Nextcloud-Release mit umfassenden Neuerungen Nextcloud Hub 25 Autumn: Mehr Kontrolle, mehr KI, mehr Souveränität

Von Thomas Joos 8 min Lesedauer

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Nextcloud Hub 25 Autumn markiert einen umfassenden Umbau der Plattform. Das Update erweitert nicht nur Funktionsumfang und Interface, sondern verändert auch zentrale technische Strukturen.

Das Nextcloud-Update Hub 25 Autumn stärkt die digitale Souveränität durch Self-Hosting, offene Standards und lokale KI-Verarbeitung.(Bild: ©  deagreez - stock.adobe.com)
Das Nextcloud-Update Hub 25 Autumn stärkt die digitale Souveränität durch Self-Hosting, offene Standards und lokale KI-Verarbeitung.
(Bild: © deagreez - stock.adobe.com)

Das Update Nextcloud Hub 25 Autumn (Serverversion 32.x.x) erweitert nicht nur Funktionsumfang und Benutzeroberfläche, sondern verändert auch zentrale technische Strukturen. Ziel bleibt die digitale Souveränität von Unternehmen, Behörden und Bildungseinrichtungen durch lokale Datenhaltung, quelloffene Architektur und vollständige Kontrolle über KI-gestützte Funktionen.

Umfassendes Redesign: Neue Oberflächen und konsistentes Nutzererlebnis

Die Benutzeroberfläche wurde vollständig überarbeitet. Buttons besitzen nun eine sichtbare Erhebung, Eingabefelder sind leicht vertieft. Outline-Icons ersetzen zahlreiche Vollsymbole und verändern die visuelle Balance. Aktive Elemente erscheinen in ausgefüllter Form, wodurch Zustände sofort erkennbar sind. App-Icons erhielten Farbverläufe und wirken durch den Kontrast zum blauen Hintergrund plastischer.

Die Anwendung startet mit einem neuen Standardhintergrund, der sich an das Branding von Hub 25 Autumn anlehnt. Diese visuelle Konsistenz zieht sich bis in die Kopfzeile und das Menüsystem. Die Struktur bleibt bewusst minimalistisch, jedoch mit stärkerer Tiefenwirkung und besserer Orientierung in komplexen Oberflächen.

Beispielinhalte und Vorlagen erleichtern Einstieg in die Suite

Zur Vereinfachung des Einstiegs enthält Nextcloud Hub 25 nun Beispielinhalte in Talk, Deck, Collectives, Tables, Files, Contacts und Calendar. Diese Funktion verdeutlicht den möglichen Workflow innerhalb der Suite. In Deck erscheinen vordefinierte Karten, in Calendar Testtermine, und in Talk eine Beispielunterhaltung.

Hinzu kommen elf neue Dateivorlagen für Dokumente, Tabellen und Präsentationen sowie sechs überarbeitete Varianten für Standardaufgaben. Administratoren können eigene Vorlagen global bereitstellen und sicherstellen, dass Teammitglieder einheitliche Unternehmenslayouts verwenden. Diese Neuerung erleichtert den Start, erhöht aber auch die Notwendigkeit zentraler Verwaltung und Versionierung von Templates.

Nextcloud Office: Mehr Kompatibilität, neue Layouts und sichere Freigaben

Nextcloud Office erhielt mehrere funktionale Änderungen. Neue Farbschemata kennzeichnen Dokumente, Tabellen und Präsentationen, wodurch der Typ einer Datei auf den ersten Blick erkennbar ist. Symbolleisten sind neu geordnet, selten genutzte Funktionen wurden zusammengefasst, häufige Aktionen vergrößert dargestellt. Tabs wie Layout, Design, Transition oder Page Layout strukturieren das Interface.

Office unterstützt nun OOXML als Standardformat, was die Kompatibilität mit Microsoft-Dokumenten verbessert. Eine weitere Neuerung betrifft Secure View in Kombination mit Nextcloud Talk. Dokumente können während einer Konferenz geteilt werden, ohne dass Teilnehmer Inhalte lokal speichern.

