In Zeiten multipler, sich überlagernder Krisen sind Agilität und Handlungsfähigkeit Grundvoraussetzungen eines leistungsfähigen Staates. Eine umfassende Digitalisierung ist einer der Schlüssel, um auf rasche Lageänderungen reagieren zu können – wie nicht zuletzt die Corona-Pandemie, aber auch der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine zeigen.
Die umfassende Digitalisierung und Vereinheitlichung von Strukturen und Anwendungen über alle föderalen Ebenen hinweg machen den Staat agil und handlungsfähig.
(Bild: cbies - stock.adobe.com)
Doch die Umstellung der deutschen Verwaltung von analog auf digital stellt nach wie vor eine große Herausforderung dar und der Fortschritt ist schleppend. Diese Ausgangsthese wird von zahlreichen Studien seitens der EU-Kommission, des Bitkom und anderer Akteure untermauert. Deutschland liegt in Bezug auf die Digitalisierung seiner Wirtschaft und Gesellschaft im europäischen Vergleich laut dem DESI-Index im unteren Mittelfeld auf Platz 13 von 27 Ländern. Die Klagen über eine nicht funktionierende Verwaltung werden häufiger und lauter.
Der aktuell von D21 veröffentlichte „eGovMonitor 2023“ macht deutlich, dass die Menschen das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Sektors verlieren und den Kontakt mit der Verwaltung mehrheitlich als sehr anstrengend empfinden – und das mit steigender Tendenz. 42 Prozent der Deutschen sagen zudem, dass sie mit den ihnen bekannten E-Government-Angeboten ihrer Stadt oder Gemeinde nicht zufrieden sind. Gleichzeitig erwarten 63 Prozent von der Verwaltung im 21. Jahrhundert, dass sie Leistungen genauso einfach und bequem online in Anspruch nehmen können wie von Privatunternehmen.
Es steht außer Frage, dass es viele Initiativen und Projekte gibt, um die Verwaltung digitaler und damit leistungsfähiger zu machen. Dennoch wird der Durchbruch nicht geschafft und die Mehrwerte kommen noch nicht bei den Bürgern und Unternehmen an. Aufgrund der Komplexität der Verantwortlichkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen werden vergleichbare Leistungen heute noch zu häufig von unterschiedlichen Stellen mehrfach erbracht. Ein mehr an Einzelprojekten, wo jeder versucht, in seinem Bereich Dinge ein bisschen besser zu machen und jedes Mal das Rad neu erfindet, wird keinen Durchbruch bringen.
Gemeinsame Multi-Cloud-Plattform für mehr Agilität
Mit seinen föderalen Ebenen muss sich unser Staat vielmehr als eine Plattform verstehen. Zentral hierfür wird der Aufbau einer gemeinsamen, souveränen Multi-Cloud-Plattform sein. Als Hub für gemeinsam genutzte Dienste und als Innovationsraum für Angebote von privaten und öffentlichen Dienstleistern schafft eine solche souveräne Multi-Cloud-Plattform die Basis für agiles, verwaltungsübergreifendes Vorgehen, den Zugang zu Innovationen und eine bessere und schnellere Skalierung digitaler Dienste für die Bürger und Unternehmen, aber auch die Verwaltung selbst.
Die Notwendigkeit einer gemeinsamen Cloud-Plattform hat mittlerweile auch die Politik erreicht: Die deutsche Verwaltungscloud-Strategie sieht vor, dass bereits bis Ende 2024 ein Cloud-Service-Portal eingerichtet wird, auf welchem eine relevante Anzahl von Services zur Verfügung stehen und voll einsatzfähig sein soll. Zukünftig soll der hier entstehende Servicekatalog von allen Ebenen der Verwaltung genutzt werden können.
Um das volle Potenzial von Cloud-Technologien für die Verwaltung auszuschöpfen, wird die Vereinheitlichung von Schnittstellen und Etablierung von Standards eine wesentliche Rolle spielen. Ein Hauptaugenmerk der Verwaltungscloud-Strategie liegt genau darauf, um übergreifend eine interoperable und modular einsetzbare Cloud-Infrastruktur zu etablieren. So wird auch die effiziente Nachnutzung einmal entwickelter Lösungen nach dem „Build once, run anywhere“-Prinzip auf allen Verwaltungsebenen ermöglicht.
