EU-weite Ausschreibung für Open-Source Referenz-Implementierung Erste Spezifikationsrunde für Gaia-X Federation Services beendet

Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Das europäische Dateninfrastrukturprojekt Gaia-X hat einen ersten Meilenstein erreicht. Vier Federation Services stellen die technische Basis für den Start von Gaia-X.

Für die Gaia-X Federation Services wurde die erste Spezifikationsrunde abgeschlossen – jetzt stehen vier Services als technische Basis bereit.
Für die Gaia-X Federation Services wurde die erste Spezifikationsrunde abgeschlossen – jetzt stehen vier Services als technische Basis bereit.
(Bild: GXFS)

Koordiniert vom eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. haben die Projektpartner die Spezifikation der ersten vier Gaia-X Federation Services abgeschlossen. Diese bilden die technische Grundlage für den Aufbau einer europäischen Dateninfrastruktur zur sicheren Digitalisierung und Vernetzung unterschiedlicher Teilnehmer. Auf Grundlage der Federation Services können sich Benutzergruppen als Teil von Gaia-X selbst organisieren, sofern sie mit den entsprechenden Regeln konform gehen.

Konkret betreffen die Spezifikationen souveräne Identitäten, einen Katalog für Anbieter und Dienste, Hilfestellungen für den souveränen Datenaustausch und Compliance-Betrachtungen. „Die Gaia-X Federation Services bilden das Fundament und die Grundlage für die operationale Implementierung von Gaia-X“, sagt Andreas Weiss, Geschäftsbereichsleiter digitale Geschäftsmodelle im eco. Die im ersten Schritt definierten Standards und Frameworks könnten nun Kooperationen ermöglichen. „Mit dem Aufbau der sogenannten Federation Services, dem technischen Herzstück oder Betriebssystem von Gaia-X, ist der nächste Meilenstein geschafft. Die Anforderungen sind jetzt definiert und werden jetzt in Open-Source-Quellcode umgesetzt“, ergänzt Thomas Jarzombek, Beauftragter des BMWi für die Digitale Wirtschaft und Start-ups.

Open-Source-Fundament für ein offenes Ökosystem

Folgende vier Services bilden jetzt, in der aktuellen Spezifikation, das technische Fundament für den Aufbau von föderierten und souveränen Gaia-X Dateninfrastrukturen:

  • Die Identity & Trust Services umfassen die Authentifizierung und Autorisierung, Credential Management, dezentrales Identitätsmanagement sowie die Verifikation von analogen Credentials.
  • Der Federated Catalogue bündelt alle Angebote der Provider und ermöglicht Gaia-X Nutzern, das für sich bestmögliche Angebot zu finden.
  • Die Sovereign Data Exchange Services regeln insbesondere die Verhandlung von Datenverträgen über das Netz und ermöglichen so die Durchsetzung von Data Usage Policies.
  • Die Compliance Services definieren, wie das Onboarding von Providern und anschließend der anzubietenden Dienste zu Gaia-X abläuft und bieten zusätzlich geeignete technische Ansätze, um die Einhaltung der gemeinsamen Regeln (Policy Rules) kontinuierlich zu überwachen.

Zusätzlich zu den vier Federation Services wurde auch eine Integrationsebene spezifiziert. Das Gaia-X-Portal unterstützt z.B. das Onboarding und die Akkreditierung von Teilnehmern sowie die Orchestrierung und das Provisioning von Diensten. Für die Umsetzung dieser Services haben die Projektpartner insgesamt 17 Gewerke definiert.

EU-weite Ausschreibung beginnt

Im nächsten Schritt startet das Projektbüro nun zeitnah, die einzelnen Gewerke online auszuschreiben, um auf Basis der Spezifikationen eine Referenz-Implementierung zu schaffen. Ende des Jahres 2021 sollen die ersten funktionalen Services zur Verfügung stehen, damit sogenannte Federator diese für die jeweilige Föderation in Betrieb nehmen können.

Ziel der Ausschreibungsphase ist die Auswahl der besten Partner, die die Spezifikationen nun in Quellcode umsetzen und somit eine Referenz-Implementierung schaffen. Diese soll Open-Source zur Verfügung stehen und damit allen Interessierten die Möglichkeit bieten, selbst Teil des neuen digitalen Ökosystems zu werden.

Die Federation Services werden dabei vorhandene Datenökosysteme und Infrastrukturökosysteme miteinander verknüpfen. Unternehmen sollen so von voller Souveränität und Kontrolle über ihre wachsenden Datenmengen profitieren und unabhängig entscheiden können, über welche Plattformen und Cloud-Ressourcen sie mit Partnern zusammenarbeiten. Auf diese Weise soll ein föderiertes und interoperables Gesamtökosystem entstehen, in dem Teilnehmer Daten und Services souverän über sektorspezifische Datenräume hinweg nutzen können. Alle Daten- und Service-Angebote sollen transparent sein und die Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern, sogenannte Lock-in-Effekte, reduzierten.

Partnerschaft für die Spezifikationsarbeiten

An der Spezifikation der Federation Services haben u.a. diese Partner mitgearbeitet: 4Com GmbH & Co. KG, Cloud&Heat Technologies GmbH, Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V., IDSA e.V., Karlsruher Institut für Technologie, nicos AG, Robert Bosch GmbH, SAP SE, Kompetenznetzwerk Trusted Cloud e.V., XignSys GmbH sowie 1&1 IONOS SE.

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