Im Navigationsbereich lassen sich Überschriften, Kommentare und Medien durchsuchen. Die Suchfunktion in der Seitenleiste erleichtert die Navigation in umfangreichen Dateien. Der neue Kontextbefehl zeigt Formatierungsoptionen direkt am markierten Text. Diese Änderungen führen zu effizienterer Bedienung, erfordern aber bei älteren Add-ins Anpassungen.

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Markdown, Collectives & Whiteboard: Intelligente Tools für Zusammenarbeit

  • Nextcloud Text zeigt beim Erstellen eines Dokuments nun eine Vorschlagsleiste, die über Funktionen und Befehle informiert. Über Drag-Handles können Textblöcke und eingebettete Objekte wie Tabellen oder Karten leichter verschoben werden. Neu ist die Möglichkeit, Markdown-Dateien mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung direkt im Browser anzuzeigen.
  • In Collectives wurde die Startseite neugestaltet. Jede Sammlung verfügt über eigene Vorlagen, farbige Seitentags und eine klarere Versionshistorie. Diese Änderungen verbessern die interne Dokumentation und erhöhen die Nachvollziehbarkeit von Änderungen.
  • Nextcloud Deck kann Boards über die Weboberfläche importieren und exportieren. Über neue OCC-Befehle lassen sich Kalenderfunktionen global aktivieren oder deaktivieren.
  • Nextcloud Tables erhielt Inline Editing und entfernt automatisch Zeilen, die nach einer Bearbeitung nicht mehr den Filterbedingungen entsprechen.
  • Das Whiteboard-Modul bietet nun Grid-Unterstützung, einen Präsentationsmodus, Textsuche, sowie die Möglichkeit, Formen in einer Bibliothek zu speichern und mit anderen zu teilen. Teilnehmer können einem Präsentator folgen.
  • Mit dem Nextcloud Assistant lassen sich Diagramme durch einfache Textbeschreibung als Mermaid-Grafik generieren.

Nextcloud Talk mit Threads, Transkriptionen und KI-Assistenz

Nextcloud Talk integriert Threads, um Nebenunterhaltungen strukturiert darzustellen. Darüber hinaus gibt es Event Conversations, die Chats mit Kalendereinträgen verbinden. Nachrichten lassen sich nun als „Sensitive Conversation“ markieren, wodurch sie besonderen Schutz erhalten. „Important Conversations“ priorisieren geschäftskritische Chats und heben sie in der Übersicht hervor. Ein neuer „Busy“-Status signalisiert automatisch während Anrufen oder Meetings eingeschränkte Erreichbarkeit. iOS-Nutzer erhalten ein Blasenlayout, das sich an etablierten Messengern orientiert.

Talk unterstützt Live-Transkriptionen, die lokal mit dem Assistant erzeugt werden. Sie dienen als Untertitel oder Protokollhilfe. Das System kann zudem Sticker über den Smart Picker generieren und aus Textaufforderungen Bilder erstellen, auch in Nextcloud Files über das „+“-Menü. Diese Funktionen steigern Komfort und Barrierefreiheit, erhöhen aber zugleich den Ressourcenbedarf auf Servern.

Mail, Calendar und Contacts

Nextcloud Mail führt Quick Actions ein. Damit lassen sich E-Mails schneller markieren, verschieben oder weiterleiten. Filterregeln können direkt aus einer Nachricht erstellt werden. Außerdem lassen sich wiederkehrende Textblöcke speichern und einfügen. Das Threading kann optional deaktiviert werden.

Im Kalender erleichtert eine neue Terminabfrage das Planen gemeinsamer Besprechungen. Interne Teilnehmer sehen die freie Zeit ihrer Kollegen, externe erhalten eine Abstimmungsseite. Nach der Rückmeldung fixiert das System automatisch den endgültigen Termin. Diese Funktion reduziert Planungsaufwand, ist aber auf korrekte Synchronisation angewiesen.

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Contacts bietet jetzt Multiselect-Funktionen und eine optimierte Synchronisation großer Adressbücher durch Trunkierung der Sync-Vorgänge.

