Auf der CommunityLive World Tour von Hyland erläuterte CEO Jitesh S. Ghai, wie die künstliche Intelligenz beim Management von Content im Unternehmen und darüber hinaus helfen kann. Ein neues Führungsteam soll zudem für „frische Perspektiven“ sorgen.
„Von Content Management zu Content Innovation“ – Hyland-CEO Jitesh S. Ghai (l.) und Chief Product Officer Michael Campbell skizzieren in München ihre KI-getriebene Zukunftsstrategie.
(Bild: Hyland)
Neue Besen kehren gut: Seit der Amtsübernahme von Jitesh S. Ghai weht ein frischer Wind durch das Content-Management-Unternehmen. Ghai folgte im Mai 2024 als President und Chief Executive Officer (CEO) auf Bill Priemer, der nach 27 Jahren im Unternehmen, davon elf Jahre als CEO, in den Ruhestand ging. Ghai konzentriert sich nun darauf, die Content Innovation Cloud (CIC) von Hyland voranzutreiben. Im Gespräch mit CloudComputing-Insider auf Hylands CommunityLive World Tour in München gab er als Unternehmensziel zudem „mehrere Milliarden Umsatz im Jahr“ aus.
Mehr Start-up-Mentalität
Dafür hat Ghai laut den Worten von Tim McIntire, erst seit Mai neuer Chief Technology Officer (CTO), dem früher etwas behäbig wirkenden Unternehmen „den Geist eines Start-Ups“ verpasst. McIntire war zuvor bei Teradata in führender Position tätig. Generell hat Ghai sich eine neue Konzernspitze zusammengestellt, die ohne großen Content-Management-Hintergrund agiert. Dafür hat der Geschäftsführer aber eine Erklärung: „Dem Team fehlte es an neuen Perspektiven, die über den Tellerrand des Enterprise Content Managements (ECM) hinausgehen“, erklärte er gegenüber CloudComputing-Insider. „Die brauchten wir aber, um das ECM neu zu definieren.“
Er selbst habe direkt nach seiner Amtsübernahme die Frage gestellt, ob ECM immer vom Repository her gedacht werden müsse, oder ob es nicht viel sinnvoller sei, mit dem Business Value zu starten. „Das Repository kann ja aus allem möglichen bestehen, SharePoint oder ein Filesystem etwa. Hyland zeichnet aber aus, dass es Lösungen von großem Wert für das Business anbietet.“
Neuer Fokus auf unstrukturierte Daten
Hyland-CEO Jitesh S. Ghai setzt auf KI, Open Source und europäische Cloud-Strategien.
(Bild: Hyland)
Ghai selbst hatte nach eigenem Bekunden wenig Erfahrung mit Content, bis 2024 war er jedoch Executive Vice President und Chief Product Officer bei Informatica und bezeichnet sich daher als Spezialisten für Integration. In seiner früheren Stellung habe er viel Erfahrungen mit strukturierten Daten gesammelt, nun gerieten die bislang brachliegenden unstrukturierten Daten zunehmend in seinen Fokus, der künstlichen Intelligenz (KI) sei Dank: „Mein Plan sieht vor, Hyland von einem Content-Management-Unternehmen zu einem Unternehmen für Content Innovation zu transformieren und die 80 Prozent der unstrukturierten Daten in Unternehmen zugänglich und nutzbar zu machen.“
Eine Product Managerin demonstrierte dann auch auf offener Bühne, wie das neu vorgestellte Knowledge Enrichment einen handgeschriebenen Text auf Spanisch entzifferte, und zwar ohne vorheriges Training. Wenn das Schule macht, hat die KI für eine weitere Sensation gesorgt.
Künstliche Intelligenz als Wachstumstreiber
Die KI als alles umwälzende neue Technologie wurde Ghai und den anderen neuen Führungsfiguren von Hyland quasi frei Haus geliefert, und tatsächlich haben sie sich darauf uneingeschränkt gestürzt. Die KI ist nun überall in den Hyland-Produkten zu finden, was ja auch Sinn macht. Sie soll Silos aufbrechen, unstrukturierte Daten zusammenführen und gewinnbringende Erkenntnisse liefern – nicht zuletzt, weil sie in der Lage sei, unstrukturierte Inhalte in KI-fähige, kontextualisierte Daten zu verwandeln. Überhaupt lautete das Zauberwort „Kontext“ – wie andere Anbieter auch hat Hyland erkannt, dass eine KI ohne die für ihre Aufgabe notwendigen flankierenden Informationen zwangsläufig halluzinieren muss. Und was könnte mehr Kontext liefern als die Unmenge an unstrukturierten Daten, die überall im Unternehmen verstreut sind.
Um sie zu finden, kommt der Content Federation Service zum Einsatz. „Diese neueste Hyland-Innovation stellt sicher, dass Unternehmen effizient auf die riesigen Mengen unstrukturierter Daten in vielen verschiedenen Formaten und Repositories zugreifen und das darin enthaltene Wissen nutzen können, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen“, erklärte Michael Campbell, Chief Product Officer bei Hyland. Anwender könnten damit per Point-and-Click- Verbindungen zu verschiedenen Enterprise-Content-Repositories wie OnBase und SharePoint oder zu älteren ECM-Plattformen oder Clouds herstellen. Weitere Repositories sollen hinzugefügt werden. Der Service ist ab sofort in jedem Content Innovation Cloud-Abonnement enthalten.
