Markenbildung, Kundenmanagement, SEO, Lead-Generierung oder Vertriebssupport: Nichts geht ohne hochwertigen Content. Wie können kleinere Teams vielfältige digitale Erlebnisse schaffen – auch ohne eigene, kostspielige Systeme zu entwickeln?
GraphQL bietet die Möglichkeit der Content Federation, so dass sich Inhalte aus unterschiedlichen Backend-Systemen über eine API verbinden lassen.
(Bild: GraphQL)
Die Content-Wirtschaft boomt. Schätzungen zufolge wird sie in den kommenden Jahren weltweit eine durchschnittliche Wachstumsrate von über neun Prozent aufweisen und bis 2027 ein Volumen von 24 Milliarden US-Dollar erreichen.
Unternehmen zahlreicher Branchen und unterschiedlichster Größen wollen dabei mitspielen: Sei es ein Telekommunikationsanbieter, der eine große Streaming-Plattform für Zehntausende von Nutzern aufbauen will. Oder sei es eine örtliche Konditorei, die einfach ihre Rezepte online stellen möchte.
Wenn man aber nicht gerade Amazon oder Netflix heißt, haben die meisten Unternehmen nicht das Geld oder die Kapazitäten, um die Entwicklungsleistung zu stemmen und komplexe digitale Services in größerem Maßstab anzubieten. Netflix beispielsweise hat seine eigene, hoch skalierbare Microservice-Architektur aufgebaut und einen eigenen API-Layer entwickelt, um seinen Backend-Entwicklern Flexibilität und die Möglichkeit zur Isolierung von Services zu bieten.
Diese Vorgehensweise ist jedoch ebenso veraltet wie monolithische Content-Management-Systeme (CMS). Dank Content Federation und gehostetem GraphQL, der Open-Source-Datenabfragesprache für APIs, können mittlerweile auch kleinere Developer-Teams über sich hinauswachsen und eben jene personalisierten, vielfältigen Erlebnisse liefern, die die Nutzer zunehmend verlangen.
Der Innovationskiller
Der Siegeszug von Composable Architecture in den vergangenen Jahren hat die Ausgangssituation für Entwickler und Entwicklerinnen verändert. Aus Content-Perspektive ermöglicht die Technologie den Teams, ihr bevorzugtes CMS sowie ihre favorisierten Tools für Produktinformationsmanagement (PIM) und Digital Asset Management (DAM) mit public/private APIs zu verknüpfen, die Datenquellen von Drittanbietern und vieles mehr einbinden.
Doch obwohl die Composable-Fähigkeit theoretisch dazu gedacht war, Flexibilität zu fördern, bewirkt sie oft das Gegenteil. Das liegt daran, dass Unternehmen gezwungen sind, ihre eigene Middleware zu entwickeln, um Daten aus diesen einzelnen Systemen zu ziehen und sie dann einheitlich für stationäre, mobile und andere Web-Umgebungen bereitzustellen.
Das Problem ist, dass diese Middleware für modulare Architekturen unerlässlich ist, aber gleichzeitig schwierig und teuer zu entwickeln und zu warten. Von Design und Programmierung bis hin zu Wartung und Sicherheit handelt es sich um eine technisch höchst anspruchsvolle Aufgabe, die die meisten kleineren Teams überfordert, da sie nicht über das nötige Fachwissen verfügen.
Ein Ansatz mit mehr Zukunftspotenzial
Für Google ist das kein Problem. Das Unternehmen verfügt über das Geld und die Entwicklungsressourcen, um alle Technologie- und Skalierungsprobleme zu überwinden. Aber bis jetzt haben diese Probleme zu einem Innovationsengpass für kleinere Unternehmen geführt, weil bei ihnen die Kosten-Nutzen-Rechnung auch nicht ansatzweise aufging.
So wie das Headless CMS vor einem Jahrzehnt den Markt aufmischte, so ist es heute die Content Federation. Die Idee dahinter ist recht simpel: Isolierte Inhalte aus unterschiedlichen Quellen im Software-Stack werden über eine einzige API miteinander verknüpft. Dabei kommt die GraphQL-Federation zum Einsatz. Es handelt sich hierbei um einen relativ neuen Architektur-Ansatz, der die Integration verschiedener GraphQL-Dienste, die als Subgraphen oder Federated Services bezeichnet werden, in ein zusammenhängendes Format oder eine API ermöglicht.
Mithilfe von GraphQL kann ein Federated Content Provider Inhalte aus unterschiedlichen Backend-Systemen verbinden und sie dann an verschiedene Frontends verteilen – in einer Many-to-Many-Architektur. Das minimiert den Aufwand für die Entwicklung von Middleware, und wenn der Anbieter des vernetzten Contents die Middleware auch hostet, zwischenspeichert und sichert, kann der Service für Unternehmen preiswerter und reibungsloser werden.
Dieser neuartige Ansatz zur Vereinheitlichung und Verteilung von Content ermöglicht es Produktteams, Services bis zu zehnmal schneller zu entwickeln als mit herkömmlichen Methoden – und das zu einem Bruchteil der Kosten. Diese Einfachheit bedeutet zudem, dass nicht-technische Nutzer und Nutzerinnen sich selbst helfen können. Ihnen die direkte Steuerung zu ermöglichen, ist in vielen Fällen besser für das ganze Business und entlastet die internen IT-Teams, damit sie sich um „höherwertige“ Aufgaben kümmern können.
Stand: 08.12.2025
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Wo kann das hinführen?
Unternehmen aus so unterschiedlichen Branchen wie dem Einzelhandel, der Biotechnologie oder dem Hotel- und Gaststättengewerbe sind sich bewusst, dass ein Großteil ihres künftigen Wachstums aus der Content Economy kommen wird. Die Erstellung von genau den Inhalten, die von den Kundinnen und Kunden gewünscht werden, erfordert jedoch in zunehmendem Maße, dass sie traditionelle Silos auf kosteneffiziente und zukunftssichere Weise aufbrechen.
Software plus Anwendungen ebnen das Spielfeld für kleinere Unternehmen und helfen ihnen, die personellen und prozessualen Hürden zu überwinden, die sich ihnen durch Composable-Architekturen in den Weg stellen. Es eröffnet sich eine bisher unbekannte Welt an Möglichkeiten, neue Inhalte zu kombinieren, zu kuratieren und für die Nutzenden bereitzustellen. Und das zu geringen Kosten und mit mäßigem Aufwand. Das Tempo des technologischen Wandels wird sich nicht verringern, doch heute werden Unternehmen jeder Größe nur noch durch ihren eigenen Erfindergeist und Mut eingeschränkt.
* Über den Autor Michael Lukaszczyk ist CEO und Mitgründer von Hygraph.