Der Wunsch nach erdölfreier Mobilität wächst aktuell stärker denn je. Mit solarbetriebenen E-Fahrzeugen hat Sono Motors eine sonnengereifte Lösung für mehr Klimaschutz entwickelt. Jetzt setzt das junge Unternehmen auf schnelles und weltweites Wachstum – mithilfe eines ERP-Systems in den Bereichen Finanzen und Produktion.
Das SAP-Team hat Sono Motors im Hypergrowth Catalyst Program dabei beraten, wie es seine gesamte Wertschöpfungskette sinnvoll digitalisieren kann.
(Bild: Sono Motors)
Eine Frage lässt Jona Christians und Laurin Hahn nicht los: Wie können sich Menschen weltweit in Zukunft ohne Erdöl flexibel und nachhaltig fortbewegen? Die Antwort fanden sie nach jahrelangem Tüfteln in der Garage 2015 im Sion: einem E-Auto, das sich selbst wieder auflädt – mit Hilfe von Solarzellen, die in die gesamte Karosserie integriert sind. Ein Jahr später gründeten sie dann gemeinsam mit Navina Pernsteiner Sono Motors, um ihren Traum von sonnengetankter Mobilität global zu realisieren.
Ihr Antrieb ist heute aktueller denn je: Wäre Deutschland in Sachen regenerativer Energie schon weiter, bräuchten wir womöglich nicht über die Konsequenzen eines Öl-Embargos sprechen. Doch Erdöl war im vergangenen Jahr der größte Primärenergieträger – mit knapp 31 Prozent. Ein Großteil geht davon für Transport und Mobilität drauf. Immerhin: Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeuge haben den weltweiten Bedarf im Jahr 2021 um fast 1,5 Millionen Barrel Öl pro Tag reduziert – das macht etwa drei Prozent der Gesamtnachfrage aus.
Auto-Teilen neu gedacht
Mit ihrem solarbetriebenen Auto bietet das Team von Sono Motors eine neue Mobilitätsform an. Im Gegensatz zu bisherigen E-Fahrzeugen ist der Sion unabhängiger von der Ladeinfrastruktur. Der Erstausrüster (Original Equipment Manufacturer, kurz OEM) gibt an, dass Berufspendelnde in Metropolregionen ihren Sion viermal weniger laden müssen als Besitzer von Elektroautos mit gleicher Batteriegröße und Verbrauch. Flexibel nutzbar macht ihn auch die Sono-App: Über sie lässt sich der Sion per Car- und Ride-Sharing, aber auch der getankte Strom ganz einfach teilen – genannt Power-Sharing.
Und die Vision begeistert: Durch verschiedene Crowdfunding-Kampagnen sammelte das Unternehmen finanzielle Mittel zur Entwicklung der ersten Konzeptfahrzeuge und Prototypen. Seit November 2021 ist Sono Motors an der NASDAQ börsengelistet. Derzeit baut der Hersteller eine Flotte von Serien-Validierungsfahrzeugen und läutet damit das Erprobungsprogramm des Sion ein. Der Start der Serienproduktion des Sion ist für 2023 geplant.
ERP-Cloud federt Herausforderungen ab
Im Oktober 2018 wurde das SAP-Team des Hypergrowth Catalyst Program auf den jungen OEM aufmerksam. Denn die Münchner überzeugen mit visionärem Geschäftssinn und innovativem Plattformgeschäft. Das Ziel des Programms: in kurzer Zeit professionelle IT- und Business-Strukturen aufbauen. SAP weiß, wie die passende Software und das richtige Mindset das Unternehmen kräftigen. Die Mischung aus Best-Practice-Strategien und frischem Unternehmergeist sorgt auf beiden Seiten für eine spannende Zusammenarbeit. Die individuelle Zielsetzung der teilnehmenden Gründerinnen und Gründer bestimmt dabei Tempo und Dauer des Programms.
Die globale Mission nimmt Fahrt auf: Im Juli 2022 waren bereits über 19.000 Sion reserviert. Damit das junge Unternehmen diese Menge auch stemmen kann, stützt Sono Motors sein Geschäft seit 2021 mit „RISE with SAP S/4HANA“ auf der SAP Business Technology Platform. Das Unternehmen entschied sich für eine Private-Cloud-Lösung, die auf Google-Servern läuft. Der Hyperscaler punktete, weil er seine Rechenzentren klimaneutral betreibt, zudem kann der OEM auf diese Weise seine Wachstumsstrategie technisch flexibler verfolgen. Mit Erfolg: Mittlerweile beschäftigt es mehr als 300 Mitarbeitende.