Suchfunktionen und neue Clients

Die Dateisuche wurde überarbeitet. Nutzer tippen in der Dateiliste und erhalten sofort gefilterte Ergebnisse. Mit dem Befehl „Everywhere“ lässt sich die Suche auf die gesamte Instanz ausdehnen. Die Foto-App erlaubt das Erstellen von Alben auf Basis von Suchfiltern.

Die iOS-App wurde vollständig neu geschrieben. Uploads laufen bis zu doppelt so schnell, Instabilitäten wurden laut interner Tests um 80 Prozent reduziert. Dateien lassen sich über zwei parallele App-Instanzen auf dem iPad zwischen verschiedenen Konten verschieben. Nutzer können per Pinch-Geste in der Medienansicht zoomen.

Das Design folgt dem neuen Liquid-Glass-Stil von iOS 26 mit transluzenten Bedienelementen. Auf Android wurden Navigation und Drawer neugestaltet, Gruppen im Menü lassen sich manuell sortieren. Die App nutzt nun ausschließlich WebDAV für Dateifreigaben.

Nextcloud Assistant mit erweitertem Agentensystem

Der Nextcloud Assistant bleibt das zentrale Experimentierfeld für lokale KI. Er läuft vollständig auf eigenen Servern, ohne Daten an Dritte zu übermitteln. Neben den bekannten Funktionen wie Textzusammenfassungen, Transkripten und Sticker-Erstellung wurden neue Agenten eingeführt, die Aufgaben im System automatisieren.

Der Assistent kann Kalender prüfen, Aufgaben anlegen, Routen planen, Dokumente erzeugen, OpenProject-Projekte abfragen oder Videos suchen. Durch die neue Agentensteuerung lassen sich Leistungsparameter anpassen, etwa zur Begrenzung von Rechenzeit und Speicherverbrauch. Mit Context Chat durchsucht der Assistant Dateien über natürliche Sprache. Anwender formulieren eine Frage, und die KI identifiziert relevante Dokumente. Über das Kontextmenü kann der Assistant Dokumente zusammenfassen oder Audiodateien transkribieren. Neu ist auch der Sprachmodus, bei dem der Assistant per Mikrofon gesteuert wird und selbst mit Sprachausgabe antwortet.

Die Integration ist technisch anspruchsvoll, da lokale Modelle hohe Hardwareanforderungen stellen. Kleinere Instanzen müssen zwischen Funktionsumfang und Serverlast abwägen.

Neue Automatisierungen in Flow und Approval-App steigern Effizienz

Nextcloud Flow nutzt nun Windmill als Automations-Framework. Neue Bausteine ermöglichen den Zugriff auf Benutzergruppen, Tag-Zuweisungen oder Kalenderevents. Flows können auf das Erstellen, Verschieben oder Kopieren von Dateien reagieren. Eine Funktion erlaubt den Start automatischer Abläufe bei bestimmten Ereignissen im Kalender.

Die Approval-App wurde erweitert. Dateien lassen sich jetzt erneut prüfen oder an andere Gruppen delegieren. Damit unterstützt Nextcloud strukturierte Freigabeprozesse, die ohne externe Tools abgebildet werden können.

Teams 2.0 und Administratorfunktionen für zentrale Kontrolle

Teams 2.0 führt ein eigenes Organisationsmodell ein. Gruppen können selbst erstellt werden, mit Team-Dashboards, Freigaben und Ressourcenverwaltung. Gastkonten lassen sich über einen neuen Dialog direkt aus der Oberfläche anlegen.

Administratoren erhalten adaptive Setup-Checks, die fehlende Konfigurationen automatisch erkennen. Nextcloud Guard bewertet Push-Dienste, Mailserver und Assistant-Einstellungen. Über Preset-Konfigurationen lassen sich Instanzen für typische Betriebsmodi vorbereiten.

Der All-in-One-Container wurde überarbeitet. Er erlaubt einfache Installation auf privaten Servern oder in Rechenzentren. Nutzer aktivieren die Option „Install Nextcloud 32“, um Hub 25 direkt einzurichten. Für bestehende AIO-Nutzer existiert ein eigenes Upgrade-Verfahren.

