Wie gut ist es um die Flexibilitätsversprechen der Cloud-Anbieter bestellt? Wie stark sind Vendor-Lock-In-Effekte durch die neue VMware-Lizenzpolitik? Wann wird der Sovereign Cloud Stack interessant? Die Antworten darauf von Peter Wüst, dem neuen Plusserver-CTO, sind vielschichtig.
„You can check out any time you like, but you can never leave“, sangen die Eagles in „Hotel California“.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, heißt es so schön. Dieser scheint auch nach den ersten hundert Tagen bei Plusserver für Peter Wüst noch nicht verflogen zu sein. Wüst heuerte bei der Cloud-Company als CTO an, nach 23 Jahren Karriere bei NetApp, wo er unter anderem als Geschäftsführer und Managing Director für Deutschland tätig war. „In Hinblick auf meine 53 Jahre, stellte sich die Frage ‚What's Next?‘ und mit der Position als CTO bei Plusserver hat sich eine tolle Chance ergeben, etwas Neues anzupacken“, so der Manager.
Cloud-Fokus für Public-Sektor und Mittelstand
Peter Wüst, CTO, Plusserver
(Bild: Plusserver)
„Plusserver ist kein Konzern – das spiegelt sich an den kurzen Entscheidungswegen und den mittelständischen Strukturen wider und hat auch Bedeutung in Hinblick auf das Thema ‚Sovereign Cloud‘, welches in letzter Zeit stark an Bedeutung gewonnen hat“, so Wüst. Plusserver habe einen Cloud-Fokus, sei stark im Public Sector sowie im deutschen Mittelstand unterwegs und für ihn sei es ein spannendes Marktumfeld, hier „auch vor dem Hintergrund rechtlicher Unsicherheiten und um nicht alles den US-amerikanisch dominierten Hyperscalern zu überlassen“, teilt Wüst seine Gedanken.
Bei Cloud-Diensten sind viele Kunden im Markt entgegen dem Flexibilitätsversprechen in eine Vendor-Lock-In-Thematik reingelaufen.
Peter Wüst, CTO, Plusserver
„Hotel California“ von den Eagles
Der Chief Technology Officer findet, dass bei Cloud-Diensten viele Kunden im Markt entgegen dem Flexibilitätsversprechen in eine Vendor-Lock-In-Thematik hineingelaufen sind. Wüst spricht vom „Modell Hotel California“, in Anlehnung an den Song „Hotel California“ von den Eagles aus dem Jahr 1976. Es handelt von einem gleichnamigen Hotel, in das ein müder Reisender zur Übernachtung eincheckt. Er merkt bald, dass die anderen Hotelgäste eine eingeschworene Gemeinschaft bilden. Als er das Weite suchen will und sich beim Rezeptionisten meldet, erfährt er: „You can check out any time you like, but you can never leave!“
Pinnacle Partner von VMware by Broadcom
Dieses Festsitzen kann vertragliche Gründe haben. Wüst nennt als Beispiel die neue Lizenzstruktur bei Broadcom, die darauf ausgelegt sei, dass man sich bei VMware-Technologie drei bis fünf Jahre committet, wenn man damit einhergehende Preisvorteile nutzen will. „Plusserver bietet als Pinnacle Partner von VMware by Broadcom hier die Möglichkeit, die Dienste flexibel und nach tatsächlicher Nutzung abzurechnen“, so Wüst, der allem VMware-Hickhack zum Trotze betont: „Die VMware-Technologie ist superklasse und nicht ohne Grund ins Herz der IT gewandert. Insofern waren die Änderungen im Lizenzsystem durchaus ein Gamechanger in der Branche.“
In bestimmten Bereichen, beispielsweise unternehmenskritische Enterprise-Apps, würde Wüst weiterhin auf VMware setzen, „um die Vorteile im Hinblick auf beispielsweise Hochverfügbarkeit, Spiegelung und KRITIS-Konformität nutzen zu können“. Andere Technologien und neue Anwendungen – gemeint sind beispielsweise Microservices und Kubernetes – seien aber auf dem Sovereign Cloud Stack (SCS) besser aufgehoben, findet der Manager.
Der Sovereign Cloud Stack (SCS) und seine Vorteile
Die Hotel-California-Metapher funktioniert nämlich auch in einem anderen Sinnzusammenhang. Dieser zweite Aspekt der Problematik betrifft Vendor-Lock-In durch technisches Rahmenwerk. „Der Sovereign Cloud Stack ist aus Gaia-X heraus entstanden und löst ein Problem, das der zugrundeliegende Open Stack mit sich brachte, nämlich dass sie diesen mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften betreiben können, sodass die Migration von Provider A nach Provider B im Open-Stack-Umfeld nicht so einfach ist“, erläutert der Cloud-Experte. Hier komme der Sovereign Cloud Stack ins Spiel, auf den auch bei Plusserver gesetzt wird. „Dieser bietet die Standardisierung im Hinblick auf Module und APIs, die nötig ist, dass sie problemlos von A nach B wechseln können – sei es hin zu Plusserver oder weg zu einem Mitbewerber oder einer eigenen SCS-Infrastruktur“, so Wüst.
Microservices und Kubernetes sind auf dem Sovereign Cloud Stack gut aufgehoben.
Peter Wüst, CTO, Plusserver
Artgerechte Datenhaltung
Die anbrechende KI-Ära und deren spezielle Anforderungen an die Datenhaltung lässt sich ebenfalls in diesen Kontext einordnen. „Unser Ansatz ist es, ein Cloud-basiertes, aber gekapseltes KI-Trainingsumfeld zu bieten, bei dem es – dank unseres Sitzes in Deutschland – auch keine rechtlichen Unsicherheiten gibt, was Zugriffsmöglichkeiten ausländischer Behörden auf diese Daten gibt.“
Vor diesem Hintergrund stellt Plusserver derzeit in so einem gekapselten Umfeld mehrere Datenmodelle zur Verfügung – sehr beliebt sei hier OpenChat 3.5. „Unsere Kunden können alle möglichen Daten aus ihrem Unternehmen hochladen: PDFs, Mails, alle möglichen relevanten Files und beispielsweise digitale Assistenten damit antrainieren – ohne technische Backdoors und rechtlich sicher in Deutschland“, betont der Plusserver-Manager.
Stand: 08.12.2025
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Aktueller Stand beim „TOP-Programm“
Das Trusted-Operating-Partner-Programm (TOP-Programm), bei dem über ein gemeinsames Ticketsystem und geteilte Ressourcen im Channel Vernetzungsarbeit geleistet werden soll, sei noch in der Aufbauphase, ordnet Wüst ein. „Die Zusammenarbeit mit Fujitsu, die hier unter anderem ihr Openscale-Portfolio einbringen, läuft in ersten Projekten an und dient als Blueprint für die Zusammenarbeit mit weiteren Partnern.“ Das TOP-Programm startete vor ein paar Monaten und wir sind hier On-Track, so der CTO, der selbst erst vor ein paar Monaten bei Plusserver anheuerte.
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