Flexera Statusreport 2023 Inflation und volle Tech-Agenda drücken auf IT-Budgets

Von David Binnig 5 min Lesedauer

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Der Blick auf die IT-Budgets von über 500 Unternehmen im Flexera „2023 Tech Spend Pulse Report“ verdeutlicht die wachsende Komplexität moderner IT-Stacks. Zwar sind die IT-Budgets im Vorjahresvergleich gewachsen, viel Spielraum bleibt CIOs jedoch nicht.

91 Prozent der befragten Unternehmen kämpfen mit steigenden Preisen, während geplante Investitionen für KI und Machine Learning deutlich zunehmen.(Bild:  tippapatt - stock.adobe.com)
91 Prozent der befragten Unternehmen kämpfen mit steigenden Preisen, während geplante Investitionen für KI und Machine Learning deutlich zunehmen.
(Bild: tippapatt - stock.adobe.com)

IT-Budgets sind das entscheidende Bindeglied zwischen Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Ähnlich wie professionelle Pokerspieler, die klug entscheiden müssen, wann und wie viel sie setzen, um ihr Spielkapital effektiv zu nutzen und zu vergrößern, stehen auch CIOs vor der Herausforderung, ihre Ressourcen geschickt zu allokieren. Sie müssen Risiken abwägen, strategische Entscheidungen treffen und dabei das Gesamtbild stets im Blick behalten. Denn gerade in einem dynamischen Marktumfeld kann eine falsche Entscheidung oder unkluge Nutzung der verfügbaren Mittel schnell dazu führen, dass man nicht mehr mit den anderen Wettbewerbern am Tisch sitzt.

Der aktuelle Statusbericht „2023 Tech Spend Pulse“ von Flexera, einem Anbieter für Software-Lizenzmanagement, liefert Einblicke in die aktuelle Marktlage und zeigt auf, welche Investitionsfelder und Trends CIOs im kommenden Jahr berücksichtigen sollten.

IT-Benchmarks im Überblick

Der Blick auf die IT-Budgets von über 500 Unternehmen verdeutlicht dabei vor allem die wachsende Komplexität moderner IT-Stacks. So entfallen im Durchschnitt 12 Prozent des Unternehmensumsatzes auf die IT. Im Jahr 2022 waren es noch 8 Prozent. Ebenfalls erwähnenswert: Bei Unternehmen mit über 10.000 Mitarbeitern hat sich der Anteil der IT-Ausgaben am Umsatz von 6 auf 11 Prozent fast verdoppelt, wobei die US-Enterprise-Unternehmen mehr ausgeben als ihre europäischen Pendants.

Die Höhe der Ausgaben variiert erheblich und ist von Größe und Branche abhängig. So geben wenig überraschend Software-Unternehmen, welche als besonders innovationsgetrieben gelten, 19 Prozent ihres Unternehmensumsatzes für IT-Projekte aus. Aber auch Unternehmen aus dem Bereich der Finanzdienstleistungen sind mit 15 Prozent am oberen Ende des Spektrums zu verorten, dicht gefolgt vom Telekommunikationssektor mit 14 Prozent und dem Gesundheitswesen mit 13 Prozent. Produktbezogene Industrien, welche sich auf Konsumgüter spezialisieren, bilden mit einer Investitionssumme von 5 Prozent das Schlusslicht.

Insgesamt stecken 19 Prozent aller befragten Unternehmen mehr als 500 Millionen US-Dollar in ihre IT. Im Vergleich zum Vorjahr ist hier ein Plus von 5 Prozent zu verzeichnen. Für das nächste Jahr sind die Erwartungen wieder jedoch wieder etwas gedämpfter. Insgesamt erwarten nur noch 60 Prozent der befragten Unternehmen, dass ihre IT-Budgets weiter steigen. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 waren es noch 71 Prozent.

