Ethik-Kompendium als Debattenbeitrag der Internetwirtschaft

Eco will ethische Standards für digitale Technologien

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Selbstregulierung, echte Governance-Regeln und Ethik bilden die Digitalisierung besser ab als starre Gesetze.
Selbstregulierung, echte Governance-Regeln und Ethik bilden die Digitalisierung besser ab als starre Gesetze. (Bild: © Sikov - stock.adobe.com)

Unternehmen der IT-Branche, Marketingspezialisten und Werbetreibende können sich gar nicht genug freuen über die Möglichkeiten des Einsatzes von Algorithmen und künstlicher Intelligenz, verspricht doch die Auswertung großer Datenbestände aus beispielsweise Kundeninteraktionen oder dem Betrieb technischer Anlagen große unternehmerische und wirtschaftliche Potenziale.

Gleichzeitig heben sich viele Finger, um vor den Folgen zu warnen. Nicht wenige sehen das hohe Gut des Datenschutzes und der informationellen Selbstbestimmung immer mehr verwässert oder sogar ganz vor der Abschaffung. Die ethischen und rechtlichen Fragen fortschreitender Digitalisierung nimmt der Verband der Internetwirtschaft - eco e.V. aber sehr ernst, wie eco-Vorstandsvorsitzender Oliver J. Süme betont.

Ethische Normen, Handlungsleitlinien und letztlich rechtliche Rahmenbedingungen für die Entwicklung und den Einsatz digitaler Technologien sollten nicht einseitig von staatlicher Seite festgelegt werden. Süme verlangt hier den engen Schulterschluss zwischen Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft. Deutschland brauche einen umspannenden Ansatz, um Fragen digitaler Ethik methodisch zu diskutieren.

Segen und Fluch des technischen Fortschritts

Einen ersten Beitrag zu diesem Diskurs möchte der Verband mit seinem heute vorgestellten Kompendium „Digitale Ethik – Vertrauen in die digitale Welt“ leisten, das aktuelle Expertenmeinungen und Fachbeiträge zu verschiedenen Fragen im Zusammenhang mit digitaler Ethik, beispielsweise in den Fokusthemen Staat und Rahmenbedingungen, Arbeit, IT Sicherheit oder Bildung enthält.

Im Vorwort zum neuen Kompendium betont Süme, dass digitale Technologien – Anwendungen in den Bereichen künstlicher Intelligenz, Datenverarbeitung, Internet der Dinge oder sozialer Kommunikationsplattformen – immer Dual-Use-Technologien seien: „Sie können Fluch und Segen sein, für gute Zwecke eingesetzt oder zu kriminellen Zwecken missbraucht werden.“ Um die Fragen wie digitale Technologien eingesetzt werden sollen und Digitalisierung grundsätzlich gestaltet werden kann, braucht es nach Meinung Sümes allerdings keine Neuordnung des Rechtssystems:

„Internet ist kein rechtsfreier Raum“

Das Internet sei schon heute kein rechtsfreier Raum und gerade in Europa bestehe bereits ein engmaschiger Rechtsrahmen für das Internet. Zudem könnten viele Konfliktfälle in der digitalen Welt mit der Gesetzgebung aus der analogen Welt gelöst werden, beispielsweise im Bereich des Wettbewerbsrechts. Ethische Handlungsnormen müssten stattdessen im Rahmen eines gesamtgesellschaftlichen Prozesses angegangen werden. „Ich bin der Meinung, dass es hier viel mehr um eine Evolution, statt um eine Revolution gehen muss“, so Süme.

Selbstregulierung funktioniert bereits

Zahlreiche Unternehmen, hebt Eco hervor, übernehmen bereits Verantwortung für ethische Herausforderungen im Zusammenhang mit der digitalen Transformation und tragen beispielsweise im Rahmen von Selbstverpflichtungsinitiativen erfolgreich zur Einhaltung ethischer Normen bei. Der Verband nennt als Beispiel die eigene Beschwerdestelle zur Bekämpfung unerwünschter und illegaler Internetinhalte.

Ulrich Kelber, neuer Bundesbeauftragter für den Datenschutz und Informationsfreiheit, begrüßt das Dialogangebot der Internetwirtschaft: „Die informationelle Selbstbestimmung und der Datenschutz werden in einer zunehmend vernetzten und digitalisierten Welt immer wichtiger. Wir alle – also Aufsichtsbehörden, Unternehmen, Bürger und der Staat – müssen für einen positiv besetzten Datenschutz-Begriff kämpfen und diesen auch authentisch leben“, sagt Kelber. Datenschutz sei definitiv kein Hemmschuh für Innovationen. Er fördere diese sogar, wenn die Nutzer Vertrauen in die Sicherheit neuer Technologien haben. „Wenn Wirtschaft und Politik dies im Blick haben, könnten datenschutzfreundliche Produkte und Dienstleistungen aus Deutschland zu einem weltweiten Benchmark werden“, sagt Kelber.

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