Künstliche Intelligenz im Unternehmen Human-in-the-Loop: Vertrauen ist die Währung produktiver KI

Ein Gastbeitrag von Jens Löhmar* 4 min Lesedauer

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KI weckt hohe Erwartungen, doch ohne Akzeptanz scheitern selbst die besten Projekte. KI entfaltet ihre volle Produktivität erst, wenn Human-in-the-Loop-Prinzipien, transparente Governance und ein sauberes Datengerüst direkt in den Prozessen verankert werden.

Wann wird KI produktiv? Wenn Cloud-Plattformen, Human-in-the-Loop-Prinzipien und transparente Governance mit vernetzten Datenökosystemen zusammenwirken, sagt Workday-CTO Jens Löhmar in diesem Gastbeitrag.(Bild: ©  PikePicture - stock.adobe.com)
Wann wird KI produktiv? Wenn Cloud-Plattformen, Human-in-the-Loop-Prinzipien und transparente Governance mit vernetzten Datenökosystemen zusammenwirken, sagt Workday-CTO Jens Löhmar in diesem Gastbeitrag.
(Bild: © PikePicture - stock.adobe.com)

Viele Unternehmen erwarten von künstlicher Intelligenz (KI) beschleunigte Abläufe und bessere Entscheidungen, doch die Realität offenbart eine Vertrauenslücke. Eine aktuelle Workday-Umfrage zeigt das Dilemma deutlich: Während 62 Prozent der Führungskräfte und 52 Prozent der Mitarbeitenden die KI-Entwicklung grundsätzlich positiv bewerten, kämpfen gleichzeitig 42 Prozent mit der Frage, welche Prozesse automatisiert werden sollen und wo menschliche Kontrolle unverzichtbar bleibt. Diese Zahlen verdeutlichen: Die bloße Einführung von Technologie löst keine Probleme. Entscheidend ist die Ausgestaltung und hier insbesondere, wie KI und Menschen sinnvoll zusammengebracht werden.

Warum Vollautomatisierung scheitert

Automatisierung stößt gerade in unternehmenskritischen Bereichen schnell an ihre Grenzen. Je direkter Prozesse die Mitarbeitenden betreffen – sei es bei Einsatzplanung, Personalbeurteilung oder Vergütung – desto heikler wird ein rein autonomer Ansatz.

KI-Modelle erkennen zwar Muster in großen Datenmengen, doch fehlt ihnen noch das Verständnis für Kontext, Empathie und besondere Lebensumstände. Treffen KI-Systeme Entscheidungen ohne erkennbare Begründung, riskieren Unternehmen Rechtsverstöße, da der EU AI Act und die DSGVO nachvollziehbare Begründungen für automatisierte Entscheidungen verlangen.

Human-in-the-Loop als systematische Lösung

Das Human-in-the-Loop-Prinzip löst diese Herausforderungen durch klare Arbeitsteilung: KI analysiert Daten und liefert fundierte Empfehlungen mit nachvollziehbaren Begründungen, während Menschen diese prüfen, einordnen und die finale Entscheidung treffen – und die damit verbundene Verantwortung übernehmen. Jeder Schritt wird automatisch protokolliert.

In Cloud-Umgebungen wird dieser Ansatz zum natürlichen Bestandteil des Workflows. Freigaben nach dem Vier-Augen-Prinzip, definierte Eingriffspunkte und strukturierte Eskalationswege werden von Beginn an integriert, um mehr Sicherheitsebenen zu garantieren.

Besonders innovativ ist der „Agent System of Record Ansatz”: Eine Personalverwaltung für KI-Agenten. Analog zu menschlichen Mitarbeitenden durchlaufen KI-Agenten ein Onboarding, erhalten spezifische Rechte, müssen sämtliche Prozessschritte protokollieren und können dadurch auch bei Bedarf optimiert werden. Diese zentrale Registrierung schafft unternehmensweite Transparenz über den Einsatz von unterschiedlichen Agenten sowie umgebende Prozesse und klärt sauber die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeit zu jedem Agenten.

