Lokale Software-Nutzung ist immer noch „in“ Cloud, aber clever: Warum ohne On-Premises nichts geht

Ein Gastbeitrag von Thomas Huth* 4 min Lesedauer

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Der Druck zum Umstieg auf die Cloud steigt als Teil der digitalen Transformation zunehmend an. Unternehmen sind dazu gezwungen, ihre IT-Infrastrukturen an aktuelle Geschäftsanforderungen anzupassen. Der Trend geht ohne Zweifel ganz deutlich hin zur Cloud. Und doch ist On-Premises noch nicht aus der Mode.

Das Abo-Modell bringt den Softwareherstellern mehr Einnahmen, der Verkauf „gebrauchter“ Lizenzen wird verhindert, und doch verabschieden sich die Anbieter (noch) nicht von der On-Prem-Bereitstellung.(Bild:  Myvisuals - stock.adobe.com)
Das Abo-Modell bringt den Softwareherstellern mehr Einnahmen, der Verkauf „gebrauchter“ Lizenzen wird verhindert, und doch verabschieden sich die Anbieter (noch) nicht von der On-Prem-Bereitstellung.
(Bild: Myvisuals - stock.adobe.com)

Im April kündigte Microsoft die Veröffentlichung seiner neuesten Office-LTSC-2024-Version an. Dabei handelt es sich eben nicht um eine Cloud-Version, sondern um eine On-Premises-Lösung – ganz ohne Abo-Zwang. Aber warum entscheidet sich Microsoft inmitten eines Cloud-Hypes für klassische Lizenzen? Was bedeutet das für die Zukunft des Lizenzmanagements? Wir schauen hin.

Cloud-Hype doch aufzuhalten?

Die Cloud hat ihren Boom der letzten Jahre ihrer Kosteneffizienz und flexibler Skalierbarkeit zu verdanken. Doch: Eine aktuelle Bitkom-Studie zeigt, dass Unternehmen wegen eines zu hohen Investitionsbedarfs die Migration in die Cloud scheuen. Einer Umfrage des Zentrums Nachhaltige Transformation zufolge erwarten 74 Prozent aller Befragten in den kommenden Jahren steigende Cloud-Kosten. Im Vergleich: On-Premises hat zwar hohe Anfangsinvestitionen, kann aber langfristig gesehen sogar günstiger sein.

Ein weiterer Grund, warum sich viele Unternehmen gegen eine „Cloud first“-Strategie entscheiden, ist der Verlust der Kontrolle über ihre Daten. Während Unternehmen bei der Cloud-Nutzung keine oder nur wenig Macht über ihre Daten haben, behalten sie diese bei On-Premises-Lösungen vollständig bei. Strenge Sicherheits-, Compliance- und Datenschutzanforderungen machen den Umstieg in die Cloud komplex und bergen weiterhin Sicherheitsrisiken. Meldungen über Datenlecks bei verschiedenen Cloud-Anbietern verunsichern die Unternehmen zusätzlich.

Je nach individueller Unternehmenssituation spricht vieles für die Cloud, doch auch vieles für On-Premises. In vielen IT-Abteilungen ist statt einer Cloud-Euphorie inzwischen sogar ein Cloud-Exit erkennbar. Die Frage, was langfristig bestehen bleibt und ob es sich nur um einen Cloud-Hype, statt einer langfristigen Entwicklung handelt, bleibt weiterhin.

Klares Zeichen für klassische Lizenzen

Die Veröffentlichung Microsofts zeigt ganz deutlich: Kauf-Modelle werden auch weiterhin eine Daseinsberechtigung haben. Trotz des anhaltenden Cloud-Booms setzen Softwarehersteller weiter auf klassische Lizenzen. Aber was bewegt diese dazu? Insbesondere, wenn sie doch eigentlich mehr Umsatz mit Abo-Modellen machen könnten? Hier wird das grundlegende Gesetz von Angebot und Nachfrage deutlich: Wo Kunden Bedarf haben, wird auch der Hersteller entsprechende Angebote bereitstellen.