Integrationen und Entwicklerökosystem

Neue Integrationen erweitern das Anwendungsspektrum. Overleaf verbindet Nextcloud mit der LaTeX-Plattform, wodurch wissenschaftliche Dokumente kollaborativ bearbeitet werden können. Jira, GitHub, GitLab und Discourse wurden überarbeitet. Jira erlaubt gefilterte Benachrichtigungen und zeigt Vorschauen von Links. Dateien lassen sich über Nextcloud direkt an Mastodon, WhatsApp oder Bluesky teilen.

Das Entwicklerökosystem migriert auf das Vue3-Framework. Viele Community-Apps müssen aktualisiert werden, um kompatibel zu bleiben. WebSocket-Unterstützung in der AppAPI beschleunigt Echtzeitkommunikation und Benachrichtigungen. Neue OCS-APIs decken Collectives, Kalenderverfügbarkeit sowie Aliasverwaltung ab. Nextcloud kann als OIDC-Identity-Provider fungieren, um externe Anwendungen anzubinden.

Leistung und Wartung

Der Schwerpunkt der Entwicklung liegt weiterhin auf Wartung und Stabilität. Nach Angaben der Entwickler entfielen rund 90 Prozent der Änderungen auf interne Optimierungen. Bei Nextcloud Files wurden 2.725 Pull Requests eingearbeitet, davon 225 mit Funktionsbezug. Mail verzeichnete 625, davon 45 neue Features. App Store, Approval-App und Assistant waren zentrale Wartungsschwerpunkte. Die Uploadgeschwindigkeit stieg um den Faktor sechs durch Chunked Upload, auch für öffentliche Links. Die Datenbankabfragen wurden um 15 Prozent reduziert.

Das Virtual File System auf macOS arbeitet nahezu ohne Verzögerung. Foldersynchronisation und Navigation laufen parallel, was Ladezeiten verringert. Akku- und Netzwerklast sind reduziert. Unter Windows wurde der Setup-Prozess um 30 Prozent beschleunigt. Ein neuer Menüpunkt erlaubt das dauerhafte Vorhalten von Dateien.

Enterprise und Betrieb

Die Enterprise-Edition von Hub 25 erscheint nach Abschluss der Zertifizierungsphase. Sie enthält erweiterte Sicherheitsprüfungen, Nextcloud Guard-Integration und Supportvereinbarungen. Adaptive Setup Checks in der Enterprise-Version überwachen Dienste kontinuierlich und melden Abweichungen. Für Administratoren steht eine Reihe neuer OCC-Befehle zur Verfügung, um Automatisierungen zu prüfen oder Benutzerrechte anzupassen.

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Offene Standards und digitale Souveränität als Grundprinzip

Mit Hub 25 rückt Nextcloud die digitale Souveränität erneut in den Mittelpunkt. Die Architektur erlaubt vollständige Datenkontrolle, vom Self-Hosting bis zur Föderation über OIDC. Offene Schnittstellen sichern Interoperabilität mit Drittanwendungen. Die lokale KI-Verarbeitung, der quelloffene Code und die Möglichkeit, Infrastruktur unabhängig von US-Cloudanbietern zu betreiben, stärken die Datensouveränität europäischer Organisationen. Dennoch bleibt der Aufwand erheblich: Eigene Server erfordern Fachpersonal, Monitoring und Wartung.

Nextclouds Ansatz verbindet technische Freiheit mit administrativer Verantwortung. Die Plattform ist dadurch weniger abhängig, aber anspruchsvoller im Betrieb.

Fazit: Nextcloud zeigt, dass digitale Souveränität technisch machbar ist

Nextcloud Hub 25 Autumn erweitert die Plattform um KI-Assistenz, Automatisierung und einheitliche Bedienkonzepte. Der Schwerpunkt liegt auf Performance, Stabilität und klarer Benutzerführung. Die Plattform entwickelt sich zur kompletten Arbeitsumgebung mit Fokus auf Datenschutz und Kontrolle. Mit der Migration zu Vue3, dem Einsatz lokaler Sprachmodelle und Windmill als Prozessmotor demonstriert Nextcloud, dass digitale Souveränität praktisch umsetzbar ist. Sie verlangt allerdings mehr technisches Verständnis und konsequente Pflege.

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