Das SAP-Team hat Sono Motors im Hypergrowth Catalyst Program dabei beraten, wie es seine gesamte Wertschöpfungskette sinnvoll digitalisieren kann. Nach einer gemeinsamen Entwicklungsphase unterstützt nun das ERP-Cloud-System in den Bereichen Finanzen und Buchhaltung sowie Warenwirtschaft und Lieferkettenmanagement. Die Vorteile: Bei einem Auto, dessen Produktion mehrere Tausend Materialien erfordert, behält die Software den Überblick – etwa über den Lagerbestand und den Status quo der Herstellung.
Auch die Zusammenarbeit mit Partnern und Zulieferern ist dadurch einfacher geworden. Schließlich ist SAP-Software in der Automobilbranche stark verbreitet, was eine technisch reibungslose Kommunikation erleichtert. Über das ERP-System hat Sono Motors direkten Einblick in ein digitales Netzwerk und kann die Administration über die Software abwickeln. SAP und Partner Uniorg implementierten die Lösung in etwa zehn Monaten.
Stand: 08.12.2025
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Nachhaltige Mobilität, nachhaltiges Wirtschaften
In einer guten Sommerwoche in München kommt der Sion allein mit Solarstrom bis zu 245 Kilometer weit, ohne an eine Ladestation angeschlossen zu sein. Im Durchschnitt sind es 112 Kilometer pro Woche bei Münchner Wetterbedingungen. Ganz im Sinne seiner Klimaschutz-Mission nutzt das Unternehmen die Digitalstrategie, um auch im Produktionsprozess hohe Maßstäbe an ökologische Nachhaltigkeit umzusetzen.
Über ein Dashboard der Cloud-Technologie können Mitarbeitenden in Zukunft entsprechende Reporte und Statistiken erhalten. Mithilfe dieser in SAP S/4HANA gespeicherten Daten können sie die verursachten Emissionswerte und andere ökologischen Kriterien auswerten und korrigierende Maßnahmen einleiten – nicht nur innerhalb des eigenen Produktionsprozesses, sondern auch mit Blick auf ihre Zulieferfirmen. Das lässt sich bis auf den Fußabdruck eines einzelnen Autos zuschneiden.
Dieser hohe Anspruch an Nachhaltigkeit überträgt sich auch auf die Auswahl des Digitalisierungspartners: SAP überzeugte durch klimaneutral betriebene Datenzentren und einer Zero-Waste-Strategie. Künstliche Intelligenz (KI) soll in Zukunft daran anknüpfen: Ist der Datenpool des OEM ausreichend herangewachsen, kann das Tracking der Emissionen automatisiert sowie zur Vorhersage und Planung genutzt werden. Dazu analysiert die SAP Analytics Cloud (Echtzeit-)Daten und berechnet mittels KI, wie sich Lieferungs- und Produktionsprozesse optimieren lassen.
Vom Individualverkehr zum ÖPNV
Mit der effizienten Cloud-Lösung stellt sich das Team zudem bestmöglich für den Wachstumskurs auf. Denn neben PKW-Karosserien sieht das Münchner Unternehmen seine Photovoltaik-Technologie auch auf öffentlichen Verkehrsmitteln, LKW und Booten. Die Solarmodule lassen sich sowohl nachträglich als auch während der Produktionsphase in die Karosserien integrieren. In München arbeitet Sono Motors bereits mit den städtischen Verkehrsbetrieben zusammen. Das Unternehmen erwartet, dass eine ~1,4 kW Peak-Installation von Solarmodulen auf etwa acht Quadratmetern bis zu 1.500 Liter Diesel und bis zu vier Tonnen CO2 pro Bus und Jahr eingespart.
* Über die Autoren Jan Gutknecht und Tino Albrecht haben das Hypergrowth Catalyst Program gegründet. Jan Gutknecht ist Senior Business Development Specialist und Tino Albrecht arbeitet als Business Architect bei SAP Deutschland.