Vernetzte KI-Agenten für Automatisierung und Analyse
Weitere Themen in München waren allen voran die bereits angeführte und früher im Jahr präsentierte CIC inklusive der Enterprise Context Engine und dem Enterprise Agent Mesh. Die beiden letztgenannten Technologien sollen den Anwendern eine einheitliche Sicht auf Unternehmensabläufe sowie intelligente Automatisierung mit Hilfe eines Multi-Agent-Netzwerks spezialisierter KI-Agenten bieten.
Dafür kommt der Hyland Agent Builder zum Einsatz, eine Plattform zur Entwicklung und Steuerung der Enterprise Agents. Dem zur Seite steht eine neue Generation agentengestützter Workflows, als Agentic Document Processing bezeichnet. Es sorgt dafür, dass Agenten Inhalte analysieren, interpretieren und automatisiert in nachvollziehbare Entscheidungen überführen können.
Stand: 08.12.2025
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Open Source stärkt das neue Cloud Content Repository
Für CTO Tim McIntire waren im Gespräch mit CloudComputing-Insider zudem die Pläne seines Unternehmens für die Open-Source-Bereitstellung des Cloud Content Repository ein großes Thema. Hyland setzt schon länger auf Open Source, namentlich bei den beiden Enterprise-Content-Management-Systemen Nuxeo und Alfresco. Dem soll demnächst das besagte Repository mit Headless-Architektur und offenen APIs folgen, das die beiden Systeme zusammenführen soll.
McIntire berichtete von großer Begeisterung in der zugehörigen Entwickler-Community, die gerade in Sachen Skalierung sehr aktiv sei: „Unser KI-fähiges Hochleistungs-Repository kann Milliarden von Dokumenten in großem Umfang verarbeiten und unterstützt gleichzeitig die föderierte Content-Architektur und die Content Innovation Cloud für Unternehmenskunden.“ Das Repository verfüge über denselben Kern, der auch die CIC antreibe.
Ausblick auf Hylands Zukunft: In München stellte das Unternehmen seine FY25/26-Roadmap für die Content Innovation Cloud vor.
(Bild: Dietmar Müller)
Hyland beteilige sich dafür am GitHub der Alfresco-Community und setze dabei vollständig auf „Offenheit und Transparenz“, so McIntire. „Wir wollen durch eine verstärkte communitygetriebene Entwicklung die Abhängigkeit von einem Anbieter beseitigen. Gleichzeitig ermöglicht das Repository unseren Entwicklern, skalierbare Lösungen zu schaffen. Die Kombination der Performance-Architektur von Nuxeo mit der Transformations-Engine von Alfresco steht für unsere gemeinsame Vision eines offenen, intelligenten Content-Managements.“
Dieses Repository ermöglicht die flexible Integration und Modernisierung bestehender Alfresco-Installationen und gewährleistet gleichzeitig nahtlose Kompatibilität mit dem gesamten Content-Ökosystem von Hyland. Anwender können das zu ihren Anforderungen passende Repository wählen: Alfresco-, Nuxeo- oder OnBase-Repository: „Entscheiden Sie sich für das neue Cloud-native Repository, wenn Sie enorme Skalierbarkeit, eine Leistung von unter einer Sekunde für Milliarden von Dokumenten, eine integrierte Vektorsuche für KI und eine zustandslose, ereignisgesteuerte Architektur für Analysen und KI-Training benötigen“, so McIntire.
Neue Europa-Strategie für souveräne Cloud-Bereitstellung
Der neue Zug in Hyland schlägt sich auch in einer neuen Strategie für Deutschland und Europa nieder. In München berichtete man entsprechend von einer vertieften Zusammenarbeit mit Amazon Web Services (AWS), um seine Präsenz in Europa auszuweiten. Über die AWS-Region Frankfurt sollen alle oben beschriebenen neuen Technologien latenzarm vertrieben werden.
Europäische Kunden können damit die Anforderungen an die regionale Datenresidenz erfüllen und „souverän“ handeln. „Mit der CIC und unseren nun europaweit verfügbaren KI-Lösungen können Anwender souverän die Compliance- sowie Sicherheitsanforderungen in Europa erfüllen“, erläuterte Arsalan Minhas, AVP, EMEA & APAC, Sales Engineering bei Hyland, im Gespräch mit CloudComputing-Insider.
Minhas bestätigte, dass Hyland seit Mai 2024 „eine ganz andere Firma“ geworden sei. Auch mache die Ausrichtung auf unstrukturierte Daten sowohl für Hyland als auch die Anwender Sinn: „All die Anbieter waren bislang ausschließlich auf strukturierte Daten fixiert, sei es nun ERP, CMS oder sonst etwas. Dabei wurde einfach unterschlagen, dass 80 Prozent aller teilweise wichtigen Informationen in den unstrukturierten Daten liegen. Diese bislang unberührten Schätze gilt es nun zu bergen.“