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Datensicherheit, Privatsphäre und Datenhoheit steuern den Cloud-Markt

Europäische Cloud-Provider im Schatten der Spähaffäre

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Es gibt zwei zusätzliche Beispiele, die eine ähnliche Perspektive aufzeigen, wohin sich der europäische Cloud-Markt bewegt. Swisscom kündigte jüngst die neue „Swiss Cloud” an, in der alle Server lokal in der Schweiz gehostet und alle Kundendaten ausschließlich innerhalb der Landesgrenzen gespeichert werden. Swisscom wies in der Ankündigung deutlich darauf hin, dass dieser Service nicht im Zusammenhang mit den jüngsten NSA-Enthüllungen stehe, sondern durch den Wunsch motiviert sei, Kosten zu senken und Systeme noch dynamischer zu gestalten. Dennoch adressiert Swisscom damit natürlich in erster Linie Schweizer Kunden und verspricht ihnen gleichzeitig die bestmöglichen Maßnahmen, sämtliche Kundendaten vor ausländischen Geheimdiensten zu schützen. Swisscom sagte außerdem, sie könnten in Zukunft möglicherweise auch Anfragen von ausländischen Unternehmen auf der Suche nach einem sicheren Hafen bedienen. Parallelen zur Schweizer Bankenwirtschaft werden hier deutlich.

Als weiteres Beispiel bietet Tapstorm (Telenor Business Internet Services AS, die weltweit agierende Cloud Service Firma der Telenor Group aus Norwegen) seinen Kunden die Wahl zwischen Microsoft Office 365 und einem im Land betriebenen Microsoft Hosted Exchange Service. Ersteres ist ein syndizierter Service, bei dem das Hosting der Anwendungen in der Microsoft Cloud außerhalb Norwegens erfolgt, während letzteres lokal gespeichert wird. Dies ist ein sehr gutes Beispiel für eine durchdachte Marktanpassung, durch welche die Kunden flexible Möglichkeiten je nach Bedürfnis und Sicherheitsvorliebe erhalten.

Kunde ist König

Nach Ansicht von Jie Zhang, dem CEO von Tapstorm, „wollten wir jegliche Bedenken über den Speicherort der Kundendaten vermeiden, die das Wachstum unserer cloud-basierten Kommunikations- und Kollaborations-Dienste zurückgehalten hätten. Cloud Services sollen unseren Kunden die Entscheidungsfreiheit über den Ort der Datenspeicherung geben. Wir geben Empfehlungen für verschiedene Anwendungsszenarien basierend auf unseren Erfahrungen, aber wir richten uns letztendlich nach der Entscheidung des Kunden."

Birger Steen, CEO von Parallels, meint dazu: „Telekommunikationsanbieter müssen signifikante operative Herausforderungen bei Bereitstellungs- und Abrechnungssystemen bewältigen, sobald sie der Entscheidung gegenüber stehen, einen neuen Service einzuführen oder einen zusätzlichen Dienst zum bestehenden Angebot hinzuzufügen." Er ergänzt, dass „die Markteinführung solcher Angebote bei den ITC-Providern bis zu einem Jahr benötigen kann. Diese Zeit dauert es, alle internen Systeme anzupassen, sie ordnungsgemäß zu konfigurieren und den Kunden durch die gegebenen Online- und Offline-Channel adäquat zu präsentieren.“

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