, sie durchlaufen eine Risikobewertung und erhalten einen Eintrag im Ticketing-System.

Qual der Wahl bei Kosten und Lizenzierung

Auch bei der Lizenzierung wächst mit Copilot Wave 3 die Zahl der Stellschrauben. Microsoft kombiniert die integrierte Lizenz pro Nutzer mit Credits, Input- und Output-Token-Modellen sowie Pay-as-you-go-Optionen. Copilot Studio wiederum rechnet über Credits ab, wobei einzelne Aktionen je nach Komplexität unterschiedlich stark ins Gewicht fallen. Die Grundregel bleibt einfach: Je granularer Unternehmen im Baukastensystem einzelne Funktionen zusammenstellen, desto aufwendiger wird die Kostenberechnung. Am einfachsten zu kalkulieren erweist sich die integrierte Pauschallizenz, da hier Kosten unabhängig von der tatsächlichen Nutzungsintensität entstehen.

Ergänzend bringt Microsoft die neue Microsoft 365 E7 Suite auf den Markt, die den KI-Stack samt Sicherheitsfunktionen unter einer Lizenz bündelt. Sie richtet sich an Unternehmen, die KI bereits flächendeckend nutzen und die Pilotphase hinter sich haben. Für punktuellen KI-Einsatz lohnt sich dagegen oft eine gezieltere, kleinteiligere Lizenzierung. Welche Variante wirtschaftlich sinnvoller ist, hängt vom individuellen Nutzungsprofil ab. Vor einer Festlegung lohnt sich eine strukturierte Kostenrechnung, idealerweise mit Unterstützung durch einen Partner, der Lizenzmodelle im Detail vergleichen kann.

KI-Strategie jetzt festlegen

Mit dem Multi-Modell-Ansatz, Microsoft Agent 365, Copilot Cowork und der neuen Lizenz-Suite erweitert Microsoft den KI-Stack in Microsoft 365 spürbar. Mit den Möglichkeiten wachsen zugleich die Anforderungen an Modellwahl, Compliance, Agenten-Governance und Lizenzierung.

Wer KI-Funktionen unkoordiniert einzelnen Teams überlässt, riskiert Compliance-Lücken, unklare Verantwortlichkeiten und eine kaum noch nachvollziehbare Kostenstruktur. Wer dagegen frühzeitig festlegt, welche Modelle und Datenquellen zugelassen werden, wer für welchen Agenten verantwortlich zeichnet und welches Lizenzmodell zum eigenen Nutzungsprofil passt, schafft die Grundlage für einen produktiven und kontrollierten KI-Einsatz. Angesichts des Innovationstempos lohnt sich für viele Unternehmen der Blick auf externe Spezialisten, die den Markt kontinuierlich beobachten und die Organisation Schritt für Schritt durch die nächsten Entwicklungsstufen begleiten.


* Der Autor Tomislav Karafilov ist Principal Consultant bei der SoftwareOne Deutschland GmbH und ein erfahrener Experte für Microsoft-Technologien. Seine Expertise liegt in den Bereichen Power Platform, Microsoft 365 und Copilot. Seit 2020 wird Tomislav von Microsoft als Most Valuable Professional (MVP) in den Kategorien „Business Applications“ und „M365“ ausgezeichnet.

Bildquelle: SoftwareOne

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