Unternehmen müssen umdenken. Denn ein sorgsamer Umgang mit Ressourcen und ein nachhaltiges Wirtschaften lässt sich nur erreichen, wenn Firmen auf Konzepte wie „Circular Economy“ also Kreislaufwirtschaft setzen. Doch ein Großteil der Software für das Enterprise Resource Planning (ERP) ist dafür nur bedingt ausgelegt.
Vollumfängliche, modulare und flexible ERP-Lösungen, die über die Cloud bereitgestellt werden, erlauben den schnellen Umstieg auf nachhaltige Wirtschaftsformen.
Entwickeln, produzieren, verkaufen, entsorgen. Auf diesem linearen Ansatz beruhte beispielsweise bislang das Geschäftsmodell der Fertigungsindustrie. Da jedoch Ressourcen wie Rohstoffe, Energie und Wasser nicht in unbegrenztem Maß zur Verfügung stehen, findet ein Umdenken statt. Hinzu kommt, dass Unternehmen ihre Lieferketten resilienter gegen Unterbrechungen machen wollen und müssen – das haben die Erfahrungen im Verlauf der Covid-19-Pandemie gezeigt. Sie beeinträchtigte die Arbeit von Zulieferfirmen und führte zu Liefer- und Produktionsengpässen.
Zudem wächst der Druck auf Hersteller, ihre Produkte so zu gestalten, dass sie sich länger nutzen sowie besser reparieren und wiederverwerten lassen. Die Europäische Union will dies beispielsweise mithilfe der EU-Ökodesign-Verordnung durchsetzen. Aber auch private Nutzer und Geschäftskunden wünschen sich zunehmend Produkte, die umweltverträglicher sind und eine längere Lebensdauer aufweisen.
Kreislaufwirtschaft ersetzt linearen Ansatz
Unternehmen können diese neuen Anforderungen mithilfe eines Circular-Economy-Ansatzes erfüllen. Eine solche Kreislaufwirtschaft umfasst im Idealfall folgende Elemente:
Ein modulares, ressourcenschonendes Produktdesign, um Komponenten schneller austauschen oder demontieren zu können.
Eine hohe Qualität und Lebensdauer der Produkte.
Verbesserte Reparaturmöglichkeiten damit Unternehmen und Verbraucher defekte Produkte nicht sofort durch neue ersetzen müssen.
Die Refabrikation (Remanufacturing) von Anlagen und deren Bestandteilen, um gebrauchte Originalteile aufbereiten und wiederverwenden zu können.
Die Konzentration auf ganzheitliche Geschäftsmodelle, die Services in den Mittelpunkt stellen, nicht Produkte – Stichwort „Servitization“.
Speziell die Ausrichtung hin zur Dienstleistung gewinnt dabei an Bedeutung. Entsprechende Modelle kommen beispielsweise im Maschinenbau sowie im Bereich Mobilität zum Einsatz. So rüsten Hersteller Anlagen und Fahrzeuge mit IoT-Systemen (Internet of Things) aus. Sensoren erfassen den Betriebszustand einer Maschine und übermitteln die Daten an den Hersteller oder einen Servicepartner. Dieser kann auf Basis der Daten Wartungsintervalle terminieren sowie Ersatzteile und Verbrauchsmaterialien bereitstellen, und zwar bevor es zu Ausfällen oder Engpässen kommt und somit größere wirtschaftliche Auswirkungen nach sich zieht. Solche „Connected Products“ werden im Rahmen einer Circular Economy auch im Konsumgüterbereich eine zentrale Rolle spielen, etwa bei Haushaltsgeräten.
ERP-Software muss Kreislaufwirtschaft unterstützen
Unternehmen, die auf eine Kreislaufwirtschaft umstellen wollen, müssen einen wesentlichen Punkt berücksichtigen: Die Unternehmenssoftware muss dieses Konzept ganzheitlich unterstützen. Unverzichtbar ist, dass ein ERP-System den gesamten Lebenszyklus eines Produkts verwaltet – etwa wie es designed wurde, wann ein Kunde es erworben hat, mit welchen Komponenten es produziert wurde und wann welche Teile ersetzt werden müssen. Hinweise darauf geben Daten wie das Alter, der Zustand sowie die Einsatzfelder und Nutzungszeiten des Produkts. Dieses Lifecycle-Management lässt sich mithilfe eines Enterprise Asset Management (EAM) umsetzen, das Bestandteil einer ERP-Software ist.