Trends: Inflation und „Back to Office"

9 von 10 Befragten nehmen die gestiegenen Preise von Anbietern als größte Herausforderung wahr.(Bild:  Flexera)
9 von 10 Befragten nehmen die gestiegenen Preise von Anbietern als größte Herausforderung wahr.
(Bild: Flexera)

Angesichts der angespannten wirtschaftlichen und geopolitischen Lage müssen CIOs ihre IT-Budgets bedacht einsetzen. Sorgenkind Nummer eins ist dabei die Inflation. Für 91 Prozent der Unternehmen stellen die steigenden Preise für Software, Hardware und IT-Dienstleistungen momentan die größte Herausforderung bei der IT-Kostenoptimierung dar.

Doch auch interne Faktoren tragen dazu bei, dass die Kaufkraft von IT-Budgets dahinschmilzt. 87 Prozent gaben etwa an, dass eine mangelnde Automatisierung von Aufgaben sowie unnötige Kosten sie vor große Herausforderungen stellt. Weitere 81 Prozent nannten fehlende IT-Asset-Daten als Hürde.

Ein Effekt, welcher sich innerhalb der Unternehmen ebenfalls bemerkbar macht, ist die verstärkte Rückkehr von Angestellten ins Büro. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Unsicherheit, die in jüngster Zeit zu Entlassungen in verschiedenen Branchen geführt hat, sank Remote-Work im Jahresvergleich von 74 auf 39 Prozent. Gleichzeitig stiegen die IT-Budgets von 58 auf 73 Prozent. Dies ist laut den Analysten von Flexera primär auf den verstärkten Einsatz von Cloud-Lösungen zurückzuführen, welche häufig erhebliche Anfangsinvestitionen erfordern.

Cloud und Cybersecurity an der Spitze

Cybersecurity und Cloud/Cloud-Migration teilen sich mit jeweils 76 Prozent den ersten Platz. (Bild:  Flexera)
Cybersecurity und Cloud/Cloud-Migration teilen sich mit jeweils 76 Prozent den ersten Platz.
(Bild: Flexera)

Angesichts verschiedener IT-Baustellen kommen die knapp bemessenen Budgets zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Ganz oben auf der Agenda stehen mit jeweils 76 Prozent Initiativen rund um Cloud und Cloud Migration sowie Cybersecurity. Dicht dahinter folgt die digitale Transformation mit 74 Prozent.

Dabei haben die Initiativen rund um Cloud und Cloud Migration, Geschäftswachstum und Kostenoptimierung sowie Modernisierung der IT im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen. Die Themen Cybersecurity und Digitale Transformation bleiben weiterhin höchst relevant. Initiativen, die im Vergleich zum Vorjahr an Dringlichkeit verlieren, finden sich auf der Agenda hingegen nicht. Für die Experten von Flexera deutet dies darauf hin, dass die IT neue Initiativen auf bereits bestehende Initiativen aufbaut.

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KI-Boom für kommendes Jahr erwartet

Investitionen in alte On-Premises-Technologien werden immer weiter reduziert.(Bild:  Flexera)
Investitionen in alte On-Premises-Technologien werden immer weiter reduziert.
(Bild: Flexera)

Blickt man in die Zukunft, zeichnet sich ein eindeutiger Trend ab. So gehen in den kommenden 12 Monaten der Budgetplanung 32 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen von einem deutlichen Schub bei KI-Technologien und Machine-Learning (ML) aus. Weitere 44 Prozent erwarten budgetseitig zumindest spürbare Folgen. Da die Unternehmen vor allem auf externe Partner setzen, rechnen 68 Prozent der Befragten auch hinsichtlich der Fremdkosten mit Änderungen.

