Microsoft Ignite 2025 Stabwechsel: Neuer CEO eröffnet die Microsoft Ignite

Von Dr. Dietmar Müller 3 min Lesedauer

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Dass Judson Althoff statt Satya Nadella die erste Keynote der wichtigsten Hausmesse des Softwareriesens hält, überschattet fast die vielen Neuigkeiten zu Software und Partner-Business. Von denen gab es aber reichlich.

Der neue Microsoft-CEO, Judson Althoff, eröffnet die Microsoft Ignite.(Bild:  Microsoft)
Der neue Microsoft-CEO, Judson Althoff, eröffnet die Microsoft Ignite.
(Bild: Microsoft)

Microsoft feierte im November mit der Ignite 2025 seinen größten Event des Jahres. Im Moscone Center in San Francisco fanden sich laut Unternehmensangaben 20.000 Teilnehmer ein, zehnmal so viele verfolgten den Event virtuell. Eröffnet wurde die Veranstaltung nicht wie bisher üblich von CEO Satya Nadella, sondern vom neuen starken Mann in Redmond, Judson Althoff.

Dieser war der Belegschaft am 1. Oktober per Mail als neue zweite Führungsspitze präsentiert worden. Er zeichnet als „Chief Commercial Officer“ beziehungsweise „CEO Commercial Business“ für das operative Geschäft verantwortlich inklusive Produktstrategie, Vertrieb, Service, Support, Marketing, Betrieb und Umsatzwachstum für die mehr als 120 regionale und nationale Tochtergesellschaften.

Es hat etwas von Gezeitenwechsel, dass er diese Woche die Eröffnungs-Keynote hielt. Althoff war im März 2013 bei Microsoft als Präsident für das Nordamerika-Business gestartet und hat es nun an die Spitze geschafft. Der abgetauchte Nadella, der im Februar 2014 Nachfolger von Steve Ballmer wurde, konzentriert sich seit Oktober auf die technische Weiterentwicklung von KI und Cloud, sagt man. Ungewöhnlich, dass er in dieser Rolle keinen Auftritt in San Francisco hinlegte.

Frontier Firms im Mittelpunkt

Weniger überraschend war das Hauptthema der diesjährigen Ignite, sie konzentrierte sich wie auch anderen aktuelle Konferenzen dieser Art auf die künstliche Intelligenz (KI) beziehungsweise die „Erforschung des gesamten Lebenszyklus von KI“, wie es Microsoft ausdrückte. Mit seiner Eröffnungs-Keynote gab Althoff den Startschuss für ein Feuerwerk der Neuerungen und Updates, die allesamt mit KI in Verbindung standen und Unternehmen in „Fontier Firms“ umwandeln sollen.

„Die Zukunft der Arbeit wird von Frontier Firms geprägt sein – Organisationen, die von Menschen geführt und von Agenten gesteuert werden. Diese Unternehmen verändern die Arbeitswelt grundlegend, indem sie jeden Mitarbeiter mit einem KI-Assistenten ausstatten“, so der zugeschaltete Jared Spataro, Chief Marketing Officer, AI at Work.

Analog zu SAP-Vorstand Muhammad Alam, der erst vor wenigen Tagen in Berlin durch „seine“ Jahreshauptveranstaltung, die TechEd, führte, beteuerte Althoff, dass die KI sinnvollerweise direkt in der App angesiedelt sein müsse. Nur dort erhalte sie den für ihre „Überlegungen“ nötigen Kontext. Zu den wichtigsten, mit KI angereicherten neuen Werkzeugen und Lösungen aus San Francisco zählt Work-IQ, ein Layer, der laut Althoff das „Gehirn des Microsoft Copilots“ darstellt. Aufbauend auf Unternehmensdaten, Speicher und KI-Abfragen „geht Work-IQ über einfache APIs hinaus“, so Althoff, und greife auf Informationen aus E-Mails, Dateien, Meetings und Chats sowie individuelle Vorlieben, Arbeitsgewohnheiten, Muster und Beziehungen zu.

Microsoft Copilot selbst erhielt einige neue Fähigkeiten, u.a. kann er nun Outlook durchsuchen und E-Mails analysieren. Zudem wird er in Office 365 integriert. Fabric IQ soll Anwendern eine aktuelle Sicht auf das Unternehmen gewähren. Foundry IQ ist eine Art Wissenssystem, das KI-Agenten aus verschiedenen Datenquellen mit Informationen versorgen kann. Zu diesen Quellen zählen nicht zuletzt die beiden gerade genannten neuen Anwendungen. Eine neue Agent Factory baut KI-Agenten in Microsoft Foundry und Copilot Studio. Mit Agent 365 präsentierte der Geschäftsführer mit zunehmend heiserer Stimme eine Steuerungsebene, die jeden Agenten über Entra ID mit einer Unternehmensidentität versehe, egal wo dieser entwickelt worden sei.

Das sind aber nur die wichtigsten einer kaum zu überschauenden Anzahl von Neuerungen und Updates. Laut Frank X. Shaw, Chief Communications Officer, waren es nicht weniger als 80. Entsprechend gäbe es aus der fast dreistündigen Keynote noch viel zu berichten, etwa sechs neue Azure Copilots inklusive eines Migration Agents, einen Foundry Control Plane für Azure sowie AKS Automatic, dass die Azure Cosmos DB zu DER Datenbank für KI machen soll. Ein Seitenhieb auf Larry Ellison, Gründer und langjähriger Chef von Oracle, der erst vor wenigen Tagen auf seiner Hausmesse in Las Vegas seine „AI Data Platform“ als die genuine Datenbank für das KI-Zeitalter angepriesen hat.

Aufsehen erregte auch die Bekanntgabe einer erweiterten strategischen Partnerschaft von Microsoft mit Nvidia und Anthropic. Anthropic skaliert sein schnell wachsendes KI-Modell Claude auf Microsoft Azure, unterstützt in Sachen Design und Entwicklung vom GPU-Experten. Kunden von Microsoft Foundry erhalten damit u.a. Zugriff auf Claude Sonnet 4.5, Claude Opus 4.1 und Claude Haiku 4.5.

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Anthropic hat im Zuge des neuen Deals versprochen, Azure-Rechenkapazität im Wert von 30 Milliarden US-Dollar zu kaufen und zusätzliche bis zu einem Gigawatt Rechenkapazität mit Nvidia Grace Blackwell- und Vera Rubin-Systemen bereitzustellen. Microsoft verpflichtete sich seinerseits dazu, den Zugriff für Claude auf die gesamte Copilot-Familie fortzusetzen, einschließlich GitHub Copilot, Microsoft 365 Copilot und Copilot Studio.

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