Interview mit Christian Frauen, Country Manager DACH bei Workiva KI hilft bei der ESG-Dokumentation

Von Dietmar Müller 4 min Lesedauer

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Künftig müssen sich auch kleinere Unternehmen in Deutschland und der EU aufgrund strengerer Regularien der Berichtspflicht im Bereich ESG (Environment, Social, Governance) stellen. Im Gespräch mit CloudComputing-Insider erläutert Christian Frauen, Vice President und Country Manager DACH bei Workiva, wie KI dabei viel Arbeit abnehmen kann.

Dank immer neuer Regularien müssen immer mehr europäische Firmen ihre nachhaltige und ethische Praxis unter Beweis stellen. (Bild:  frei lizenziert, marcinjozwiak / Pixabay)
Dank immer neuer Regularien müssen immer mehr europäische Firmen ihre nachhaltige und ethische Praxis unter Beweis stellen.
(Bild: frei lizenziert, marcinjozwiak / Pixabay)

Dank immer neuer Regularien müssen immer mehr europäische Firmen ihre nachhaltige und ethische Praxis unter Beweis stellen. Der Pflicht zum ESG-Reporting – die Abkürzung „ESG“ steht für Environmental, Social und Governance, zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – kommen sie mit Reporting-Lösungen nach, die Nachhaltigkeitskennzahlen messen und ausweisen. Diese Tools automatisieren idealerweise den Prozess der Datenerfassung und bieten üblicherweise eine Reihe von Funktionen wie Dashboards, ESG Data Management, ESG-konformes Disclosure Management, klassische Analyse (visuelle Analyse und OLAP-Analyse) sowie KPI-Management und ESG-Performance Management.

Zunehmend kommt auch künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. So hat Workiva letztes Jahr die Verfügbarkeit von Generative AI über die Workiva Plattform bekannt gegeben, es handelt sich um eine integrierte Plattform, die Financial Reporting, ESG und Governance, Risk und Compliance in einer kontrollierten und revisionssicheren Umgebung zusammenführt.

Christian Frauen, Vice President und Country Manager DACH bei Workiva.(Bild:  Workiva)
Christian Frauen, Vice President und Country Manager DACH bei Workiva.
(Bild: Workiva)

„Workiva verwendet generative KI in seiner Cloud-Plattform. Der Einsatz dieser Technologie verspricht nicht nur eine Revolutionierung des Marktes für Geschäftsberichte, sondern auch eine Steigerung der Produktivität und Effizienz“, äußerte Christian Frauen, Vice President und Country Manager DACH bei Workiva, gegenüber CloudComputing-Insider.

Verschiedene Teams greifen auf die selbe Datenbasis zu

Die Plattform könne Hunderte von Kennzahlen erfassen und kombiniere Datenschutz mit Collaboration: „Die Daten sind zuverlässig und können für verschiedene Geschäftsprozesse wiederverwendet werden. Dadurch haben Rechnungs- und Finanzteams jederzeit Zugriff auf aktuelle Zahlen und Erläuterungen, während Nachhaltigkeitsteams die gleichen Daten nutzen können, um ihre Veröffentlichungen dynamisch anzupassen. Zudem können Risiko- und Compliance-Teams die benötigten Einblicke erhalten, was zu übersichtlichen und genauen Daten führt, und die Effizienz steigert.“

Die generative KI werde dafür tief in die Plattform integriert. Kunden könnten die neuen Funktionen überall in ihrem Arbeitsablauf nutzen: „Dies ermöglicht es Benutzern, von Inhaltsproduzenten zu Inhaltsredakteuren zu werden und Arbeitsabläufe zu optimieren. Zugleich sparen sie Zeit, um sich auf wichtigere und produktivere Aufgaben zu konzentrieren.“

Denkpartner und Produktivitätsverstärker

Die KI fungiere als „digitaler Denkpartner und Produktivitätsverstärker“, der während des Arbeitens Fragen beantwortet und auf Befehl Texte umschreiben, zusammenfassen, kürzen oder erweitern kann. „Die generative KI wird maßgeschneidert mit unseren proprietären Daten und Expertise, um Antworten zu liefern, die speziell auf Bereiche wie Rechnungswesen, Finanzen, Risikomanagement, Prüfung und ESG zugeschnitten sind“, so Frauen.

Wie macht sie das aber genau? Nun, Basis-Large Language Models (LLMs) wie die OpenAIs GPT-Reihe seien auf einer großen Menge öffentlich verfügbarer Daten geschult worden und könnten diese nutzen, um generische Antworten auf Anfragen zu liefern. Sie seien sich aber möglicherweise des Kontextes nicht bewusst oder hätten keinen Zugang zu spezifischen Informationen. Workiva erweitere daher diese grundlegenden LLMs durch zusätzliche kontextbezogene Informationen, so dass die Antworten für Berichterstatter relevanter würden.

„Wir verwenden auch eine Technik namens ‚Retrieval Augmented Generation‘ (RAG), um den LLMs zusätzliche Daten zur Verfügung zu stellen“, berichtet der Manager. Beispiele dafür seien etwa Workivas proprietäre Plattform-Support-Informationsdaten oder das ESRS.

„Im Zusammenhang mit KI verwenden wir Workivas eigenes Supportmaterial als Datenquelle für unsere generativen KI-Tools, so dass die Nutzer Fragen über die Plattform stellen können und nützliche Ratschläge erhalten“, so Frauen. „Darüber hinaus können Kunden ihre eigenen Daten, die sich auf der Workiva-Plattform befinden, verwenden, wenn sie mit der generativen KI von Workiva interagieren.“

Verfügbarkeit in der EMEA-Region

„Unser Schwerpunkt liegt auf der verantwortungsvollen Optimierung generativer KI, um die Arbeit von Finanz-, Buchhaltungs-, Prüfungs-, Risiko- und ESG-Experten zu ergänzen, nicht zu ersetzen. Das bedeutet, dass wir die Produktivität steigern und gleichzeitig strenge Datensicherheit gewährleisten und generative KI so aufbauen, dass menschliche Interaktion erforderlich ist“, so Frauen.

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„Aktuell steht das Thema ESG vor einem Umbruch. Wir sehen uns mit unserer Lösung bestens dafür aufgestellt. Da die Prozesse rund um ESG und KI neu sind, sollten im nächsten Schritt Standards etabliert und erfolgreiche langfristige Projekte durchgeführt werden durch Einsatz und Weiterentwicklung der aktuell verfügbaren Lösungen, bevor neue KI-Lösungen und Features hinzukommen.“

„Workiva Gen AI“ ist derzeit nur auf Englisch verfügbar und für nordamerikanische Workiva-Kunden zugänglich. In der EMEA-Region kann es aber auf Anfrage als Teil eines Employee-Assistance-Programms genutzt werden. Frauen rechnet damit, dass es im 3. Quartal allen Kunden in der EMEA-Region angeboten wird, vielleicht schon eher. Der Zugang sei aktuell im Rahmen einer erweiterten Testphase noch kostenlos, Frauen geht davon aus, dass sich dies erst Anfang kommenden Jahres ändern wird.

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