Grundvoraussetzung bleibt Souveränität
Bei allen offensichtlichen Vorteilen ist die Verwendung von Cloud-Services für die öffentliche Verwaltung an hohe Anforderungen geknüpft: Die Hoheit über die sensiblen Daten der Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Verwaltungsorgane und deren zuverlässiger Schutz hat höchste Priorität, weswegen die digitale Souveränität der öffentlichen IT eine Grundvoraussetzung für die Anwendung von Cloud-Services bleibt.
Der IT-Planungsrat beschreibt Digitale Souveränität als „die Fähigkeiten und Möglichkeiten von Individuen und Institutionen, ihre Rolle(n) in der digitalen Welt selbstständig, selbstbestimmt und sicher ausüben zu können“. Digitale Souveränität hat dabei verschiedene Facetten: Datensouveränität beispielweise bezeichnet die Fähigkeit, über die eigenen Daten zu jedem Zeitpunkt die Hoheit zu besitzen. Dazu kommen Betriebssouveränität, d.h. die Unabhängigkeit von externen Eingriffen z.B. aufgrund staatlicher Embargos, sowie Technologiesouveränität, d.h. die Möglichkeit derzeit genutzte Angebote ohne erhebliche Aufwände durch die Inanspruchnahme alternativer Angebote zu ersetzen. Welcher Grad an Souveränität einer Cloud-Lösung dabei möglich und notwendig ist, hängt von der Kritikalität der Anwendung und der Klassifizierung der Daten ab.
Stand: 08.12.2025
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Die eine Cloud-Lösung für alle Anwendungsfälle kann es dabei nicht geben. Zu unterschiedlich sind von Fall zu Fall die Anforderungen und Prioritäten. Deshalb kann nur eine Mischung aus verschiedenen Cloud-Modellen sinnvoll sein. Das heißt konkret: In einer Multi-Cloud-Lösung werden kritische Verfahren oder Daten in Private Clouds von öffentlichen Dienstleistern selbst betrieben oder durch Partner der öffentlichen Verwaltung als Community Cloud zur Verfügung gestellt. Weniger kritische Prozesse können wiederum in flexible Public-Cloud-Angebote ausgelagert werden. So entsteht eine souveräne Multi-Cloud-Umgebung, die einerseits den Souveränitäts- und Datenschutzanforderungen gerecht wird, und andererseits auch die Innovationskraft externer Anbieter und Hyperscaler integriert.
Cloud-ready in die Zukunft
Eine souveräne Multi-Cloud-Plattform ist die Grundlage dafür, dass unser Staat schnell, flexibel, kooperativ und agil arbeiten kann, um auf Krisen und rasche Lageänderungen reagieren zu können. Das gilt für die Gegenwart, aber umso mehr für die Zukunft. Dies wird unter anderem deutlich, wenn wir uns die demographische Entwicklung ansehen. Die deutsche Verwaltung steht vor einem enormen Personalmangel, wenn die Generation der Babyboomer in Rente geht. Laut Prognosen werden dem öffentlichen Dienst bis 2030 etwa 840.000 Vollzeitfachkräfte fehlen. Momentan sind es rund 360.000.
Daher wird eine umfassende Automatisierung unter Nutzung von Technologien wie KI und generativer KI in Zukunft unumgänglich sein. Und auch hier spielen souveräne Cloud-Technologien eine zentrale Rolle: KI kann nur dann souverän genutzt werden, wenn die Daten und die KI-Services auf einer souveränen Cloud-Infrastruktur basieren. Anforderungen wie Daten-, Technologie- und Betriebssouveränität gelten gleichermaßen für den Einsatz von KI. Souveräne KI entsteht damit im Zusammenspiel von souveräner Cloud und einer damit eng verknüpften souveränen Datenhaltung. Hinzu kommt ein weiter Aspekt: der Einsatz souveräner Large Language Models, der gerade im Bereich der öffentlichen Verwaltung dazu führen wird, dass diese Modelle zumindest in Teilen selbst entwickelt werden.
Die Zukunft wartet also nicht. In einer Zeit multipler Krisen ist ein agiler und handlungsfähiger Staat wichtiger denn je. Handlungsfähigkeit und Agilität erfordern eine umfassende Digitalisierung und Vereinheitlichung von Strukturen und Anwendungen über alle föderalen Ebenen hinweg. Dies wird nur gelingen, wenn wir eine gemeinsame digitale Infrastruktur basierend auf einer souveränen Multi-Cloud schaffen.
* Die Autorin Corinna Krezer ist Leiterin des Bereichs Öffentliche Verwaltung und Gesundheitswesen bei Accenture.