Ratgeber und Rückzugsräume für Konferenzteilnehmer

Psychische Probleme in der Tech-Branche

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Die gemeinnützige Organisation Open Sourcing Mental Illness (OSMI) liefert Ratgeber zur geistigen Aufrechterhaltung der Gesundheit während Konferenzen.
Die gemeinnützige Organisation Open Sourcing Mental Illness (OSMI) liefert Ratgeber zur geistigen Aufrechterhaltung der Gesundheit während Konferenzen. (Bild: Srocke)

In der Open-Source-Welt legt man nicht nur seinen Code offen, sondern spricht mittlerweile auch ganz offen über Burnout, Depression sowie weitere psychische Probleme. Und die könnten in der IT-Branche deutlich verbreiteter sein als anderswo.

Bei mehr als jeder zweiten Person in der Tech-Branche wurde bereits eine Geisteskrankheit oder zumindest psychische Angeschlagenheit diagnostiziert, so das Ergebnis einer 2016 von der gemeinnützigen Organisation Open Sourcing Mental Illness (OSMI) durchgeführten Umfrage. Damit wären psychische Probleme in der IT-Welt deutlich verbreiteter als im Durchschnitt der Gesellschaft, sagt Dr. Jennifer Akullian, und verweist auf einen Referenzwert von 20 Prozent.

Akullian ist Industrial and Organizational Psychologist, Gründerin des Growth Coaching Institute und selbst betroffen. Nachdem bei der damals 18-Jährigen Depressionen festgestellt wurden, sollte es noch zwölf Jahre dauern, bis ihre bipolare Störung schließlich korrekt diagnostiziert und medikamentös eingestellt wurde. Heute kämpft Akullian gegen eine Stigmatisierung geistiger Leiden und wurde in diesem Kontext auch als Referentin zur diesjährigen KubeCon + CloudNativeCon Europe 2019 geladen. Deren Veranstalter widmeten dem Thema zusätzlich auch einen eigenen Messestand.

Als Anlaufstelle für gestresste Konferenzteilnehmer war der Stand mit Freiwilligen besetzt, darunter Mark Coleman vom Anbieter Implicit-Explicit. Wenngleich wir vor Ort keine akuten Notfälle bezeugen konnten, scheint der Bedarf für eine Betreuung nicht aus der Luft gegriffen. Im Gespräch schilderte uns Coleman, dass es bei zurückliegenden Konferenzen tatsächlich einige wortwörtlich in Tränen aufgelöste Besucher gegeben habe.

Und genau dies sei auch der Anlass für die jetzige Zusammenarbeit mit OSMI. Die Organisation hat ein Handbuch mit „Guidelines for Mental Wellness at Conferences“ zusammengestellt, das auf der KubeCon + CloudNativeCon verteilt wurde. Darin zu finden sind allgemeine Verhaltensregeln und Aspekte, die sich direkt oder indirekt auf das seelische Wohlbefinden der Kongressbesucher auswirken sollen.

Zusätzlich hatten die Veranstalter der Konferenz auch noch einen „Quiet Room“ eingerichtet, in den sich Besucher bei Bedarf jederzeit zurückziehen konnten. In dem abseits gelegenen Besprechungsraum galt absolutes Kontaktverbot.

Dennoch, und das macht auch Akullian immer wieder klar: Genug Schlaf, Rückzugsmöglichkeiten oder Hygiene können zwar zum mentalen Ausgleich beitragen oder einen Burnout bremsen. Geistige Krankheiten bleiben aber trotz alledem Hirnleistungsstörungen, die es ohne falsche Scham medizinisch zu behandeln gilt.

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