Eine weitere Auswirkung der LTSC-Veröffentlichung von Microsoft: Die Einführung der On-Premises Lizenzen ebnet den Weg für den Handel mit gebrauchten Softwarelizenzen – und das obwohl große Anbieter wie Microsoft dies eigentlich eher ungern sehen. Wer sich nicht auf das Spiel mit den großen Softwareherstellern einlassen will, kann auf den Markt für gebrauchte Softwarelizenzen zurückgreifen.

Die sogenannten „Second Hand“-Softwarelizenzen bieten die gleiche Qualität wie neue Lizenzen, sind aber deutlich günstiger. Unternehmen können dadurch zusätzliche Flexibilität und erhebliche Kosteneinsparungen von 30 bis 50 Prozent realisieren – der Gewinn der Softwarehersteller wird dadurch allerdings geschmälert. Und es steht im Widerspruch zu den Bestrebungen der großen Technologieunternehmen, den Softwaremarkt vollständig zu kontrollieren und die Einkommensströme innerhalb ihres eigenen Ökosystems zu halten.

Durch die neue LTSC-Version steht für den Handel mit relizensierter Software fest: Für mindestens die nächsten fünf bis zehn Jahre wird es ihn weiterhin geben. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2012 erlaubte erstmals den Handel mit gebrauchten Softwarelizenzen – zumindest in der EU. Seitdem hat sich ein Markt für gebrauchte Softwarelizenzen etabliert. Vor einigen Jahren noch prophezeiten viele Experten das Ende dieses Marktes aufgrund des Trends zur Cloud. Was sich hingegen doch geändert hat: Der Handel wird in einer Hybrid-Version stattfinden, bei der Unternehmen die Vorteile beider Systeme optimal nutzen können. Diese Kombination ermöglicht es ihnen, sowohl die Flexibilität und Skalierbarkeit der Cloud als auch die Kosteneffizienz und Kontrolle von On-Premises-Lösungen zu verknüpfen.

Software mit Sparpotenzial

Nach Jahren des Cloud-Booms sind bereits die ersten Cloud-Exits zu verzeichnen. Während für Softwareanbieter die Vorteile der Cloud überwiegen, sind Unternehmen zusätzlich durch die steigenden Kosten und Sicherheitsbedenken verunsichert. Dabei bleibt festzuhalten: Die Macht der Kunden ist nicht zu vernachlässigen. On-Premises-Lizenzen werden auch in den nächsten Jahren weiterhin eine bedeutende Rolle einnehmen, auch wenn in Hybrid-Kombination mit der Cloud. Wer nicht vollständig in die Cloud wechseln will, dem bietet der Markt gebrauchter Softwarelizenzen eine attraktive Alternative.

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On-Premises-Lösungen sind nach wie vor relevant und modern, auch wenn Cloud Computing und KI-Technologien weiterhin in den Fokus rücken. Der Handel mit gebrauchten Softwarelizenzen hat sich zwar verändert, aber sowohl die bestehende Nachfrage als auch das verfügbare Angebot deuten darauf hin, dass dieser Markt auch in Zukunft weiter wachsen und neue Entwicklungen erfahren wird. Dieser Markt wird uns auch in den nächsten Jahren als kostengünstige und unabhängige Alternative erhalten bleiben – er geht nur in die nächste Runde.


* Der Autor Thomas Huth ist Gründer und Geschäftsführer von Capefoxx, einem der führenden rechtssicheren Anbieter für gebrauchte Software in Europa. Mit über 20 Jahren Erfahrung in dieser Branche verfügt er über eine umfassende Expertise. Huth hatte eine wichtige Rolle in wegweisenden Gerichtsverfahren gegen Unternehmen wie Adobe und Oracle, welches zu höchstrichterlichen Urteilen des EuGH und BGH führte, die bis heute das Fundament für den rechtssicheren Handel mit gebrauchten Lizenzen bilden.

Bildquelle: Capefoxx

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