Die Prozessschritte einer Kreislaufwirtschaft: Die richtige Cloud-ERP-Lösung kann die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktion über die Wartung und Rücknahmelogistik bis hin zur Refabrikation abdecken.
(Bild: IFS)
Zudem ist es notwendig, dass die ERP-Lösung die Besonderheiten der „Reverse Logistics“ einer Kreislaufwirtschaft berücksichtigt, also den Fall, dass Kunden gebrauchte Produkte zurückgeben. Die Software muss dabei erfassen, ob ein Nutzer bei der Rückgabe weiterhin Eigentümer des Produkts bleibt oder eine Vergütung erhält. Außerdem sind Fälle zu berücksichtigen, in denen Externe, etwa Händler, das Produkt in ihren Bestand zurücküberführen und in denen eine Wiederaufbereitung („Refurbishing“) der Ware erfolgt. Das lässt sich mithilfe eines Moduls für das Vertrags- und Gewährleistungsmanagement bewältigen.
Erschwerend kommt hinzu, dass in der Industrie die Rückgabe einer Maschine oftmals nicht praktikabel ist. Vielmehr werden solche Systeme vor Ort überholt und mit neuen oder wiederaufbereiteten Teilen ausgestattet. Diesen Materialfluss muss der Hersteller in einer Circular Economy koordinieren und mit Subunternehmen vor Ort abstimmen, inklusive anfallender Rechnungen, Rückvergütungen und Änderungen der Gewährleistungsvereinbarungen sowie einer Aktualisierung der Service-Stückliste.
Flexible ERP-Lösung aus der Cloud
ERP-Lösungen herkömmlicher Prägung können da schnell an ihre Grenzen geraten. Erforderlich sind modulare Ansätze, die sich flexibel an die individuellen Geschäftsmodelle und Prozesse anpassen lassen und einfach skalierbar sind. Hier kommt die Cloud ins Spiel. Denn eine ERP-Software, die „as a Service“ verfügbar ist, lässt sich schneller, einfacher und mit geringeren Kosten an geänderte Anforderungen anpassen. Wichtig ist, dass eine solche Plattform ohne hohen Programmieraufwand auskommt und über eine breite Palette von Modulen verfügt, wie beispielsweise IFS Cloud: neben ERP-Funktionen selbst stehen Module für das EAM, das Asset Lifecycle Management inklusive IoT-Konnektoren, die Rechnungsstellung und Finanzierung sowie das Projekt- und Servicemanagement zur Verfügung. Eine solche ganzheitliche Lösung deckt die Anforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ab und lässt sich problemlos an sich verändernde Anforderungen anpassen.
Stand: 08.12.2025
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Unternehmen sollten zudem prüfen, ob für die ERP-Software ein Modul für das Rücknahme-Management zur Verfügung steht. Dieses ist essenziell, wenn Modelle wie die Refabrikation und das Wiederaufbereiten von Produkten etabliert werden sollen. Neben den technischen Möglichkeiten der ERP-Lösung, entscheiden auch Faktoren wie eine gute User Experience darüber, ob ein Unternehmen den Sprung hin zu serviceorientierten Angeboten und einer Circular Economy schafft. Die Mitarbeiter sollten eine Software vorfinden, die sie intuitiv bedienen können, ohne technische Hürden und zeitaufwendige Einarbeitung.
Thomas Knorr, IFS.
(Bild: IFS)
Dann kann sich das Unternehmen zukunftssicher aufstellen, auf Geschäftsprozesse fokussieren und mithilfe eines flexiblen und skalierbaren Cloud-ERP-Systems den Umstieg auf eine nachhaltige und umweltfreundlichere Form des Wirtschaftens vollziehen.
* Der Autor Thomas Knorr ist Chief Technology Officer und Head of Presales Europe North & Central bei IFS.