Kartellrechtsbeschwerde Alfaview spricht nicht mehr mit Microsoft

Von Dr. Dietmar Müller 3 min Lesedauer

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Neuer Ärger für Microsoft: Das Karlsruher IT-Unternehmen Alfaview hat die Kommunikation mit dem Konzern abgebrochen und bei der EU-Kommission eine kartellrechtliche Beschwerde eingereicht. Die „Zwangskopplung“ von Microsoft Office 365 mit Teams sei wettbewerbswidrig.

Alfaview hat bei der EU-Kommission eine kartellrechtliche Beschwerde gegen Microsoft eingereicht.(Bild:  frei lizenziert, geralt / Pixabay)
Alfaview hat bei der EU-Kommission eine kartellrechtliche Beschwerde gegen Microsoft eingereicht.
(Bild: frei lizenziert, geralt / Pixabay)

Und Nietzsche hatte doch Recht. Die Ewige Wiederkunft des Gleichen ist harte Realität. Nehmen wir das Beispiel Microsoft: Schon Mitte der 90er Jahren stritt sich der damals schon mächtige, aber immer noch junge Konzern mit Netscape, dessen Navigator-Browser damals das bevorzugte Einfallstor für dieses brandneue (und unfassbar langsame) Internet war. Wenig später folgte eine Auseinandersetzung mit Real, dessen MP3-Player damals das beliebteste Musik-Tool war. Jeweils sollte das Konkurrenzprodukt durch Microsoft-eigene Software verdrängt werden.

Nun also wiederholt sich der Vorgang mit einem neuen Kandidaten, dem Karlsruher IT-Unternehmen Alfaview. Dieses offeriert ein Online-Meeting-Tool und hat gerade mitgeteilt, keine weiteren Gespräche mehr mit Microsoft führen zu wollen, das wäre sinnlos. Dabei wird es aber nicht bleiben – die beiden Parteien müssen miteinander sprechen, wenigstens durch ihre Anwälte vor Gericht, weil Alfaview erstmals im Dezember 2021 und zuletzt im Juli vergangenen Jahres bei der EU-Kommission eine kartellrechtliche Beschwerde eingereicht hat. Die „Zwangskopplung“ von Microsofts Office-365-Suite mit Teams, dem direkten Konkurrenzprodukt zu Alfaview, sei wettbewerbswidrig.

„Nach mehreren Gesprächsrunden, sowohl über Videocall als auch bei einem persönlichen Treffen am Hauptsitz von Alfaview in Karlsruhe, hat sich herausgestellt, dass Microsoft kein ernsthaftes Interesse daran zeigt, Teams aus der 365-Suite zu entkoppeln und das Produkt zu einem Preis anzubieten, der die tatsächlichen Kosten widerspiegelt“, ließ Alfaview offiziell verlautbaren.

Alfaview sieht das Recht auf seiner Seite

Das Unternehmen führt ins Feld, dass Microsoft 2017 Teams in sämtliche Office 365-Angebote integriert hat – „ein Jahr nach der Veröffentlichung von Alfaview“. Es vertritt analog zu seinen eingangs erwähnten Vorgängern die Ansicht, dass damit der Wettbewerb ausgehebelt werde. Innovative Produkte könnten nicht mehr am Markt konkurrieren, weil Microsoft im Bereich der PC-Betriebssysteme sowie Office-Anwendungen eine beherrschende Stellung einnehme. Im konkreten Fall sollten für Microsoft-Software inklusive aller Konfigurationen der Office-365-Produktpalette gleichwertige Alternativen ohne Teams angeboten werden.

Auch müssten für alle Office-365-Produktkonfigurationen und alle Geschäftsbereiche gleichwertige Buchungsmöglichkeiten mit und ohne Teams angeboten und beworben werden. Durch die automatische Bereitstellung von Teams innerhalb der Office-Pakete ergäben sich Nachteile für Marktbegleiter wie Alfaview, weil sie Marketing- und Vertriebsaufwendungen aufbringen müssten, um die Software am Markt zu etablieren. Im Gegensatz dazu könne Microsoft sein Produkt den bestehenden Kunden zur Verfügung stellen, ganz ohne Marketing- und Vertriebskosten.

„Alfaview setzt sich dafür ein, dass die wettbewerbsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, damit sich europäische Technologien und Produkte am internationalen Markt platzieren können - nur so bleibt Europa auch in Bezug auf digitale Produkte konkurrenzfähig“, kommentierte Niko Fostiropoulos, Geschäftsführer und Gründer von Alfaview. „Auf politischer Ebene muss unbedingt verhindert werden, dass Monopole von US-Unternehmen in Europa weiter verfestigt und auf neue Märkte ausgedehnt werden - denn wir brauchen innovative und leistungsfähige Unternehmen, die digitale Souveränität Europas vorantreiben.“

Niko Fostiropoulos, Geschäftsführer und Gründer von Alfaview(Bild:  Alfaview)
Niko Fostiropoulos, Geschäftsführer und Gründer von Alfaview
(Bild: Alfaview)

Nächste Baustelle: KI

Fostiropoulos warnt Unternehmen, Schulen und öffentlichen Einrichtungen, die die 365-Suite gebucht haben: Sie müssten hohe Serverkosten für Teams bezahlen – auch wenn sie das Programm möglicherweise gar nicht nutzen wollten oder dürften. „Videokonferenzdienste erzeugen laufend nutzer- beziehungsweise lastabhängige Serverkosten. Aus unserer Sicht ist es wettbewerbswidrig, die hohen Kosten, die das Produkt Teams erzeugt, auf jene Nutzer der 365-Suite abzuwälzen, die das Konferenztool Teams gar nicht nutzen wollen.“

Und die nächste juristische Baustelle wartet schon: Fostiropoulos beobachtet mit wachsender Besorgnis die jüngsten Kopplungen von ChatGPT mit Microsoft 365 („Copilot“) sowie der Integration der OpenAI-Technologie in die Bing-Suchmaschine. Auch hier hege man kartellrechtliche Bedenken.

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