Copilot-PCs kommen KI in der Cloud oder im PC?

Von Klaus Länger und Margrit Lingner 4 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz ist längst im Alltag angekommen und ChatGPT sowie neue KI-Lösungen fluten den Markt. Um KI-Workloads zu bewältigen, werden Rechenleistungen von Hochleistungscomputern benötigt. Ändert sich das durch die neuen KI-PCs?

KI-PCs werden noch in diesem Jahr den PC-Markt beflügeln und für eine gesteigerte Nachfrage sorgen.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
KI-PCs werden noch in diesem Jahr den PC-Markt beflügeln und für eine gesteigerte Nachfrage sorgen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Smartphones und Word übersetzen Texte in Sekundenschnelle, Chatbots nehmen Aufträge entgegen und Copilot schreibt Referate und Hausarbeiten. Künstliche Intelligenz hilft aber auch im Unternehmenseinsatz, Prozesse zu optimieren und Mitarbeiter zu entlasten. Dass viele Unternehmen dennoch nicht sofort auf den KI-Zug aufspringen, liegt unter anderem an Datenschutzbedenken und dem Leistungshunger von KI-Anwendungen. Abhilfe soll die neueste Generation von KI-PCs bringen.

KI-Computer in Unternehmen

Maria Münster, Commercial Director der Business Unit Systems, Asus(Bild:  Asus)
Maria Münster, Commercial Director der Business Unit Systems, Asus
(Bild: Asus)

So gehen Analysten von Gartner davon aus, dass schon Ende 2026 jeder verkaufte Unternehmens-PC ein KI-Computer sein wird. Dabei prognostizieren die Marktforscher, dass die KI-PC-Lieferungen bereits in diesem Jahr 22 Prozent der PC-Lieferungen erreichen werden. Doch kommen die ersten Notebooks mit integrierter NPU erst jetzt auf den Markt. Maria Münster, Commercial Director der Business Unit Systems bei Asus, geht davon aus, dass KI-PCs gefragt sein werden und einen Aufschwung im Computermarkt bringen. „Wir prognostizieren einen Aufschwung, der noch Ende des Jahres an Fahrt aufnehmen wird, wenn die Hardware breit verfügbar sein wird und auch das Verständnis für den Mehrwert der neuen Technologie angekommen ist“, sagt Münster.

Hartmut Husemann, Director Commercial and Consumer Channel bei HP(Bild:  HP)
Hartmut Husemann, Director Commercial and Consumer Channel bei HP
(Bild: HP)

Auch Hartmut Husemann, Director Commercial and Consumer Channel bei HP ist überzeugt: „KI-PCs werden alleine aus Gründen der Investitionssicherheit eine deutlich erhöhte Nachfrage erfahren.“ Er glaubt, dass KI-PCs alleine aus Gründen der Investitionssicherheit eine deutlich erhöhte Nachfrage erfahren werden.

Leistungsstarke Copilot+-PCs

Was ein KI-PCs ist, hat Microsoft mit den Copilot+-PCs im Wesentlichen festgelegt. Voraussetzung ist dabei vor allem eine schnelle NPU mit einer KI-Leistung von mindestens 40 TOPS, um viele KI-Workloads lokal mit geringem Stromverbrauch erledigen zu können. Dazu zählen Microsoft-eigene KI-Anwendungen wie beispielsweise Copilot, Windows-Studio-Effekte für Videokonferenzen, Cocreator in Paint oder die Suchfunktion Recall. Letztere macht automatisch alle fünf Sekunden einen Screenshot des Desktops und legt die Bilder für eine Bild- und OCR-Analyse ungesichert in einer lokalen Datenbank ab. User haben die Möglichkeit, Anwendungen und Webseiten für Recall zu sperren.

Doch gab es heftige Kritik an dieser Funktion. Angreifer könnten alle Aktivitäten auf Rechnern nachverfolgen – auch die Eingabe von Passwörtern. Microsoft musste reagieren: Zunächst sollte Recall mit einer an Windows Hello gebundenen Verschlüsselung kommen und als Funktion vom Anwender explizit aktiviert werden. Nun wird diese Copilot+-Funktion verschoben, um sie zu überarbeiten.

Auf die NPU zugreifen können auch Apps von Drittanbietern wie etwa Davinci Resolve, Adobe Photoshop oder Security-Software mit GenAI-Nutzung zum Beispiel von Crowdstrike. Inwieweit Microsoft bei dem gegen einen zusätzlichen Obolus verfügbaren Copilot für Microsoft 365 die NPU nutzt, ist derzeit nicht klar.