Unverändert hoch bleiben indessen die Investitionen in die Public Cloud. Von den 60 Prozent der Ausgaben, die im IT-Haushalt für Software anfallen, gehen bereits 37 Prozent auf das Konto von SaaS (Software-as-a-Service). Im nächsten Jahr wollen die Unternehmen sowohl die Ausgaben für Paas (Platform-as-a-Service) und IaaS (Infrastructure-as-a-Service) auf 69 Prozent als auch die Ausgaben für SaaS auf 77 Prozent erhöhen. Im Umkehrschluss planen 61 Prozent der Befragten die Zahl der Rechenzentren zu reduzieren. 8 Prozent wollen diese sogar vollständig aufgeben.

IT-Visibility schaffen

Rund ein Viertel der Ausgaben für SaaS und On-Premises belasten IT-Budgets völlig unnötig, da sie keinen ROI abwerfen. (Bild:  Flexera)
Rund ein Viertel der Ausgaben für SaaS und On-Premises belasten IT-Budgets völlig unnötig, da sie keinen ROI abwerfen.
(Bild: Flexera)

Da sich die IT-Ausgaben immer mehr in Richtung SaaS, Cloud und andere nicht ortsgebundene Ressourcen verlagern, wird es schwieriger, einen transparenten Überblick über diese Ausgaben zu gewährleisten. Wie der Tech Spend Pulse Report zeigt, haben 69 Prozent der Unternehmen keinen genauen Einblick in ihre IT-Ausgaben. Dies stellt ein immenses Problem dar, denn eine schlechte Datenqualität kann die Entscheidungsfindung innerhalb eines Unternehmens behindern.

Die Experten von Flexera sind der Meinung, dass neue Tools und Prozesse der Schlüssel sind, um einen präzisen Überblick über die Kosten und Ausgaben innerhalb der Unternehmen zu gewährleisten.

Ohne IT-Visibility wird es hier schwer, Entscheidungen über die Zukunft der eigenen Infrastruktur zu treffen und mit dem aktuellen hohen Tempo in der Technologielandschaft mitzuhalten.

Cyndi Tacket, SVP of Marketing bei Flexera

Fazit

Wie der aktuelle Statusreport von Flexera zeigt, entwickelt sich die digitale Transformation in einem immer schnelleren Tempo. Unternehmen müssen sich dem anhaltenden Inflationsdruck, der sich verändernden Arbeitsplatzdynamik sowie den steigenden Ausgaben und der Nachfrage nach Innovationen – allen voran im Bereich der Künstlichen Intelligenz – anpassen. Gleichzeitig steigen die Preise der Anbieter weiter an, sodass Unternehmen mit der Optimierung ihrer Ausgaben und Cloud-Verpflichtungen kämpfen müssen, die oft erhebliche Anfangsinvestitionen erfordern.

Die Verschwendung von IT-Ausgaben geht innerhalb der Unternehmen zwar zurück, aber die Entscheidungsfindung wird durch einen Mangel an klarer und zuverlässiger IT-Transparenz erschwert. Ein umfassendes Verständnis der IT-Ressourcen – einschließlich ihrer Verbindungen, Abhängigkeiten, Lizenzierungsnuancen und Optimierungsmöglichkeiten – ist deshalb unerlässlich.

Methodik

Der Flexera 2023 Tech Spend Pulse gibt einen Einblick in aktuelle und zukünftige Technologieausgaben aus der Sicht von CIOs und IT-Verantwortlichen in Unternehmen. Der Bericht zeigt, wie Unternehmen ihre Ausgaben verschieben, um zentrale IT-Initiativen zu unterstützen, wie sie IT-Ausgaben nachverfolgen und verwalten und vor welchen Herausforderungen sie bei der Ausgabenoptimierung stehen. Die Befragten setzen sich aus 506 IT-Führungskräften in nordamerikanischen und europäischen Unternehmen mit 2.000 oder mehr Mitarbeitenden zusammen und stammen aus unterschiedlichen Branchen, darunter Finanzdienstleister, Einzelhandel, E-Commerce und Industrie. 62 Prozent der Teilnehmenden sind Führungskräfte auf C-Level. 74 Prozent der Befragten sind direkt in der IT-Abteilung angesiedelt.

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