Zweiter Supermicro-Bericht zu „Green IT“ in Rechenzentren

Im Datacenter-Betrieb zeigt sich noch kein Greta-Effekt

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Die meisten Unternehmen berücksichtigen bei der Auswahl von Rechenzentrumstechnik weder den Stromverbrauch noch die Vermeidung von E-Müll.
Die meisten Unternehmen berücksichtigen bei der Auswahl von Rechenzentrumstechnik weder den Stromverbrauch noch die Vermeidung von E-Müll. (Bild: © weerapat1003 - stock.adobe.com)

Die Rufe der „Fridays for Future“-Bewegung um Greta Thunberg nach mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit verhallen ungehört vor den Toren der Rechenzentrumsbetreiber. Auch 2019 nimmt die Mehrheit der führenden Unternehmen beim Bau und Betrieb von Rechenzentren sowie beim Ausbau von Rechenzentrumsinfrastrukturen kaum Rücksicht auf die Umwelt.

Für seinen zweiten Jahresbericht „Data Centers and The Environment“ hat Supermicro, Anbieter von Enterprise Computing, Speicher- und Netzwerklösungen sowie grüner Computertechnologie, weltweit mehr als 5.000 IT-Experten befragt. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass 88 Prozent der Rechenzentren nicht umweltfreundlich sind. Dabei könnte ein durchschnittliches Unternehmens-Datacenter jährlich bis zu 38 Millionen US-Dollar an Energiekosten und 350 Tonnen E-Müll einsparen.

Die Mehrheit der führenden Unternehmen im Bereich der Rechenzentren berücksichtigen grüne Initiativen für den zunehmenden Ausbau von Rechenzentrumsinfrastrukturen, die steigenden Kosten für Rechenzentren und die Auswirkungen auf die Umwelt nicht in vollem Maße. Somit belegten die Ergebnisse der Umfrage 2019 erneut, dass die Berücksichtigung der Umweltauswirkungen bei der Auswahl von Rechenzentrumsausrüstung weiterhin eine Herausforderung für die IT-Branche darstelle, kommentierte Charles Liang, Präsident und CEO von Supermicro, die Studie.

Wie cloud-fähige Rechenzentren die Umwelt belasten

Supermicro untersucht ökologische Nachhaltigkeit der Datacenter

Wie cloud-fähige Rechenzentren die Umwelt belasten

15.01.19 - Milliarden und Abermilliarden Kilowattstunden Strom verschlingen alle Services, die heute via Internet und aus der Cloud genutzt werden. Damit wird auch unsere Atmosphäre zusätzlich belastet: Die Umweltorganisation Greenpeace warnt schon seit Jahren, dass der Betrieb von Computern, Servern sowie IT-Services jährlich genauso viel belastendes Treibhausgas produziert, wie der gesamte Flugverkehr weltweit. lesen

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die Antworten der befragten IT-Experten aus KMUs und Großunternehmen zeigen durchweg, dass die meisten Unternehmen (86%) die Umweltauswirkungen ihrer Anlagen nicht als wichtigen Faktor für ihre Rechenzentren ansehen.
  • Die Leiter von Rechenzentren nannten in erster Linie die Gesamtbetriebskosten und die Kapitalrendite als ihre wichtigsten Erfolgsindikatoren, wobei weniger als 15 Prozent Energieeffizienz, soziale Verantwortung des Unternehmens oder die Umweltauswirkungen als wichtigste Faktoren für ihre Einrichtungen benennen.
  • 22 Prozent der Befragten gaben an, dass Umweltaspekte zu teuer seien, um als Priorität für ihr Unternehmen zu gelten, was auf ein erhebliches Unverständnis für den ROI grüner Computerlösungen hinweist.
  • Fast 9 von 10 Rechenzentren sind nicht für eine optimale Energieeffizienz ausgelegt. Somit gehen jedem Rechenzentrum im nationalen Durchschnitt jährlich mehr als 1,4 Millionen US-Dollar Einsparungspotenzial verloren.
  • Selbst mit dem Aufkommen neuartiger Kühlungstechniken und neuer Hardware, die höhere Betriebstemperaturen verkraften kann, bevorzugen Unternehmen immer noch kältere Umgebungstemperaturen für ihre Rechenzentren. Im Vergleich zu 2018 stieg die Zahl der Unternehmen, die sich in diesem Jahr darauf konzentrierten wollen, ihre Einrichtungen und Server unter 24°C zu halten, um 13 Prozent – das sind zwei Drittel der Befragten. Dabei könnten Rechenzentren, die freie Luftkühlungsanlagen nutzen, die bei mehr als 26,5°C laufen, die Betriebskosten deutlich senken.
  • Viele Unternehmen betreiben ihre Rechenzentren auch mit geringeren Dichten als nötig – 71 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Rechenzentren mit Leistungsdichten von weniger als 19 kW pro Rack betrieben werden. Der Einsatz von Multinode-Servern und der Betrieb mit höheren Leistungsdichten würde den Energiebedarf aber drastisch verbessern und die Kosten ebenfalls senken.
  • Die primäre Art und Weise, wie mit veralteter Server-Hardware aus Rechenzentren umzugehen ist, hat sich seit 2018 ebenfalls besorgniserregend verändert. Im Jahr 2019 ist die Zahl der Unternehmen, die ihre ausgemusterte Hardware recyceln, massiv zurückgegangen.
  • Die Zahl der Unternehmen, die mit einem zertifizierten Recyclingunternehmen zusammenarbeiten, ist von 2018 bis 2019 um 14 Prozent gesunken, und die Zahl der Unternehmen, die das Recycling der Hardware selbst melden, ist um 5 Prozent zurückgegangen.
  • Da E-Schrott in den USA bereits 2 Prozent des Abfalls und 70 Prozent des gesamten Giftmülls ausmacht, deutet ein Rückgang des ordnungsgemäßen Recyclings solch großer Hardwaremengen auf eine besorgniserregende Auswirkung auf die Umwelt hin. Noch schlimmer ist, dass etwa eines von zehn der größten Unternehmen mit der meisten Rechenzentrumshardware ausgemusterte Geräte einfach nur wegwirft.
  • 9 Prozent dieser größten Unternehmen geben zwar an, die Hardware zu entsorgen, prüfen aber nicht nach, ob irgendeine Art von Recycling tatsächlich erfolgt.
  • Optimierte Hardware-Aktualisierungszyklen würden den E-Müll um mehr als 80 Prozent reduzieren und eine um 15 Prozent bessere Leistung erzielen, während die Anschaffungskosten um 44 Prozent gesenkt würden. Dies würde einer jährlichen Kapitaleinsparung von 900.000 US-Dollar entsprechen. Außerdem würde sich der E-Müll um 12 Tonnen reduzieren.
  • Die Mehrheit der befragten Unternehmen (35%) gab 2018 an, die Server-Hardware alle zwei bis drei Jahre erneuern zu wollen. Inzwischen hat sich der Zyklus verlängert: 2019 will die Mehrheit (40%) die Server-Hardware erst nach vier bis fünf Jahren ersetzen.

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