Cloud-Datenökosysteme durchbrechen Silos

Ein Kernproblem vieler KI-Implementierungen liegt in verstreuten Datensätzen. Moderne Cloud-Architekturen durchbrechen diese Silos durch Zero-Copy-Ansätze, die teure Datenexporte und veraltete Duplikate überflüssig machen. Stattdessen entstehen direkte, sichere Verbindungen zwischen zuvor unverknüpften Datenplattformen.

In der Praxis können etwa Einzelhändler ihre Workday-Daten aus Mitarbeiterbefragungen direkt mit filialspezifischen Umsatzergebnissen aus Salesforce verknüpfen, um potenzielle Zusammenhänge zu visualisieren. Finance-Teams können Buchhaltungsdaten mit Marktinformationen kombinieren, um präzise Forecasts in Echtzeit zu erstellen und im Handumdrehen auf tagesaktuelle Ereignisse zu reagieren.

Ein solches Ökosystem basiert auf den folgenden Säulen: eine domänenspezifische „Single Source of Truth” in den jeweiligen Plattformen, Publikation von Datenkatalogen, bidirektionale Datenverbindungen und Datenzugriff über standardisierte Abfragen.

Datenqualität und Governance by Design

Diese vernetzten Ökosysteme erfordern systematische Datenqualität. Vor jedem Modelltraining von KI sind ein Profiling und umfassende Qualitätsprüfungen von höchster Bedeutung. Vollständigkeit, Konsistenz und Ausreißer müssen analysiert und eingeordnet werden, während ein kontinuierliches Monitoring Datenabweichungen frühzeitig erkennt.

Entscheidend ist dabei auch das Thema Governance. Alle Datenflüsse folgen einheitlichen Sicherheits- und Compliance-Standards – ob zwischen internen Systemen oder externen Partnern. Mandantentrennung, End-to-End-Verschlüsselung und feingranulare Rechteverwaltung bleiben stets gewährleistet.

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Praxisbeispiel: Schrittweise Transformation

Der Sprachlern-Anbieter Babbel führte sein neues Workday Cloud-ERP bewusst schrittweise ein – zunächst für HR, später für Finance – und setzte dabei auf standardisierte Workflows statt auf die Digitalisierung alter Sonderwege. Diese Strategie beschleunigte die gesamte Implementierung, senkte die Fehlerquote und schuf die Basis für zukünftige KI-Integrationen.

In Cloud-Umgebungen sind die wirtschaftlichen Vorteile deutlich messbar: Ohne eigene Server-Infrastruktur entfallen etwa Initial- und Wartungskosten. Automatische Updates ersetzen aufwendige Upgrade-Projekte und die Implementierungszeit verkürzt sich dramatisch. Typische Herausforderungen bleiben in Unternehmen jeder Größenordnung, beispielsweise ein überbordender Perfektionismus. Daher gilt: Besser iterativ starten als endlos zu optimieren.

Mangelnde Transparenz lässt die Akzeptanz in der Belegschaft dramatisch sinken. Ein strukturiertes und holistisches Change Management sollte bereits vor der ersten Integration durch eine zielgruppengerechte Kommunikation die Lernkultur fördern, anstatt nur über die neuesten Änderungen zu informieren.

Fazit

KI wird produktiv, wo Cloud-Plattformen, Human-in-the-Loop-Prinzipien und transparente Governance mit vernetzten Datenökosystemen zusammenwirken. Der Erfolg liegt dabei in der Balance: KI liefert schnelle, datenbasierte Empfehlungen, doch Menschen müssen letztlich Entscheidungen treffen und die Verantwortung übernehmen. Offene, verbundene Datenplattformen schaffen die Basis für eine neue Generation KI-gestützter Lösungen, um nachhaltiges Innovationspotenzial offenzulegen, ohne die Belegschaft zu verunsichern.


* Der Autor Jens Löhmar beeinflusst als Chief Technology Officer Continental Europe & DACH die Strategie, die Vision und den Geschäftswert von Workday Technologie und Applikationen und stellt gleichzeitig sicher, dass die Marktbedürfnisse für zukünftige Workday-Innovationen berücksichtigt werden.

Bildquelle: Workday

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