Cloud Report 2025: Wendepunkt für digitale Infrastruktur ist erreicht Cloud wird 100-Prozent-Standard – Souveränität bleibt Wunsch

Von Elke Witmer-Goßner 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Cloud ist aus der deutschen Wirtschaft nicht mehr wegzudenken – die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern wird aber zunehmend kritisch gesehen. Das sind zentrale Ergebnisse des neuen „Cloud Report 2025“ des Digitalverbands Bitkom.

Cloud-Nutzung wird spätestens in fünf Jahren Standard sein, digitale Souveränität ist es noch nicht: Unternehmen erkennen die steigende Abhängigkeit von Anbietern aus USA oder China, sind aber wenig kompromissbereit für Alternativen.(Bild: ©  tete_escape - stock.adobe.com)
Cloud-Nutzung wird spätestens in fünf Jahren Standard sein, digitale Souveränität ist es noch nicht: Unternehmen erkennen die steigende Abhängigkeit von Anbietern aus USA oder China, sind aber wenig kompromissbereit für Alternativen.
(Bild: © tete_escape - stock.adobe.com)

90 Prozent der Unternehmen nutzen bereits Cloud-Dienste, weitere 10 Prozent planen die Einführung. In fünf Jahren, so die Prognose, werde es kein Unternehmen mehr ohne Cloud geben.

Cloud-Investitionen nehmen weiter zu

Die Cloud ist zum Rückgrat der digitalen Transformation geworden. So gaben 68 Prozent der befragten Unternehmen an, Cloud-Dienste zur Digitalisierung interner Prozesse einzusetzen – ein Anstieg von 23 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Auch als Zugang zu KI und IoT gewinnt die Cloud an Bedeutung: 50 Prozent sehen sie inzwischen als Schlüsseltechnologie für Innovationen.

Ohne Cloud würde unser Unternehmen stillstehen

sagen 67 Prozent der befragten Unternehmen.

46 Prozent der Unternehmen planen, 2025 mehr in Cloud-Technologien zu investieren als im Vorjahr. Vor allem Anwendungen wie CRM, Web-Conferencing, Softwareentwicklung, Sicherheitssoftware und Datenbanken sollen verstärkt aus der Cloud genutzt werden.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 13 Bildern

Cloud-first wird zur Norm – aber Lock-in bleibt ein Risiko

Erstmals gibt die Hälfte der Cloud-Nutzer an, dass die Cloud im Mittelpunkt ihrer IT-Strategie steht: 19 Prozent setzen auf „Cloud-only“, weitere 31 Prozent auf „Cloud-first“. Gleichzeitig fühlen sich 53 Prozent der Unternehmen von ihren Cloud-Anbietern abhängig – insbesondere in Bezug auf Preise, Vertragsbedingungen und Wechselmöglichkeiten.

Laut Umfrage sehen 78 Prozent der Unternehmen eine zu große Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern. 82 Prozent wünschen sich leistungsfähige Anbieter aus Deutschland oder Europa.

Wachsende Abhängigkeit – und wenig Bereitschaft zu Kompromissen

Doch diese Forderung stößt an die Grenzen der Realität: 65 Prozent der Befragten wären nicht bereit, dafür längere Entwicklungszeiten, Funktionslücken oder höhere Kosten in Kauf zu nehmen.

Der Bitkom empfiehlt Unternehmen daher, Lock-in-Effekte frühzeitig zu erkennen und Strategien für Datenportabilität, Interoperabilität und Exit-Szenarien zu entwickeln. Die einfache Wechselmöglichkeit ist jedoch bislang nur für 41 Prozent ein zentrales Auswahlkriterium bei der Wahl des Anbieters.

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst fordert: „Deutschland muss sich aus einseitigen Abhängigkeiten lösen – auch bei der digitalen Infrastruktur.“ Eine deutsche Cloud sei aber nur dann mehr als ein Nischenprodukt, wenn sie mit globalen Anbietern in Leistung und Preis mithalten könne.

Sicherheit, Datenschutz und Compliance sind Top-Prioritäten

Die wichtigsten Kriterien bei der Wahl eines Cloud-Anbieters bleiben IT-Sicherheit, Datenschutz und Compliance – jeweils mit 99 Prozent Zustimmung unter den Befragten. Auch Datenverschlüsselung (96 %), Interoperabilität (69 %) und Klimaneutralität (67 %) gewinnen an Bedeutung.

Deutsche und europäische Anbieter werden bei der Vertrauenswürdigkeit klar bevorzugt: 100 Prozent würden deutsche Anbieter wählen, 61 Prozent EU-Anbieter. Die USA erreichen lediglich 6 Prozent Zustimmung, gleichauf mit Großbritannien.

Alle wünschen sich eine deutsche Cloud – aber kaum jemand ist bereit, dafür Kompromisse einzugehen.

Dr. Ralf Wintergerst, Präsident des Bitkom

Bitkom fordert politisches Engagement und Infrastruktur-Initiativen

Bitkom-Präsident Wintergerst wünscht sich eine aktivere Rolle der Politik beim Aufbau einer leistungsfähigen Cloud-Infrastruktur in Deutschland – durch gezielte Förderung von Rechenzentren, Investitionsanreize und die Nutzung souveräner Lösungen in Behörden. „Hohe Strompreise machen den Betrieb in Deutschland oft unattraktiv“, betonte Wintergerst. Auch sei die digitale Souveränität im geopolitischen Kontext zu lange vernachlässigt worden.

Die jüngste Entscheidung der Bundeswehr, ihre Cloud-Infrastruktur auf Google aufzubauen, sei, so Wintergerst, vermutlich eine pragmatische gewesen, zeige aber zugleich die fehlenden souveränen Alternativen. Er mahnt aber, die Chancen jetzt nicht zu verpassen: „Wenn jetzt nicht in deutsche Cloud-Player investiert wird, dann vielleicht nie wieder.“

Bildergalerie
Bildergalerie mit 13 Bildern

Fazit: Die Cloud bleibt, die Abhängigkeit auch

Der Bitkom Cloud Report 2025, für den 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland repräsentativ befragt wurden, zeichnet ein klares Bild: Die Cloud ist für die meisten Unternehmen inzwischen alternativlos. Die Unternehmen wollen leistungsstarke Alternativen – doch sie scheuen Kompromisse. Ohne politische Unterstützung und Investitionsbereitschaft wird der Ruf nach einer deutschen oder europäischen Cloud ungehört verhallen.

Um Unternehmen auf ihrem Weg in die Cloud zu unterstützen, hat der Bitkom den praxisnahen Leitfaden „Cloud-Strategie & Kulturwandel“ veröffentlicht.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Cloud Computing

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:50449747)