NPUs machen den Unterschied

Die aktuell verfügbaren Copilot+-PCs sind Notebooks oder Tablets mit Snapdragon-X-Prozessoren von Qualcomm. Nur sie verfügen über eine NPU, die Microsofts Ansprüchen genügt. Die NPUs in Intels Core Ultra und in AMDs Ryzen 8000 sind schlicht zu langsam. Allerdings haben beide Firmen auf der Computex CPUs vorgestellt, deren NPUs schneller sind als die in den Qualcomm-Prozessoren. Entsprechende Notebooks mit AMD Ryzen AI 300 erscheinen im Sommer, Geräte mit Intels Lunar Lake im Herbst.

Rene Haas, CEO des Chipentwicklers ARM, ist trotzdem optimistisch, dass in den kommenden fünf Jahren der Anteil der Windows-Rechner mit ARM-Prozessor auf 50 Prozent steigen wird. Das erklärte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Qualcomm-CEO Cristiano Amon rechnet laut Digitimes Asia sogar mit 60 Prozent. Allerdings könnte ein Rechtsstreit zwischen beiden Firmen, um die Gültigkeit von ARM-Lizenzen für Qualcomm, diesen Erfolg gefährden.

Ungeachtet dieses Rechtsstreits, bei dem ARM sogar fordert, Notebooks mit Snapdragon-X-CPUs zu zerstören, steht auch nach Ansicht von Mathias Dürner, Teamleader Client Solutions bei Cancom, „der Markt für KI-PCs mit integrierter NPU vor einem Boom und wird insbesondere im B2B-Bereich einen deutlichen Impact haben“. Als Grund hebt Dürner „die Vorteile für Anwendungen, die intensive Datenverarbeitung und maschinelles Lernen erfordern, wie in Forschung, Finanzen, Gesundheitswesen oder Automatisierung“, hervor.

Überzeugende Funktionen

Diese Vorteile sieht auch Mirco Krebs, Lenovo-DACH-Chef: „PCs mit KI-Funktionen bieten ein vollkommen neues Kundenerlebnis und werden das Anwenderverhalten nachhaltig verändern. Wir sehen eine disruptive, hybride Mischung aus Client-, Edge- und Cloud-Technologien. Sie verbessern deutlich die Funktionalität, Geschwindigkeit und Kreativität und ermöglichen immersive, realistischere Erlebnisse und eine nie dagewesene Batterielaufzeit.“ Da PCs mit KI-Funktionen ein vollkommen neues Kundenerlebnis bieten, werden sie das Anwenderverhalten nachhaltig verändern, ist Krebs überzeugt.

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Mirco Krebs, VP und Managing Director Lenovo DACH(Bild:  Lenovo)
Mirco Krebs, VP und Managing Director Lenovo DACH
(Bild: Lenovo)

Ein weiterer Grund für den Boom der KI-PCs ist das Support-Ende von Windows 10. Laut Robert Perenz, Country Manager DACH bei Acer, ist das „schon jetzt in bestimmten Bereichen ein wichtiges Kriterium bei der Neuanschaffung von Geräten“. Ähnlicher Ansicht ist der HP-Channelchef Husemann. Er geht davon aus, dass wegen des Support-Auslaufens „KI-PCs alleine aus Gründen der Investitionssicherheit eine deutlich erhöhte Nachfrage erfahren werden“.

Robert Perenz, Country Manager DACH, Acer(Bild:  Acer)
Robert Perenz, Country Manager DACH, Acer
(Bild: Acer)

Wann dieser Aufschwung tatsächlich kommen wird, ist noch fraglich. So sieht etwa Asus-Managerin Münster, dass die Nachfrage „noch Ende des Jahres an Fahrt aufnehmen wird, wenn die Hardware breit verfügbar sein wird und das Verständnis für den Mehrwert der neuen Technologie angekommen ist“. Auch Dürner glaubt, dass der „Endgeräte-Absatz ab Q4 steigen wird“. Schließlich müssten „Unternehmen Endgeräte erneuern, wenn ihre Mitarbeiter weiterhin sicher unterwegs sein sollen“. Ergänzend fügt er hinzu: „Letztendlich hängen Marktwachstum und Akzeptanz von KI-PCs stark davon ab, wie schnell Kunden KI-Funktionen in den Arbeitsalltag integrieren und inwieweit die Kunden in ihren jeweiligen Einsatzszenarien von den Vorteilen profitieren können.“

Die Integration von KI-PCs in Unternehmen versprechen Riesenchancen für den Channel. Schließlich erfordere „die Integration von Enterprise-KI in bestehende Geschäftsprozesse, unter Berücksichtigung spezifischer Branchenanforderungen, viel Know-how“, erklärt Dürner. Der Cancom-Manager ist der Ansicht, dass Partner und KI-Enabler nicht nur beraten müssten. Vielmehr ginge es sowohl um Aufbau und Implementierung von KI-Plattformen als auch um Anwendungen, den IT-Betrieb und umfangreiche Managed Services.

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