Unfälle mit Containerschiffen oder nicht verfügbare Computer-Chips am anderen Ende der Welt haben gezeigt, welchen dunklen Schatten auch fernen Ereignisse auf das lokale Produktionsgeschäft haben. Was bedeutet das für die Produktionsplanung der Zukunft?
Herauszufinden, welches Planungstool für welche Planung das richtige ist und wie diese zusammenspielen, ist der erste Schritt im Aufbau einer Planungsarchitektur.
Nur mit kurzfristigem Umplanen der Produktionskapazitäten konnten Hersteller auf die Lieferkettenstörungen vergangener Monate reagieren. Diese Ereignisse und sich dynamisch veränderte Märkte machen diese Kurzfristigkeit mittlerweile zur Regel statt zur Ausnahme. Doch was bedeutet Produktionsplanung eigentlich?
In den meisten Unternehmensbereichen von Industrieunternehmen finden Planungen statt, deren Ergebnis Einfluss auf die Produktionsausführung in den Werken hat. Das Vorgehen und die dahinterliegenden Prozesse unterscheiden sich dabei deutlich: Angefangen von einer Grobplanung, die sich zu allererst hauptsächlich auf Finanzkennzahlen und Umsätze der einzelnen Produktgruppen bezieht, bis hin zur konkreten Feinplanung und Einplanung einer ganz konkreten Maschine in der nächsten Schicht mit einen tatsächlich verfügbaren Werker und seinen Werkzeugen.
Aufbau einer Planungsarchitektur
Jeder Planungsprozess wird von einem oder mehreren Systemen, Tools oder auch nur Excel-Tabellen unterstützt. Um die passende Software für einen konkreten Planungsprozess zu finden, bietet es sich an, das Unternehmen in seine Prozess-Architektur zu zerlegen.
Feinplanungstools, wie das PPDS des APOs, befinden sich zwar nicht direkt im ERP-System, sondern müssen über eine eigene Schnittstelle (hier: die Standardschnittstelle CIF) erst angebunden werden. Darüber kann auf die für die Feinplanung wichtigen Daten wie Termine oder Stücklisteninformationen zugegriffen werden. Dadurch werden Änderungen, die direkt im ERP-System erfasst werden, direkt an das Feinplanungstool gemeldet. So wird dieses etwa einen Alarm auslösen, wenn ein Kunde sein Wunschlieferdatum nach vorne zieht. Über ein eigenes Regelwerk in dem Feinplanungstool, das beispielsweise Heuristiken zur Rüstoptimierung oder der Losgrößenplanung beinhaltet, lässt sich dann automatisch auf die Veränderung im ERP-System reagierten. Ein Ergebnis könnte dann beispielsweise sein, dass eine Verschiebung des Auftrags nach vorne nicht möglich ist, weil dann die Produktionskampagne eines Vorproduktes ineffizient verändert werden müsste. Da diese Form der Planung Informationen und Daten verschiedener Unternehmensbereiche, beispielsweise dem Vertrieb, der Lagerhaltung und dem Einkauf verbindet, spricht man auch von einer horizontalen Integration.
Unterscheidung von Fein- und Einplanung
Unterschied der Fein- und Einplanungsebene
(Bild: Trebing + Himstedt)
Einen Einblick auf die tatsächliche und gegenwärtige Situation im Werk selbst, mit all seinen Maschinen und Mitarbeitern, Werkzeugen und Beständen in den Produktionsbereichen, hat das Feinplanungstool in der Regel nicht. Eine vertikale Integration hinein in den sogenannten Shopfloor besteht nicht. Das darf aber nicht als Schwäche des Systems verstanden werden, sondern entspricht vielmehr dem System-Design.
In diesem produktionsnahen Bereich kommen Einplanungs- oder Schichtplanungstools wie die SAP-Lösung Resource Orchestration (kurz: REO) zum Einsatz. Diese Tools stehen mit den Machine-Execution-Systemen (kurz: MES) im direkten und ständigen Austausch und erhalten von dort automatisierte Informationen von den Maschinen selbst. So kann beispielsweise die produzierte Menge gemeldet werden, genauso wie Zeiten und die Anzahl an Fehlteilen. Künstliche Intelligenz kann über Geräusche oder Fehlermuster erkennen, dass die Maschine in ein Problem hineinläuft und diese Information an das MES – und damit auch an das Einplanungstool – senden.
Sind die Feinplanungstools dann stark, wenn es um die horizontale Integration zwischen den Unternehmensbereichen geht, so spielen die Einplanungstools ihren Vorteil dann aus, wenn es um die vertikale Integration bis zur Maschinenebene geht: Welche Maschine ist gerade ausgelastet und welche hat freie Kapazitäten, weil ein vorhergehender Auftrag ausgefallen ist? Welche Anlage wiederum steht gerade unerwartet, weil ein Techniker ein Software-Update einspielen muss? Welcher Mitarbeiter hat sich gerade krankgemeldet? Und welche Aufträge mit einer hohen Priorität wurden gerade eben im ERP-System für die Fertigung freigegeben?
Drag & Drop-Einplanung in der Cloud
(Bild: Trebing + Himstedt)
Gefahr erkannt – Gefahr gebannt
Die Kenntnis, welches Planungstool für welche Planung das richtige ist und wie diese zusammenspielen, ist die eine Sache. Doch wie wird diese Kenntnis dann auch nutzbar gemacht? Oftmals stehen für eine derartige Implementierung langfristige und komplexe Einführungsprojekte auf dem Plan. Implementierungsprojekte wiederum bergen ein Projektrisiko, das Einführungen scheitern lässt, weil die Funktion doch nicht passt, die Anwendung von der Belegschaft schlichtweg nicht akzeptiert wird oder technische Schnittstellen fehleranfällig sind.
Stand: 08.12.2025
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Doch hier haben zumindest Einplanungstool einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Feinplanungstools: Sie befinden sich am Rand der Systemlandschaft und architektonisch nicht im Zentrum der hochintegrierten ERP-Prozesse. Daher bietet sich für Einplanungstools die Einführung einer Cloud-Lösung an, wie sie beispielsweise für das erwähnte SAP REO angeboten wird.
Damit werden Planungsprozesse und Systemlandschaft in erster Linie nur ergänzt und erweitert, die bestehenden Prozesse aber nicht berührt. Die Einführung einer solchen Einplanungslösung stellt daher kaum ein Projektrisiko dar: Alle Prozesse würden auch dann noch wie gewohnt laufen, wenn die Lösung nicht genutzt wird. Wird sie aber genutzt, können hohe Optimierungspotenziale auf dem Kurzfristhorizont der Produktionsplanung gehoben werden: Weniger ungeplante Stillstände, weil Maschinen ohne Auftrag dastehen oder ein Mitarbeiter mit seinem Werkzeug oder seiner Qualifizierung fehlt.
So lässt sich die Einplanung mithilfe von Cloud-Tools optimieren.
(Bild: Trebing + Himstedt)
Vor allem eine Cloud-Lösung bietet hier noch weitere Vorteile: Ein Cloud-System muss nicht installiert, gewartet und gepatcht werden. Es handelt sich um einen Service, dessen Wartung der Anbieter für seine Kunden übernimmt und deren Funktionsumfang kontinuierlich zunimmt. Somit enthält diese Lösung deutlich weniger Hürden, um sofort zu starten.
* Der Autor Steffen Himstedt ist Co-Founder und Geschäftsführer von Trebing + Himstedt.
Dieser Gastbeitrag ist erstmals auf unserem Partnerportal Industry of ThingsIndustry of Things erschienen.