Digitale Forensik ist einem ständigen Wandel unterworfen. Steigende Datenmengen, kurze Bearbeitungsfristen und hohe Anforderungen an die Verwertbarkeit von Beweisen stellen Ermittler vor immer größere Herausforderungen. An dieser Stelle kommen Cloud-Technologien und KI ins Spiel, um diese Anforderungen zu erfüllen und die Effizienz erheblich zu steigern.
Cloud und KI beschleunigen forensische Ermittlungen wie nie zuvor, um digitale Beweismittel zu sichern und Cyberkriminalität strafrechtlich zu verfolgen.
Digitale Endgeräte wie Smartphones, Laptops und Speichermedien sind allgegenwärtig und spielen eine zentrale Rolle bei der Sicherung von Beweismitteln. Die wachsende Zahl der Asservate erhöht jedoch auch die Komplexität der Auswertungen. Zudem verlangen Datenschutzgesetze und die Anforderungen an die Beweismittelintegrität höchste Sorgfalt. Ohne leistungsstarke Werkzeuge geraten klassische forensische Verfahren hier schnell an ihre Grenzen.
Cloud-Technologien bieten jedoch entscheidende Vorteile für die digitale Forensik. Sie ermöglichen eine massive Skalierung der Rechenkapazitäten und damit eine deutlich schnellere Bearbeitung von Fällen. Dies ist insbesondere bei der Entschlüsselung verschlüsselter Datenträger spürbar: Ein cloudbasierter Brute-Force-Ansatz beispielsweise kann durch parallele Rechenleistung die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen und die Bearbeitungszeit drastisch verkürzen – bei gleichzeitig planbaren Kosten.
Automatisierung und KI: Qualität und Geschwindigkeit vereint
Einen weiteren Vorteil stellen moderne Forensik-Plattformen dar, die auf weitreichende Automatisierung auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) setzen, um die Qualität und Geschwindigkeit der Ermittlungen zu steigern. Hash- und Keyword-Suchen identifizieren zum Beispiel bekannte und verdächtige Inhalte. KI-gestützte Analyse kategorisiert Bild- und Videomaterial automatisch nach Relevanz und die Gesichtserkennung hilft bei der Identifikation von Tätern und Opfern. Die automatisierten Ergebnisse dieser Methoden werden anschließend von erfahrenen Forensikern im Vier-Augen-Prinzip überprüft.
Sicherheit als oberste Priorität
Darüber hinaus ist Sicherheit im Umgang mit sensiblen Daten ein Muss. Daher setzen moderne Forensik-Dienste auf umfassende Schutzkonzepte, wie zum Beispiel verschlüsselte Datenübertragung, isolierte Forensik-Netze, Chain-of-Custody-Dokumentation für alle Bearbeitungsschritte, sowie regelmäßige Audits und Qualitätsmanagement nach der ISO 9001.
Neben den beschriebenen Automatisierungsmechanismen bleibt der Faktor „Mensch“ in der digitalen Forensik entscheidend: Teams aus erfahrenen Forensikern und Cybercrime-Spezialisten werten die Ergebnisse aus und sorgen für eine gerichtsfeste Dokumentation. Diese Kombination aus technologischer Effizienz und menschlicher Expertise ist der Schlüssel zu schnellen und verlässlichen Ergebnissen.
Technische Details zum Aufbau eines Cloud-Forensik-Labors
Das Herzstück der modernen digitalen Forensik ist eine skalierbare, hochgradig gesicherte Cloud-Infrastruktur. Die Architektur kombiniert spezialisierte Hardware mit flexibler Virtualisierung, um sowohl klassische forensische Untersuchungen als auch rechenintensive Aufgaben wie Brute-Force-Entschlüsselungen effizient zu bearbeiten.
Die Systemarchitektur basiert dabei auf einer Kombination von lokalen Installationen klassischer Forensik-Software und browserbasiertem Zugriff auf die Analyseumgebung, Datenbanken zur Verwaltung von Fallinformationen sowie Beweismitteln, KI-Servern als auch Known-File-Filtern. Die Komponenten sind hierbei über einen zentralen Processing Manager, der die Aufgabenverteilung an die Verarbeitungseinheiten übernimmt, eng miteinander verknüpft und die Daten werden auf einem verschlüsselten Storage-Server abgelegt.
Unsere Forensik-Plattform umfasst derzeit 60 physische und virtuelle Server, etwa 600 logische CPU-Kerne, 2,5 Terabyte Arbeitsspeicher (RAM) und 300 Terabyte hoch performanten Speicherplatz. Diese Ressourcen ermöglichen die parallele Bearbeitung hunderter Fälle. Die Skalierung erfolgt dabei dynamisch, denn bei Bedarf können zusätzliche Serverinstanzen bereitgestellt werden, um ein stark erhöhtes Fallaufkommen zu bewältigen.
Höchste Sicherheitsstandards garantiert
Datensicherheit und Integrität stehen in der digitalen Forensik an oberster Stelle. Daher sind alle Systeme in einer strikt segmentierten Netzwerkarchitektur organisiert: Die Demilitarisierte Zone (DMZ) stellt einen geschützten Zugangspunkt für externe Verbindungen dar, mit VPN-Gateway und Webservern. Mittels Backend gelingt ein Zugriff nur über gesicherte Verbindungen, betrieben auf separierter Hardware mit eigenen Firewall-Segmenten, und Datenbank-Cluster ermöglichen eine mehrfache Speicherung von Fallinformationen. Storage-Cluster sorgen hingegen für eine isolierte, verschlüsselte Speicherung von Beweismitteln und separate Servergruppen für parallele Analysen, Clustering und KI-gestützte Verarbeitung werden als Verarbeitungseinheiten bezeichnet.
Stand: 08.12.2025
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Zudem erlaubt die Architektur die Anbindung externer Dienste durch Security Operations Centers (SOC), Office 365 Integration und Forensik-Tools wie IRIS. Über ein Upload-Portal können externe Behörden oder Unternehmen Beweismittel sicher und verschlüsselt hochladen, die dann direkt in die Analyseplattform integriert werden.
* Der Autor Jan Schledzinski ist Leiter der Abteilung Digital Forensics & Incident Response (DFIR) bei msg Systems AG. Mit über 15 Jahren Erfahrung in der IT-Forensik und Cybercrime-Bekämpfung unterstützt er Behörden und Unternehmen bei der Aufklärung komplexer digitaler Sachverhalte.